DIE ZEIT, 07.12.2006 Nr. 50
Kein Plus mit Pellets
Kleine Stäbchen aus Holz galten als Heizmaterial der Zukunft. Jetzt sind sie so teuer, dass sich eine neue Holzheizung kaum lohnt. Von Marcus Franken
Abzocke. Pelletmafia. Nepp am Kunden. Es brodelt im Internetforum der »Holzpellet-Börse«. Als sich vor Jahren die ersten deutschen Hausbesitzer entschlossen, ihr Eigenheim mit Holz statt mit Öl oder Gas zu heizen, da planten sie nicht nur mit einer guten Klimabilanz, sondern auch mit einem ordentlichen Plus im Portemonnaie. Das war eine Illusion.
Die kleinen Stäbchen aus Holz verursachen als nachwachsende Rohstoffe zwar keine Emissionen des Klimagases Kohlendioxid. Lange Zeit kosteten sie auch nur die Hälfte dessen, was Brennstofflieferanten für Flüssiggas verlangten. 70.000 Pelletheizungen sind deshalb in Deutschland installiert worden, 26.000 davon kamen erst in diesem Jahr dazu. Schließlich stiegen die Ölpreise – während die Holzreste, aus denen die Pellets gepresst werden, scheinbar im Übermaß vorhanden waren. So billig war das Holz, dass viele glaubten, die mit etwa 10.000 Euro mehr als doppelt so teure Anschaffung eines speziellen Holzkessels würde sich bald bezahlt machen.
Inzwischen erleben die Holzheizer aber ein böses Erwachen. Die Produzenten haben die Holzpreise binnen zwölf Monaten massiv erhöht. Statt 170 Euro je Tonne wie im vergangenen Jahr kosten Holzpellets heute im Schnitt 250 Euro, manchmal bis zu 300 Euro. »Wir werden abgezockt«, schimpft ein Holzofenbesitzer. Und wer sich gerade noch eine Holzheizung kaufen wollte, gerät ins Grübeln. »Ich bin im Zwiespalt, ob ich überhaupt noch eine Pelletheizung einbauen soll«, klagt ein Interessent im Internet-Forum ...
… Dasselbe Bild bei den Holzheizungen: Werden in diesem Jahr 26.000 neue Anlagen verkauft, sollen es nach Schätzungen des Deutschen Energie-Pellet- Verbandes (DEPV) im kommenden Jahr nur noch 20.000 sein. Denn bei dem hohen Holzpreis rentiert sich der Kauf der teuren Pelletheizung je nach Haus erst nach mehr als 30 Jahren. »Die Unterschiede zwischen einer Öl- oder Gasheizung und einem Pelletofen sind langfristig nicht sehr deutlich«, sagt Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Statt in teure Heizungen – so sein Tipp – sollten die Leute besser in eine gute Wärmedämmung investieren. Zumal die Gas- und Ölpreise eher steigen als fallen werden.
Auch beim Holzpreis darf spekuliert werden. »Der Gipfel der Pelletpreisentwicklung sollte überschritten sein«, sagt zwar Beate Schmidt, die Vorsitzende des Pellet-Verbandes DEPV. Im kommenden Jahr werde die deutsche Pelletproduktion von 900.000 Tonnen um mindestens 400.000 Tonnen zulegen. Schmidt hofft darum auf Preise um die 200 Euro je Tonne.
»Sehr mutig« findet diese Prognose allerdings Udo Mantau, Professor am Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg. Denn nicht nur die Nachfrage nach Holz für Heizkessel und Kamine hat zugenommen, auch die Bauindustrie, die Spanplattenhersteller und die Papierindustrie brauchen für ihre expandierenden Werke den Rohstoff aus dem Wald. Sämtliche Holzsorten sind teuer geworden. Auch die Preise für Sägereste, aus denen die Pellets gepresst werden, steigen dramatisch an. Beim Informationsdienst Euwid hält man folglich Pelletpreise von 300 Euro je Tonne für möglich. Immerhin können darum die Firmen, die Pellets pressen, den Vorwurf der Abzocke zurückweisen. »Unsere Preise für Pellets steigen zu 90 Prozent deshalb, weil unsere Einkaufspreise so hoch sind«, sagt Peter Leibold, Geschäftsführer von German Pellets, hierzulande der größte Hersteller. Das mag den Ruf der Branche retten, dem scharf kalkulierenden Käufer einer Pelletheizung hilft es nicht ...
… Dass Holz zum Heizen dagegen noch einmal so billig wird wie vor Jahren, glauben nicht mal die Branchenverbände. Statt an niedrigen Kosten werden sich die Holzheizer wohl auf Dauer nur noch an ihrer guten Klimabilanz erwärmen können.