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Sven Geitmann

Beitragvon Sven Geitmann » 31.08.2005 16:33 Uhr

Hallo,
den folgenden Artikel habe ich grad gefunden und finde ihn sehr diskussionswürdig. Sowohl die genannten Herren als auch interessierte User können an dieser Stelle den publizierten Text gerne kommentieren:

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[17.02.2004 - 07:00 Uhr]
Stuttgart (ots) - Wasserstoff ist der hippe Energieträger der Zukunft: verbrennt er, werden Energie und Wasser frei – nichts weiter. In Brennstoffzellen wird er gar zur Stromquelle. Bis 2050 soll nach Plänen von EU- Kommissionspräsident Romano Prodi der Umstieg in das Wasserstoffzeitalter verwirklicht sein. Mit rund 600 Millionen Euro an Fördermitteln unterstützt daher die EU bis 2006 die Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Forschung.

Doch Energie- und Umweltexperten warnen in dem Wissenschaftsmagazin "bild der wissenschaft" vor dieser Fehlinvestition. Steigt der Bedarf an Wasserstoff, so muss dieser, will man ihn klimaverträglich produzieren, mit Hilfe von Strom erst aus Wasser gewonnen werden. Dr. Gerd Eisenbeiß, Vorstandsmitglied des Forschungszentrum Jülich hält das für unsinnig: "Mit Strom Wasserstoff zu erzeugen und aus ihm, etwa in Brennstoffzellen, wieder Strom zu machen, ist reine Wertvernichtung." Auch die Idee von Dr. Johannes Töpler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV) in Hamburg, künftig Öko-Strom zur Gewinnung von Wasserstoff einzusetzen, stößt auf Unverständnis: "Der Gedanke tut mir regelrecht weh", sagt Prof. Jürgen Garche, Mitglied des Vorstandes am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Denn bisher wird weltweit noch viel zu wenig Öko-Strom produziert, um ihn für die geplante Wasserstoff-Produktion nutzen zu können. Und die Energiebilanz der Brennstoffzelle sieht noch nicht gut aus. Garche schätzt den Energieverlust vom Öko-Strom über die Wasserstoffherstellung aus Wasser, die Wasserstoffspeicherung, bis hin zur Verstromung des Wasserstoffs in einer Brennstoffzelle auf zirka 65 Prozent und resümiert: "Dann doch lieber die regenerative Elektroenergie gleich ins Stromnetz einspeisen, zumindest für eine Übergangszeit bis 2030 oder 2050."

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siehe auch: [link]http://bdw.wissenschaft.de/bdw/heft/liste.html[/link]

Es wird um kritische Kommentare gebeten!

Gruß, Sven Geitmann

Gerhard Uttenthaller

Beitragvon Gerhard Uttenthaller » 31.08.2005 16:33 Uhr

Allgemein halte den Ruf von Wasserstoff als Zukunftstechnologie für überbewertet.
Der Vorteil von Wasserstoff als Energieträger ist die rückstandsfreie Verbrennung bzw. Umwandlung, anders als bei Kohlenwasserstoffen egal welchen Ursprungs, wo CO oder niedermolekulre Kohlenwasserstoffe entstehen können .
Fälschlicherweise wird von vielen Verbrauchern Wasserstoff als Lösung der Energieprobleme verstanden, tatsächlich ist H2 nur ein Energieträger und keine Energiequelle.
Was in diesem Artikel zu wenig zur Sprache kommt sind weitere Möglichkeiten der Wasserstofferzeugung, ohne dabei den teuren und verlustreichen Weg der elektrischen Erzeugung zu gehen. Es wurde und wird fleißig an der Wasserstofferzeugung aus Biomasse geforscht, zum Beispiel durch das Verfahren der Flash-Pyrolyse. Dieses Verfahren wird zwar bislang hauptsächlich zur Gaserzeugung und -Verstromung angewandt, mit einigen Modifikationen können jedoch hohe Wasserstoffkonzentrationen im Produktgas erreicht werden.
Solche Anlagen wären bestens geeignet zur angestrebten und sinnvollen dezentralen Energieversorgung, da jede Anlage einen gewissen Umkreis mit Wasserstoff, Strom oder Wärme versorgt werden kann, je nach Bedarf.
Auch stellt Wasserstoff nicht den einzig geeigneten Brennstoff für Brennstoffzellen dar,
in der Handhabung einfacher und leichter aus Biomasse herzustellen ist Methanol, speziell für portable BZ wie z.B. in Laptops halte ich Direkt-Methanol-BZ als passender, und auch Biogas will als Brennsoff nicht vergessen werden.
Zweifellos ist die Wasserstofftechnologie eine förderungswürdige Technologie mit Berechtigung, jedoch sollte nicht eine Energietechnologie als DIE Zukunft angesehen werden, den Umstieg zur Nachhaltigkeit erreichen wir nur über ein ausgeklügeltes Technologieportfolio unter Berücksichtigung aller Beteiligten vom Rohstoff bis zum Verbraucher.

Gruß Gerhard
lukas

Beitragvon lukas » 31.08.2005 16:33 Uhr

Das große Problem bei den Energieen ist meiner Meinung nach immer deren Speicherung. Gerade für mobile Anwendungen wie z.B. bei Fahrzeugen bräuchten wir einen guten Energiespeicher. Vielleicht ergeben sich in dieser Hinsicht Chancen für den Wasserstoff. Er könnte dann den Akkus überlegen sein. Ob er das aber tatsächlich ist, das weiß ich leider nicht. Ein guter Energiespeicher wäre meiner Meinung nach dann als "gut" zu bezeichnen, wenn er möglichst preiswert ist, das Speichern der Energie möglichst einfach funktioniert d.h. mit geringem technischen Aufwand, die Energieform möglichst verlustfrei zu lagern ist und der Speicher möglichst große Kapazitäten bei möglichst kleinem Raum aufweist. Auch das Gewicht und die Lebensdauer des Speichers spielen sicherlich eine nicht unwesentliche Rolle. Akkus erfüllen viele dieser Punkte nicht zufriedenstellend.
Sven Geitmann

Beitragvon Sven Geitmann » 31.08.2005 16:33 Uhr

Der folgende Text beinhaltet Kommentare des Vorsitzenden des Deutschen Wasserstoff Verbandes e.V. (DWV) J. Töpler zu besagtem Artikel aus "Bild der Wissenschaft" und der entsprechenden Pressemeldung, die von Herrn Töpler an meine Person zur Klärung des Sachverhaltes geschickt wurden. Die Veröffentlichung von Auszügen dieses Schreibens an dieser Stelle ist abgesprochen und erfolgt in seinem Auftrag:


"Keine der beiden Veröffentlichungen (Artikel und Pressemitteilung) waren in irgendeiner Weise mit mir abgestimmt oder von mir genehmigt. In dem Originalartikel der BdW wird bei der Erwähnung des DWV der Ort Hamburg genannt, woraus ich schließe, daß offenbar mein Eröffnungsvortrag zur Wasserstoff-EXPO am 9. Oktober 2003 gemeint sein müßte. [...]

Meine dortigen Aussagen haben nicht mit dem zu tun, was man mir mit dem BdW-Artikel in die Schuhe schiebt. [...]

Meine damaligen Aussagen zu den verschiedenen Wasserstoff-Erzeugungsverfahren und ihre zeitlich gestaffelten Einsatzmöglichkeiten sind aus dem Zusammenhang gerissen und sinnentstellend verdreht wiedergegeben worden. [...]

Übrigens sind auch die Zitate von Herrn Garche größtenteils verfälscht und nicht autorisiert. [...]

Die Pressemitteilung ist ihrerseits nochmals sinnentstellend verdreht und so gekürzt worden, daß einzelne Dinge in einem Zusammenhang wiedergegeben werden, die im BdW-Artikel in keinerlei Context stehen. So etwa ist die Antwort von Herrn Garche auf meine vermeintliche Aussage zur Wasserstoffgewinnung im BdW-Text an völlig anderer Stelle und in anderem Zusammenhang gefallen. [...]

Die Qualität dieses journalistischen Vorgehens sagt m.E. mehr über den Autor aus als über die Qualität des Wasserstoffs als zukünftiger neuer Sekundärenergieträger."


Kommentar von J. Töpler, veröffentlicht von S. Geitmann
[gelöscht]

Beitragvon [gelöscht] » 31.08.2005 16:33 Uhr

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Breaker 18

Beitragvon Breaker 18 » 31.08.2005 16:33 Uhr

[gelöscht]

Sofia

Beitragvon Sofia » 31.08.2005 16:33 Uhr

In der Schweiz in Zürich im Tages-Anzeiger ist vor zwei Wochen etwas ähnliches geschen. Wenn ein Journalist zu wenig informiert hat, sollte er lieber die Finger von dem Thema lassen, anstatt Aussager zu verfälsche, weil er sie nicht verstanden hat!! Der Artikel wie auch derjenige im Tages-Anzeiger mit dem Titel Neue AKW zur H2 Herstellung hat den Forschern des PSI Paul Scherrer Institut die Aussage in den Mund gelegt, es bräuche neue AKW, damit der Wasserstoff durch Elektrolyse hergestellt werden könne. Erstens ist der Wasserstoff wie auch die Brennstoffzelle keine Energiequelle und ausserdem gibt es wie gesagt auch noch weitere möglichkeiten Wasserstoff ohne Elektrizität herzustellen und das paradoxe ist, dass das PSI selbst eine der neusten Methoden herausgefunden hat: Das Institut der Solarenergie versucht mit Hilfe der Sonnenenergie Wasserstoff zu produzieren. Dabei trennt die Sonnenstrahlung Zinkoxid in Zink und Sauerstoff. Zink kann mit dem Sauerstoff aus dem Wasser wieder zu Zinkoxid zurückreagieren. Dabei entsteht Wasserstoff. Der Wirkungsgrad von diesem Kreislauf ist viel höher als der vom Elektrolyseverfahren. Zinkoxid kann immer wieder für diesen Prozess verwendet werden. Die Sonnenenergie hält diesen Kreislauf in Schwung.
Eine weitere Art der schadstofffreien Wasserstoffgewinnung ist mit Grünalgen verwirklicht worden. Sie spalten mit Hilfe der Sonnenenergie und ihren Enzymen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff.

Solche Artikel sind eine Frechheit!

Ich wünsche allen Interessierten ein schönes Wochenende
sofia
K-H Tetzlaff

Beitragvon K-H Tetzlaff » 31.08.2005 16:33 Uhr

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» Doch Energie- und Umweltexperten warnen in dem Wissenschaftsmagazin "bild
» der wissenschaft" vor dieser Fehlinvestition. Steigt der Bedarf an
» Wasserstoff, so muss dieser, will man ihn klimaverträglich produzieren,
» mit Hilfe von Strom erst aus Wasser gewonnen werden. Dr. Gerd Eisenbeiß,
» Vorstandsmitglied des Forschungszentrum Jülich hält das für unsinnig: "Mit
» Strom Wasserstoff zu erzeugen und aus ihm, etwa in Brennstoffzellen,
» wieder Strom zu machen, ist reine Wertvernichtung."


Herr Eisenbeiß hat vollkommen Recht: Es ist grober Unfug aus Strom Wasserstoff herzustellen, um unter Energieverlusten daraus wieder Strom herzustellen. Das mag für die eine oder andere Nischen-Anwendung akzeptabel sein, aber nicht für eine breite Anwendung. Eine Strom-Wasserstoffwirtschaft wird es also nicht geben.

Der Ansicht von Herrn Eisenbeiß liegt aber ein falsches "Energie-Weltbild" zu Grunde. Es geht davon aus, dass eine Wasserstoffwirtschaft in die bestehende Strom-Infrastruktur hineingezwängt werden muss. Die Strom-Infrastruktur ist aber kein unabänderliches Naturgesetz, es ist Menschenwerk.

Würde man eine Wasserstoffwirtschaft vor dem Hintergrund einer bestehenden Wasserstoff-Infrastruktur sehen, so sähe alles ganz anders aus. Diese Infrastruktur gibt es bereits. Es ist das Erdgas-Rohrnetz.

Aus Biomasse lässt sich durch thermische Vergasung (Steam-Reforming) direkt, also ohne Umweg über den Strom, Wasserstoff herstellen. Diese solare Wasserstoffwirtschaft mit Biomasse ist so effizient, dass der Bedarf an Primärenergie (Biomasse) halbiert werden kann. Dadurch sinken auch die Kosten für Energie um die Hälfte. Biomasse für eine 100%-Versorgung haben wir in Europa genug. In einer Wasserstoffwirtschaft sind Großkraftwerke nicht wettbewerbsfähig. Details finden Sie auf der Website des Autors: www.bio-wasserstoff.de

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