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Lukas90
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Beitragvon Lukas90 » 14.03.2015 19:52 Uhr

Hallo,
wir haben seit 1.1.14 eine Weishaupt WP. Das Problem ist, dass die Wärmepumpe seit einiger Zeit einen stark erhöhten Verbrauch hat. Es sind bei den momentanen Temperaturen in NRW ca. 350kwh pro Woche. Dieser Wert ist seit ca. 1,5 Monaten konstant. Leider habe ich zwischen Ende November und Anfang Februar keine Verbrauchswerte notiert. Zwischen Anfang Oktober und Ende November hatten wir einen wöchentlichen Verbrauch von ca. 60kwh pro Woche.

Zu den Hausdaten:
Errechneter Energieverbrauch laut Wärmeschutzberechnung: 18.300kwh/m²a. Gebäudenutzfläche nach ENEV: 234,6m². Den ersten Fehler habe ich bereits telefonisch mit einem Techniker geklärt: Bivalenzpunkt war auf 20°C eingestellt... Leider hatte die Umstellung keine positive Wirkung.
Im Oktober kam es schon zu einem Totalausfall der WP, welcher mit einem Austausch der Platine gelöst wurde.

Hat jemand eine Idee, wie es zu einem solch plötzlichen Anstieg des Verbrauches ohne jegliche Änderung an der WP kommt?

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Beitragvon Placebob » 14.03.2015 21:51 Uhr

Moin,

ein großer Anstieg der Kosten in den Wintermonaten ist durchaus normal....nun hört sich dein Verbrauch allerdings ziemlich hoch an!
Wie hoch ist dein Heizstabanteil? Sollte er hoch sein, wovon ich jetzt ausgehe, gibt es viele Ursachen.....

z.B.
1) die WP ist falsch ausgelegt für dein Haus...dadurch ein zu hoher Anteil an ZH = hoher Stromverbrauch (leider selber die Erfahrung gemacht.....!!!)

2) Eine reine Einstellungssache, wobei ich mich nicht mit dieser Anlage auskenne (mannigfaltige Einstellmöglichkeiten, am besten über den Kundendienst des Herstellers direkt.)

3) lass das Kühlmittel checken / enormer Leistungsverlust mit zu wenig Kühlmittel (Ein Bekannter hatte solch ein Problem, allerdings gab die Anlage eine Warnung. Heizung lief fast ausschließlich mit Heizstab...)

Hoffe es gibt dir zumindest einen Ansatzpunkt.....

MFG
Placebob
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Beitragvon Laradac » 15.03.2015 21:29 Uhr

Hallo Lukas, willkommen im Forum

seit dem 1. April bist du also stolzer Eigentümer einer Weishaupt WP (die Pumpe gehört dir) oder doch wenigstens Besitzer (eigentlich gehört sie der Bank, du bist aber der einzige, der sie nutzen darf). Wichtiger als der Hinweis auf den Hersteller ist die Aussage WP=Wärmepumpe, noch wichtiger wäre es zu wissen, wie das Gerät arbeitet, ich gehe mal davon aus, dass du die Außenluft als Wärmeträger nutzt. Was dann auf der Warmseite passiert ist jetzt erst mal nicht so wichtig.

Deine nächste Info bezieht sich auf das Gebäude: 18.000kWh/a bei 235qm Bezugsfläche. Der Quotient beträgt ca. 80kWh/m2 und Jahr. Dieser Wert ist zwar nicht erste Sahne, entspricht aber den Vorgaben der EnEV 2009.

Um deinem Problem etwas näher zu kommen, mache ich die Rechnung mal etwas anders auf: Dein Haus braucht im Jahr 18.000 kWh um konstant auf 20 Grad zu bleiben. Den Wert hat irgendein fachkundiger Mensch berechnet. Dies bedeutet, er sagt dir heute, was dein Haus in Zukunft brauchen wird. Wenn er keinen besonders kurzen Draht zum lieben Gott hat, dann muss er entweder kurz vorher zum Joint gegriffen haben, oder er kennt einen Kniff, mit dem man jeden Meteorologen austricksen könnte. Denn schaue ich aus dem Fenster, stelle ich fest, dass die Wettervorhersage nur bedingt mit der aktuellen Lage übereinstimmt.

Der Kniff besteht darin, dass diverse Wetterwarten im Land ständig das aktuelle Wetter aufzeichnen und die Daten in großen Datenbanken zusammenfassen. Heraus kommt dann z.B. ein freundliches „Monstrum“ namens PVGIS. Das ist eine von der EU gesponserte Klimadatenbank, die im Internet kostenlos zur Verfügung steht, mit der also jeder Bürger erst mal beliebig spielen kann, um sich ein Bild von der energetischen Seite seines Bauvorhabens machen zu können. Für Profis gibt’s noch differenziertere Datenbanken, die kosten aber und „kochen auch nur mit Wasser“. Gebe ich in das System mal den Standort Essen ein, spuckt das es folgendes aus:

Monatliche Einstrahlung
PVGIS Schätzung von durchschnittliche Monatswerten
Ort: 51°27'20" Nord, 7°0'41" Ost,Höhe: 88 m ü.d.M., (Essen)
Benutzte Sonnenstrahlungsdatenbank: PVGIS-CMSAF
Optimale Neigung ist: 36 Grad
Jährliche Einstrahlungsdefizit vom Schatten (horizontal): 0.0 %

Monat Hh Hopt H(36) Iopt T24h NDD
Jan 651 1070 1070 66 2.2 443
Feb 1240 1790 1790 58 2.7 387
Mär 2600 3360 3360 48 5.5 324
Apr 4200 4830 4830 35 9.8 187
Mai 4880 5000 5000 21 13.6 82
Jun 5260 5130 5130 14 16.5 38
Jul 5030 5010 5010 17 18.3 5
Aug 4200 4590 4590 30 18.1 31
Sep 3030 3710 3710 42 14.8 129
Okt 1830 2610 2610 56 10.9 265
Nov 830 1310 1310 64 6.9 409
Dez 524 910 910 68 2.8 490
Jahr 2860 3280 3280 36 10.2 2790

Hh: Einstrahlung auf horizontaler Ebene (Wh/m2/Tag)
Hopt: Einstrahlung auf optimal geneigter Ebene (Wh/m2/Tag)
H(36): Einstrahlung auf Ebene mit Neigung: 36Grad (Wh/m2/Tag)
Iopt: Optimale Neigung (Grad)
T24h: 24-stunden Durchschnitt von Temperatur (°C)
NDD: Anzahl Gradtage für Heizung (-)

PVGIS © Europäische Union, 2001-2012
Wiedergebung ist gestattet, wenn die Quelle genannt ist.



Wichtig sind die beiden rechten Spalten, T24h ist die Tagesdurchschnittstemperatur und NDD die Zahl der Heizgradtage.

1 Heizgradtag repräsentiert die Energiemenge, die das Haus einen Tag lang um ein Grad über die mittleren Tagesaußentemperatur aufheizt. Dieser Wert ist gebäudespezifisch. In deinem Fall werden 18.000kWh/a benötigt, um rund 3.000 Heizgradtage am (angenommenen) Standort Essen abzudecken (stände das Haus in Hamburg wären 4.200 Heizgradtage abzudecken).

Ein Heizgradtag entspricht bei deinem Haus damit 6 kWh. Der Kniff der Planungsleute besteht also darin, aus vielen Wetterdaten „Klima“ zu errechnen und dann so zu tun, als entspräche dieses „Surrogatklima“ dem Wetter. Die Abweichungen zwischen der Rechnung und dem einzelnen Heiztag können gigantisch sein, die Jahresbilanz kommt aber verblüffend gut an die Vorhersage heran- Voila …die weiteren Aussichten: nachts weiterhin dunkel…

Gehen wir also zurück zu deinen Daten: 350kWh/Woche hat das Gerät verbraucht, also 50kWh am Tag. Die aktuellen Tagestemperaturen der Messperiode habe ich jetzt nicht parat, gehen wir aber mal davon aus, dass die Durchschnittstemperatur bei 6 Grad gelegen hat, dann wären das 14 Grad Temperaturdifferenz mal 7 Tage = 100 Heizgradtage, mal 6 kWh/Heizgradtag = 600kWh Wärmeertrag bei 350kWh Energieeinsatz.

Für jede kWh Strom aus der Steckdose hat die WP also 1,7kWh Wärme abgeliefert, das entspräche einem COP (Coefficient of Performance) von 1,7. Schlussfolgerung: das Teil funktioniert, nicht gut, aber so lala. Kostet dich der Strom sagen wir mal 28Cent/kWh, hätte die kWh Wärme 16,5Cent gekostet – mit Benzin von der nächsten Tanke wär´s billiger geworden.

Bei deiner nächsten Angabe komme ich jetzt leicht ins Grübeln: „Der Bivalenzpunkt war bei 20Grad“. Bevor ich jetzt weitergrüble, sollten wir kurz klären, was das eigentlich ist, dieser BIVALENZPUNKT.

Nehmen wir einmal an, deine WP saugt im Betrieb ca. 2kWh aus der Steckdose. Bei 10 Grad Außentemperatur betrage der COP 3,0. Die WP liefert damit 6kWh Wärme, dein Wärmebedarf beträgt 10Grad Temperaturdifferenz x 6 kWh/Grad /Tag = 60 kWh. Nach 10 Stunden hat die WP diesen Betrag eingesammelt und setzt sich zur Ruhe. Bezogen auf 24 Std/Tag beträgt die Auslastung damit 40%.

Nun wird es deutlich kälter. Am Folgetag beträgt die Außentemperatur nur noch 0 Grad und der resultierende Wärmebedarf 120kWh. Gleichzeitig fällt der COP auf 2,5. Die WP leistet jetzt nur noch 5kW und bringt in 24 Stunden 120kWh ins Haus. Die Auslastung steigt damit auf 100%, für unsere WP ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Dieser Punkt ist der Bivalenzpunkt. D.h., solange die Außentemperatur über 0Grad bleibt, ist unsere Beispiel-WP in der Lage, den Wärmebedarf deines Hauses alleine zu decken, gibt’s Frost, braucht sie die Hilfe einer zweiten Wärmequelle oder die Raumtemperatur sackt ab, bis der neue Gleichgewichtszustand zwischen Wärmegewinn und-Verlust erreicht ist – ergo: es wird kalt in der Hütte.

Weil der Bivalenzpunkt gebäudespezifisch ist und der Hersteller die WP möglichst oft verkaufen will, hat er in weiser Voraussicht eine Einstellmöglichkeit eingebaut. Die war versehentlich auf den absurden Wert von 20 Grad eingestellt, was bedeutet, dass die WP erst in Betrieb geht, wenn sie keiner mehr gebraucht. Der Wärmebedarf muss also mit der nachgeordneten Sekundärwärmequelle gedeckt worden sein. Aus deiner Aussage, dass der Verbrauch elektrische 350kWh betragen hat, schließe ich, dass die Sekundärwärmequelle keine Gas-Brennwerttherme o.ä., sondern ein schnöder, elektrischer Heizstab ist, ebenso billig wie unsinnig bei einem Jahresbedarf von 18.000kWh, sonst hätte der Stromzähler 0kWh Verbrauch anzeigen müssen.

Auf der anderen Seite hatten wir ja schon für die betrachtete Meßperiode einen Bedarf von 600kWh festgestellt, und den soll deine WP mit 350kWh gedeckt haben. Wenn das so stimmt, hätte dir Weisshaupt eine echte Wundertüte hingestellt, so eine Art perpetuum mobile: nimm 600, gib 350 – sowas gibt´s sonst nur beim Discounter.

In unserer Rechnung muss also noch eine Tretmine vergraben sein, bloß wo? Gehen wir´s nochmals logisch an: Verbrauch 350kWh elektrisch und Außentemperatur 6 Grad sind belegt und die Raumtemperatur muss auch gestimmt haben, sonst hätte dir deine Holde ungebremst den Marsch geblasen. Damit ist der Bedarf von 600kWh erst mal plausibel.

Dieser Bedarf wurde mit 350kWh. Strom gedeckt, womit 250kWh verblieben. Während der Messperiode war das Haus bewohnt. Jeder Bewohner stellt wärmetechnisch eine interne Wärmequelle von 100W dar. Weiter wird Energie zum Kochen, Waschen etc. verbraucht und abends zündest du dir zum Rotwein ein paar Kerzen an, damit es richtig gemütlich wird. Die Energieplaner setzen für die Summe aller interner Wärmequellen 5W/qm/h an. Summa summarum dürften täglich ca. 27kWh und in der Messperiode ca. 190kWh zusammengekommen sein.

Es fehlen jetzt nur noch 60kWh, entsprechend ca. 8,5kWh/d in unserer Bilanz und die dürften durch die Verglasung in unser Haus gelangt sein – passive Solarnutzung, das Wetter war nämlich recht schön. Weil die Sonne keine Rechnung schickt, wird dieser Teil bei der Bilanzierung gern vergessen. Voila, jetzt stimmt´s. Damit ist das ganze Szenario für die erste Messperiode plausibel. Deine ausgetrickste WP hat nicht die gesamte Heizlast, sondern nur den Fehlbedarf von 350kWh an der Backe gehabt und mit dem Heizstab gedeckt, vorausgesetzt, des Ding leistet mehr als 2kWh, sonst stimmt die Zeitbilanz wieder nicht. Damit wäre die ganze Sache logisch rund.

Schauen wir uns nun die folgende Messperiode nach Korrektur des Bivalenzpunktes an: die WP arbeitet munter im richtigen Betriebsbereich, das Wetter ist aber kühler und Sonne hat sich verkrümelt. Rechnen wir alles wie oben zusammen kommen wir – man staune – auf 350kWh. Das ist zwar reiner Zufall aber völlig plausibel. Wir wissen jetzt auch, warum.

Bleibt am Schluss nur noch die Frage: was nun???
Auch darauf gibt´s Antworten – später –wenn du willst.
Melde dich…

Tschö, wa….. und tapfer bleiben
Laradac
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Beitragvon willy » 22.03.2015 16:56 Uhr

hallo Lukas,

hat's sich erledigt?
Also wenn ich diese schräg aus div. Blechteilen zusammengeschusterte Blechkiste verm. aus Wehrmachtsbeständen nach Zeichnung von Weisskopf http://www.weishaupt-ag.ch/service/fach ... uft-wasser,
benannt Wärmepumpe, schon sehe, würde mir speiübel.
Die hat hoffentlich höchstenfalls 2 Mille gekostet.
Wenn Du die Ersatzteilliste duschschaust, dann wird u.a. sogar der leere Elektrokasten und der Deckel dazu (Puddingdose?)ohne Schrauben separat als Ersatzteile angeboten. Also scheint der in kurzer Zeit auch durchzurosten oder ist aus 0,5mm Weissblech oder eben Puddingplastik > ja nicht die Hand aufstützen sonst haste 400VAC die Dich erhitzen wenn das Blech nachgibt!

Weil dies ja scheinbar eine Split ist> alles vom Gehäus an mehrfach geteilt, dann würde ich für diesen Schmarrn keine 200 Teuronen mehr investieren und durch irgendeine Fernost_Pumpe, die vom Platz und Installation her passt ersetzen.

Hast Du dieses Prunkstück ausgelesen oder hat Dir der Heiziger dieses mit himmlischen Worten angedreht?

Gruss Willy
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Beitragvon WP Fan » 22.03.2015 18:27 Uhr

wer wird denn da dem Lucas auch noch den Finger in die Wunde legen?

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