Erneuerbare Energie, Bauen, Haustechnik
energieportal24 Startseite Aktuelle News Förderkonditionen 2013 energieffiziente Gebäudesanierung Grundlagenwissen nach Thema Veranstaltungen: Messen, Seminare, Kongresstermine Tools, Onlinerechner und Newsletter Marktplatz Diskussionsforum B2B Branchenmarktplatz forum
Erdwärme, Wärmepumpe, Erdkollektoren, Wasserwärmepumpen, Bohrungen, Sonden
A.Späth

Beitragvon A.Späth » 14.03.2006 02:40 Uhr

Unser Haus ist Baujahr 1987, gebaut mit "Poroton-Ziegel" mit einem K-Wert von 0,36.
Zur Zeit heizen wir noch mit Öl (Niedertemperaturheizung, 55 Grad C Vorlauf) und normalen Radiatoren.
Verbrauch für ca. 300 qm beheizter Fläche ca. 7200 l / Jahr (das Dachgeschoß ist noch nicht ausgebaut.
Mittelfristig würden wir gerne auf Erdwärme umsteigen, die Resonanz der angefragten Firmen ist jedoch vollkommen unterschiedlich! Einige raten komplett von Erdwärme ab, andere sagen, es ginge.
Wie sind denn die Chancen tatsächlich einzuschätzen? Ich hatte auch Prospekte bekommen von neuen sogen. Hochtemperatur-Wärmepumpen mit einem Vorlauf von bis zu 75 Grad C. Was wäre denn davon alternativ zu halten?
Vielen Dank für Euere ausführlich Beantwortung,
viele Grüße A. Späth

Gast

Beitragvon Gast » 14.03.2006 09:56 Uhr

Hallo,

Wärmepumpe ja, aber es sind noch Vorarbeiten zu erledigen. Hochtemperatur-WP auf keinen Fall, der Stromverbrauch ist viel höher.
Die Vorlauftemperatur von 55°C reicht ja schon für normale WP. Läßt sich aber bei vorhandenen Heizkörpern noch deutlich absenken, wenn man weitere Wärmedämmaßnahmen ergreift. 7200l Öl auf 300m2 ist zu viel, 240 kWh/m2.
Die wirtschaftlich optimale Maßnahme besteht darin, das ganze Haus auf Niedrigenergieniveau herunterzudämmen und dann WP einbauen. Klingt irre, ist aber so. Warum? Du kriegst dann KfW-Darlehen aus dem CO2-Minderungsprogramm; 1 Wohneinheit 50.000 Euro, 2 WE 100.000 usw.
Zinssatz derzeit 1%, bei Erreichen des ENEV-Standard 15% Schulderlaß!

Du hast Glück daß die Wände schon guten U-Wert haben, denn Fassadendämmung kostet mit großem Abstand das meiste Geld. Alles andere ist peanuts. Kellerdecke dämmst du mit 10cm Styropr, wird geklebt oder mit Tellerdübeln befestigt. Wenn der Dachboden nicht ausgebaut werden soll ist es weitaus besser, den Dachboden zu dämmen, nicht die Schräge. Dampfsperrfolie auslegen, 20cmStyroporplatten drauf, 16mm Verlegeplatte, fertig. Kostet 15 Euro/m2. Ganz wichtig die Fenster. Von 1986 sind die Rahmen ja noch gut, aber das Glas ist Isoglas mit U-Wert 3,0. Verglasung austauschen ist erfreulich billig, vor allem bei Kunststoffenstern. Ein m2 Wärmeschutzverglasung mit U-Wert 1,1 kostet 30-max 40 Euro. Habe Samstag 100 kleinere Scheiben bestellt für Mehrfamilienhausprojekt für 24,85/m2 + Steuer. Lasse ich schwarz einsetzen für 8Euro je Scheibe!
Es wird dich materialmäßig nur etwa 5000 Euro kosten, das Haus auf Niedrigenergieniveau zu dämmen. Für Schulderlaß brauchst du übrigens Bescheinigung von Sachverständigem, z.B. Architekt. Das kostet 500-1000, aber dafür kriegst du komplette Wärmebedarfsberechnung, Energiepaß und eben 15% Schulderlaß auf KfW-Kredit.
Dein Energieverbrauch wird dadurch drastisch sinken, sollte nicht viel höher als 3000l Öl sein. Vorlauftemperatur kannst du mindestens auf 45/35°C senken. Die Bohrung für Erdsonde kostet nur noch die Hälfte und die WP wird auch billiger. Du sparst mehr an der WP als die Dämmung kostet. Wirkungsgrad der WP wird auch höher, solltest max noch 8000 kWh verbrauchen, also 1000 Euro pro Jahr Heizkosten.
Du sparst 3000 Euro am Öl, ein Kredit über 50.000 Eurokostet über 20 Jahre bei einem tilgungsfreien Jahr 202 Euro pro Monat, du behältst also sogar noch Geld übrig. Wirst du vielleicht nicht mal brauchen, wenn du einiges selbst machst. Deine WP wird etwa 15-18 kW haben müssen. Empfehle zweistufige Ausführung z.B. von Viessmann. Kostet etwas mehr als einstufig, verbessert aber den Wirkungsgrad und hält länger, da die Kompressorlaufzeiten viel höher sind. Im Schnitt brauchst Du 300m Bohrung. Insgesamt dürften für WP und Bohrung 35000 Euro fällig werden.
Ohne Wärmedämmung brauchst du 700m Bohrung, die allein schon 35000 Euro kosten, und der Stromverbrauch bei höheren Vorlauftemperaturen und schlechterem Wirkungsgrad steigt von 8000 auf 20.000 kWh für 2400 Euro. Höhere Investitioonskosten und dann auch noch viel höherer Verbrauch - verstehst du jetzt warum ich sage Dämmung auf ENEV-Standard ist die wirtschaftlich beste Maßnahme? Ich mache das alles übrigens gerade selbst bei einem Mietshaus, alles durchgerechnet von vorne bis hinten, leider muß ich die ganze Fassade dämmen - rechnet sich trotzdem noch.
Schau www.kfw.de, weitere Fragen beantworte ich gerne

Gruß
Frank
Gast

Beitragvon Gast » 14.03.2006 21:33 Uhr

Hallo Frank,
herzlichen Dank für die sehr umfangreiche Antwort! :D
Die Kellerdecke ist schon, wie beschrieben, isoliert, der Dachboden verfügt derzeit über aufgelegte Isoliermatten aus Glaswolle und soll in etwa 3 Jahren ausgebaut werden.
Ich vergaß noch zu erwähnen, dass der erste Stock, der beheizt wird, ca. 300 qm umfasst, das Erdgeschoß ist ein unvermieteter Gewerbebereich (ebenso 300 qm) und im Winter nur auf Stufe 1 geheizt. Wahrscheinlich sind die langen Wege bis zum Heizkessel der Grund, dass mehr als üblich verbraucht wird.
Die Fenster können somit noch neu verglast werden, werde mal fragen, was das kosten kann. Zusätzliche Wärmedämmung ist also bei Klimaporoton nicht mehr notwendig? (Wäre sehr froh!!).

Jetzt noch die Hauptfrage: Hast Du eine Vorstellung, wieviel qm Wiese man für eine Rohrverlegung (also keine gebohrten Sonden) aufgraben müsste, um das Projekt zu heizen (Grund vorhanden, kein Problem) und welche Pumpengröße bräuchte man dann bei bewohnten 600 - 800 qm??? Derzeit ist ein 43kW-Ölbrenner von Buderus (5 Jahre alt, Niedertemperatur) am "werkeln".

Herzlichen Dank für Deine Mühe,
Gruß
Anton Späth
Gast

Beitragvon Gast » 15.03.2006 09:47 Uhr

Hallo Anton,

die beheizte Fläche ist also doch viel größer; dafür ist der Energieverbrauch schon halbwegs akzeptabel. Fassade dämmen lohnt auf keinen Fall. Wenn du die Wand mit U-Wert 0,36 zusätzlich mit Wärmedämmverbundsystem 10cm Styropor dämmst verbessert sich der U-Wert auf 0,19. Die Energieeinsparung liegt bei 11kWh je m2 Wand und Jahr, also 1,1l Öl oder 3 kWh Wärmepumpenstrom im Wert von dann 36 cent bei Investitionskosten von 80 Euro je m2 Wand.
Verglasung austauschen lohnt in jedem Fall. Austausch Isoglas mit U-Wert 3,0 gegen Wärmeschutzglas U-Wert 1,1 spart 125 kWh pro Jahr, also 12,5l Öl oder 35 kWh Strom. Kosten sollten nicht über 35 Euro je m2 Glas liegen + Einbau, bei Kunststofffenstern etwa halbe Stunde für mittelgroßes Fenster. Habe schon vor 10 Jahren in meiner Praxis 17 Holzfenster mit neuer Verglasung nachgerüstet, war damals in einem Tag für einen Mann erledigt. Die Behaglichkeit in den Räumen wird auch viel höher, die neuen Scheiben haben bei -12°C eine Oberflächentemperatur von 15,6°C statt jetzt vorher 8°C. Eine weitere Energieeinsparung ist in Sachen Wärmepumpe wichtig, um die Vorlauftemperaturen senken zu können. Wenn das Dachgeschoß ausgebaut wird entfällt fürs Obergeschoß der Verlust durch die Decke; die Heizkörper im Dachgeschoß legt man dann auf 45/35°C aus, das ist für Wärmepumpe akzeptabel.
Größere Anlagen werden ja vergleichsweise günstiger, habe gestern Angebot für zweistufige Viessmann Vitocal mit 32,6kW bekommen für 10.250 Euro brutto für die reine Wärmepumpe.
Flächenkollektor kannst du überschlägig mit dem 1 1/2fachen der beheizten Fläche veranschlagen; mehr bei sandig trockenem Boden.

Also nochmal; mein Rat wäre:
- Verglasung austauschen gegen Wärmeschutzverglasung U-Wert 1,1
( bessere mit 0,9 lohnt nicht, doppelt so teuer )
- Dachgeschoß bei Ausbau sehr gut dämmen
- Wärmebedarf Raum für Raum berechnen lassen ( die Ausgabe lohnt
und ist wichtig für Auslegung der Vorlauftemperatur )
- Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich auslegen, bei deinem Haus realistisch 45, vielleicht auch 40°C. Probier mal die Heizkurve etwas niedriger zu legen, heizkörper sind oft überdimensioniert. Kann man übrigens berechnen, erkläre dir gerne wie, nicht so schwer.
- Keine Hochtemperaturwärmepumpe!
- Wärmepumpe ja, auf jeden Fall. Zweistufiges Modell unbedingt vorzuziehen in mehrfacher Hinsicht. Flächenkollektor prima, billiger als Bohrung, obwohl ich diese letztendlich selbst vorziehe.

Gruß
Frank
Gast

Beitragvon Gast » 15.03.2006 23:11 Uhr

Hallo Frank,
ganz herzlichen Dank für deine SUPER ausführliche Antwort!
habe sie mir ausgedruckt und werde alles mal Stück für Stück erledigen!
Sollte ich noch Fragen haben, nehme ich Dein nettes Angebo gerne an und kontaktiere Dich!!
"Warme" Tage und herzlichen Dank,
Gruß Toni
Roko
Beiträge: 1
Registriert: 19.03.2006 12:20
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon Roko » 19.03.2006 12:47 Uhr

Hallo Frank,
Du hast am 14.03. folgendes zum Thema Rentabilität von Wärmepumpen usw. geschrieben

"Die wirtschaftlich optimale Maßnahme besteht darin, das ganze Haus auf Niedrigenergieniveau herunterzudämmen und dann WP einbauen. Klingt irre, ist aber so. Warum? Du kriegst dann KfW-Darlehen aus dem CO2-Minderungsprogramm; 1 Wohneinheit 50.000 Euro, 2 WE 100.000 usw.
Zinssatz derzeit 1%, bei Erreichen des ENEV-Standard 15% Schulderlaß! "

Frage:
Ich beabsichtige in Kürze ein 4-Familienhaus zu bauen. Welche Voraussetzungen muß ich erfüllen, um die 15 % Schuldenerlass zu bekommen? Wo steht das (in welcher Verordnung / Gesetz / Kondition KfW Bank?)

Antwort wär klasse!

MfG,

Robert

Fachplaner Passivhaus
Aktivität: hoch
Beiträge: 110
Registriert: 18.12.2005 15:05
Wohnort: 87480 Weitnau / Oberallgäu
Lob gegeben: 0 Mal
Lob erhalten: 0 Mal

Beitragvon Fachplaner Passivhaus » 19.03.2006 14:10 Uhr

die angabe mit dem kfw-co2-darlehen muss korrigiert werden
das darlehen 50.000.- /wohneinheit(!!), gibts für gebäude die vor dem 31.12.1983 fertiggestellt wurden. wer diese gebäude auf neubauniveau (enev2002) dämmt, erhält zusätzlich 15% tilgungszuschuss. wir haben bereits 60 gebäude (1- bis 20- fam.h.) damit saniert. zins bis 31.12.06 z.b. 1% auf 10 jahre fest.
für alle anderen gebäude gibts das kfw-mod.proramm. wer auf neubau-niveau dämmt oder auf reg. energie umstellt erhält 50.000.-/we, zu 2,02% auf z.b. 10 jahre, jedoch ohne tilgungszuschuss.
weitere 50.000.- /we gibts zu 3,32 %.
die zinsen werden ab 31.03.06 um 0,25-0,50 % angehoben, gemäß der zweimaligen leitzinserhöhung der letzten monate.
wer interesse an einer effektiven energieberatung hat, sollte sich auf unsere homepage umsehen, bzw. kontakt aufnehmen. wir arbeiten von kufstein bis münchen, heilbronn und friedrichs hafen im süddeutschen raum.
schöne und sonnige grüße aus dem allgäu !
Bauen ist nicht eine Chance der Gegenwart, sondern im Besonderen eine für die Zukunft !
*Denen gehört die Zukunft, die sich bereits heute darauf vorbereiten* Zitat Martin Luther King
Gast

Beitragvon Gast » 20.03.2006 22:57 Uhr

Dem letzten Beitrag kann ich mich nur anschließen!

Ich verweise auf meine Erfahrungen mit der Luft-/Wasser-Wärmepumpe.

Wenn KfW 60 erreichbar ist, dann würde ich allemal prüfen, ob es nicht auch für KfW 40 reicht.
Die Einsparungen für die Energiekosten können dann in die Tilgung des höheren Darlehens einfließen.
Sehr gute Darlehenskonditionen mit Restschulderlass werden dem Bauwilligen unter KfW 40 angeboten.
Das energiesparendere Objekt wird zukünftig bei der Immobilien-Wertermittlung besser stehen.

All sagen, dass 3-Liter-Auto ist toll, aber keiner fährte es, und der es fährt, erspart sich die Cholerik an der Tankstelle und braucht keinen Spritspar-Lehrgang. Genauso ist mit dem KfW 40.


Gruß

Thomas
www.energie-effizientes-haus.de

Zurück zu Geothermie & Wärmepumpen



Seit 2001 online, über 35.000 Beiträge
a n z e i g e n
 

  • Ähnliche Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag



Sie lesen gerade die Forendiskussion: Rentabel?