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Marc

Beitragvon Marc » 21.02.2006 10:27 Uhr

Liebe Leute,
bin neu hier habe noch wenig Erfahrung ;-)
Wir wollen uns vom Bauträger ein Niedrigenergiehaus in Holzständerbauweise (fast schon Passivhaus) bauen lassen, in das eine Luft-Wärmepumpe mit kontrollierter Lüftung und Niedertemeperatur-Fussbodenheizungen in allen Räumen bis auf Bad und einem Kelleraum (hier Heizkörper).

Nun hatte ich die Idee, noch einen Schornstein einsetzen zu lassen, damit im Wohnzimmer ein Kaminofen für Holz aufgestellt werden kann. Dieser Kamin könnte dann entweder zum zuheizen, oder aber nur zum Spass, für die Optik und Gemütlichkeit eingesetzt werden.

Der Bauträger meint nun, dass diese Kombination nichts bringt, und sogar schädlich sein kann. Denn wenn ich im kalten Winter im Wohnzimmer den Kamin einheize, denkt das Haus (wg. geregelten Fußbodenheizungen), es soll insgesamt die Temperatur runterfahren. Folge: man geht nach dem Wohnzimmer in andere Räume, wo es dann bitterkalt ist. Ich kann das Argument insofern verstehen, als dass der Kamin ja als Störgröße in ein Regelkreissystem eingreift. Das Haus ist mit der Luft-Wärmepumpe und sehr guter Dämmung optimiert.
Andererseits war ein schöner Kaminofen (mit Fensterklappe) schon immer mein Traum, den ich jetzt im eigenen Haus verwirklichen wollte. Der zusätzliche Schornstien kostet auch nicht die Welt.

Was sind eure Ratschläge?

Schon mal Danke sagt

Marc

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Beitragvon Fachplaner Passivhaus » 21.02.2006 12:26 Uhr

1. was bezeichnet dein bauträger als passivhaus ?
hat es nach phpp (passivhausprojektierungspaket) einen heizwärmebedarf von nahezu Qh = 15 kwh/qm.a oder ist es nach enev gerechnet, etwas besser als der dort vorgeschriebene mindeststandard ?
ich glaube, aus reichlicher erfahrung begründet, das zweite. du kannst froh sein wenn dein heizwärmebedarf Qh< 70 kwh/qm.a nach enev ist.
2. bei einem "fast"-passivhaus ist jeder scheitholzofen im haus zu groß.
bei einem enev-haus, mit entsprechender regelung der heizkreise, ist die kombination stubenofen und luftwärmepumpe ohne weiteres möglich. bei einer abluftwärmepumpe ist es sogar sehr sinnvoll.
3. bei luftwärmepumpen sollte die hülle, nach enev gerechnet, einen Qh< 35 kwh/qm.a betragen. das entspricht nach phpp gerechnet etwa 60 kwh/qm.a, also 4x mehr als bei einem passivhaus, aber weniger als die hälfte eines enev-standardhauses.
4. das rechenverfahren nach enev stellt nicht den tatsächlichen energiebedarf dar und die berechnungen sind oftmals fehlerhaft, weil von
ungeschulten arch., ing. oder handwerkern erstellt. darum vorsicht bei aussagen zum energieverbrauch (fehler 50-100 %)
5. legt den bauträger vertraglich auf einen max. heizenergiebedarf , bei normnutzung, in summe/jahr fest. wenn er darauf eingeht habt ihr ein stück sicherheit mehr. die strittige normnutzung kann durch datenlogger und messgeräte einfach und billig (<500.- euro)bewiesen werden.
dann hat das schönrechnen und schönreden bald ein ende !!

weitere infos www.herz-lang.de
Zuletzt geändert von Fachplaner Passivhaus am 21.02.2006 16:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Marc

Beitragvon Marc » 21.02.2006 13:06 Uhr

Hallo,
Danke für die schnelle Antwort.

Ad1: Letzteres ist der Fall. Das Haus wird nach den Richtlinien des EnEG gebaut. Es wird zusätzlich ein Blower-Door Test durchgeführt.
Bei den Fenstern gibt er einen U-Wert von 0,7W/m2 an.
Das Haus hat eine Aussenluft-Wärmepumpe (innen eingebaut), geregelte Be-und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung, und fast überall im Haus eine Niedertemperatur Fußbodenheizung. Wenn die Aussentemperatur zu niedrig ist, wird Warmwasser und Heizung per Strom zugeschaltet.

Ad2: Warum ist bei einer Abluftwärmepumpe der Einsatz eines Kaminofens sinnvoll? Nur nochmal zur Klarstellung: ich möchte den Kaminofen im WoZi einsetzen können wann und wie lange ich will, möchte aber nicht unbedingt auf diese Zusatzenergiequelle angewiesen sein.

Ad3: Ich habe leider keine Ahnung wie ich den Qn Wert berechnen soll.

Ad4: Der Bauträger gibt mir einen wahrscheinlichen Verbrauchswert von 900€ pro Jahr für Heizung und Warmwasser (bei alleiniger Luft-Wärmepumpe mit Abluftwärmerückgewinnung, Wohnfläche 170m2) an, ist das schöngerechnet?

Nochmal Danke!

Marc
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Beitragvon Fachplaner Passivhaus » 21.02.2006 14:10 Uhr

tut mir leid, aber jetzt wirds schwierig zu antworten
ich müsste den aufbau der bauteile, genaue angaben zu den fensterrahmen- und flügeln und glas haben und eine exakte beschreibung der haustechnik (hersteller + typ, leistung, ..)haben und eine berechnung durchführen.
das ist aufgabe deines auftragnehmers, das kann im forum nicht beantwortet werden. darum rate ich bauherren immer, sich nicht bauträgern auszuliefern, sondern mindestens einen fachplaner für haustechnik oder einen energieberater (arch/ing) parallel einzuschalten. das kostet geld, natürlich, aber ein dauernder hoher unterhalt oder eine schlecht funktionierende heizung kosten noch viel mehr geld und nerven.
bedenke nur, dass bei einer aussenluftwärmepumpe dann am meisten geheizt werden muss wenn die temp. aussen deutlich unter 0 grad sind. da hat jede aussenluftwärmepumpe ein problem mit der wirtschaftlichkeit.
ist ein ausreichend dimensionierter erdwärmetauscher vorgeschaltet ?
welche rückgewinnung hat die lüftungssanlage ?
welche luftdichtheit versporicht der lieferant?
glas mit ug=0,7 hört sich gut an, aber in verbindung mit einem normalen fensterrahmen heisst das immer noch einen Uwindow-wert = 1,00.
meistens wird aber so gerechnet als ob das gesamte fenster so gut wäre wie das glas !!
die moderne technik muss zum konzept des gebäudes passen !ist aber selten der fall, gerade bei bauträger- und fertighäusern, die meistens aus der alten technik kommen und für die neuen anforderungen an ganzheitlichen planungsansätzen, nicht sensibel sind (weils geld und zeit kostet und nur dem käufer mehrwert bringt, wenns passt).
Zuletzt geändert von Fachplaner Passivhaus am 21.02.2006 16:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Fachplaner Passivhaus » 21.02.2006 14:45 Uhr

900 euro strom für heizung und warmwasser bedeutet im normalstromtarif (15 cent/kwh) etwa 6000 kwh.a
bei einer leistungszahl von mindestens 3,0 (Empfehlung > 3,5) im jahresdurchschnitt,
bedeutet dies 6.000x 3 = 18.000 kwh/a gesamtenergiebedarf
abzüglich warmwasser 12,5 x 170= 2.125 kwh/a
somit ca. 15.875 kwh/a fürs heizen, oder 93 kwh/qm.a
das wäre relativ viel energie für ein gutes haus, mit angeblich fast-passivhaus-standard !!
ein bessere leistungszahl ist nur dann zu erreichen, wenn das system optimal geplant und ins gesamtkonzept eingebaut wird. möchte ich nach den bisherigen angaben des bauträgers aber in frage stellen !!
wenn der strom billiger zu kaufen, oder die leistungszahl höher anzusetzen ist, wirds noch ungünstiger im energieverbrauch.
der begriff "passivhaus" hat jedenfalls im zusammenhang mit dem geplanten haus nichts zu suchen. da wird mit falschen verpackungen gehandelt

zum vergleich heizenergiebedarf passivhaus < 15 kwh/qm.a oder umgerechnet 2.550 kwh/a !!
darin beinhaltet ist auch der stromverbrauch für die lüftungsanlage. umgerechnet bedeutet dies heizkosten von ca. 150 bis 200 euro/a, je nach passivhaus-technik.
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Beitragvon ErdGeKo » 21.02.2006 16:07 Uhr

Hallo,
wenn du nur so zum Spaß einen Ofen haben willst, schau mal hier nach: http://www.habee-feuer.de .Die bauen Öfen die mit Bioalkohol laufen. Vorteil man brauch keinen Schornstein und die Kosten sind auch i.O.
Gruß

0162-8373325

Beitragvon 0162-8373325 » 05.03.2006 16:20 Uhr

Hallo!

Wir haben ein Niedrigstenergie-Haus KfW 40.

Die Frage einer Kaminbefeuerung habe ich an meinen Bezirksschonrsteinfeger gerichtet.

Eine Kaminbefeuerung macht ökonomisch wenig Sinn und führt auf Grund der gut gedämmten Gebäudehülle zum sofortigen Wärmestau.
Fenster auf, damit die Hitze entweichen kann.

Oder großen Speicher für die Wärmespeicherung aus dem Kamin mit komplexer Infrastruktur.
Jede zusätzliche Technik unter geringen ökonomischen Vorteilen - Mach das wirklich Sinn?!?!?!

Gruß

Thomas
energie-effizientes-haus.de

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