Anbei die Stellungnahme unseres Kreishandwerksmeisters
Dies verursacht erheblichen Wirbel in der Presse. Die Stellungnahme ging an alle Bürgermeister in unserem Landkreis.
Ich bin mal auf das Echo hier gespannt.
An die Presse
WER IM GLASHAUS SITZT, SOLLTE NICHT MIT STEINEN WERFEN
Wenn Schopfheims Bürgermeister Fleck anlässlich der Bauhofeinweihung massive Kritik an den ausführenden Firmen geübt hat, so hat er aus der Sicht des Betrachters sicherlich Recht.
Aber als Auftraggeber trifft ihn und seine Verwaltung ein gerüttelt Mass an Mitschuld.
Die Verdingungsordnung Bau (VOB), der Leitfaden für die Vergabe öffentlicher Aufträge, sagt ganz deutlich: dass ein Auftrag an den kostengünstigsten Bieter zu vergeben sei.
Vom billigsten Anbieter steht nichts geschrieben. Aber gerade die Prüfung des kostengünstigsten Angebotes bereitet erhebliche Arbeit und Mühen, der man oft aus dem Weg geht und einfachheitshalber dem billigsten Angebot den Zuschlag erteilt.
Und dies obwohl durch die Sichtung der vorliegenden Angebote bekannt sein dürfte, dass eine ordnungsgemässe und fachlich einwandfreie Ausführung des Auftrages gar nicht möglich sein kann.
Da diese mangelnde Vergabepraxis in der Regel so gehandhabt wird, haben viele Handwerksfirmen, die es gewohnt sind, fachlich hochwertige Arbeit abzuliefern, sich schon lange von der Bewerbung bei öffentlichen Aufträgen zurückgezogen.
Es ist einfach nicht möglich, Qualitätsarbeit zu Dumpingpreisen zu liefern. Fachlich gute Mitarbeiter haben Anspruch auf eine leistungsgerechte Bezahlung, aber auch auf eine ausführungszeitlich ausreichende Vorgabe, die es erlaubt, Qualität abzuliefern und keinen Murks. Dies kostet halt Geld.
Ein weiterer Punkt, der mich angesprochen hat, ist die Frage nach der Bauleitung. Warum schreitet ein Fachbauleiter nicht rechtzeitig ein, wenn Mängel bei der Ausführung sichtbar werden?
Fehlt es vielleicht an mangelnden Ausführungsdetails oder klaren Ausführungsbeschreibungen? Wenn ja, so wird dem Schmu Tür und Tor geöffnet. Wer könnte es dann dem Billiganbieter verdenken, dass er seine Chance nutzt.
Der Dumme ist die Fachfirma, die sich an die Ausschreibung bei der Kalkulation gehalten hat und nun mit langem Gesicht zuschauen muss, wie sein Mitbewerber trotz billigem Preis noch absahnt.
Was sich oft als weitere Schwachstelle zeigt sind die Terminplanungen. Ohne fachlichen Bezug werden Montagezeiten festgelegt, die dann oft mit vorausarbeitenden Gewerken kollidieren. Und schon sind die Probleme da.
Mir selbst sträuben sich die Haare, wenn ich lese, das Qualitätssiegel „Made in Germany“ gäbe es am Bau nicht mehr.
Das ist nur eine Frage der Firmenauswahl. Da der Markt der hiesigen Handwerksfirmen überschaubar ist und die Mund-zu-Mund-Propaganda immer noch funktioniert, hat man in diesem speziellen Fall des Werkhof-Neubaus in Schopfheim ganz einfach auf die falschen Pferde gesetzt und dies nach dem Motto
„Wir nehmen immer die Billigsten und lassen so lange nachbessern bis die Leistung stimmt“.
Doch diese Rechnung geht selten auf, und das Geschrei ist dann hinterher gross.
Ich finde es gut, dass Schopfheims scheidender Bürgermeister dieses Eigentor geschossen und damit auf ein grosses Problem der öffentlichen Bauträger hingewiesen hat. Dieses heisse Eisen gehört schon lange angepackt.
Wann haben kommunale Verwaltungen endlich den Mut und das Rückrat, Firmen, die für mangelnde Bauleistungen bekannt sind, bei einer Vergabe auszuschliessen und den Auftrag wirklich dem Preisgünstigsten zu erteilen. Sie sollten mal sehen, wie schnell der Murks vom Bau verschwinden würde.
Ich vertrete die Meinung , dass der grösste Teil der Handwerksfirmen nach wie vor Qualität und Leistung liefert.
Um eines klar zu stellen: Qualität hat nach wie vor ihren Preis!