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joebar
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Beitragvon joebar » 20.08.2008 11:00 Uhr

Hallo,

man liest und hoert viel positives ueber Passivhaeuser - vor allen Dingen von Leuten die damit Geld verdienen. :-)

Jetzt mal die Frage an Leute die in einem Passivhaus wohnen:

- Haben sich eurer Erwartungen erfuellt? Wo wurdet ihr enttaeuscht?
- Wie kann ich die Temperatur erhoehen ohne Heizung? Licht anlassen...?
- In welchem Rahmen kann man die Temperatur regulieren?
- Hat der Keller die gleiche Temperatur wie das Dachgeschoss (Sommer und Winter)?
- Ab welcher Temperatur muss man die Notheizung anmachen?
- Lt. Vorschrift darf ein Passivhaus nicht mehr als 15kWh / a qm zum Heizen verbrauchen. Bei 100 qm brauche ich also 1500 kWh fuer die Heizung im Jahr? Kann man so leicht die Stromkosten ausrechnen oder ist das zu einfach? Auf welche Raumtemperatur beziehen sich diese Heizkosten? Vor allen Dingen, wo fallen die Kosten an wenn ich keine Heizung habe? Reine Stromkosten fuer den Waerme/Lufttauscher?
- Haben Passivhaeuser Loecher in der Wand fuer Dunstabzug in der Kueche und Trocker im Keller? Oder wie wird sowas praktisch geregelt?

Ihr seht ich habe keine Ahnung... aber vielleicht kann mich hier ja jemand aufschlauen damit ich irgendwann mal weiss ob ich das viele Geld ausgeben soll...

Danke!

Thomas Heufers
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Beitragvon Thomas Heufers » 20.08.2008 18:47 Uhr

- Haben sich eurer Erwartungen erfuellt?
Was den Verbrauch und den Komfort angeht, ja! Wo wurdet ihr enttaeuscht? Überhaupt nicht!
- Wie kann ich die Temperatur erhoehen ohne Heizung?
Auch in einem Passivhaus braucht man in unseren Bereiten eine Heizung oder ein Nachheizregister. Licht anlassen...? Allein mit Licht anlassen geht das nicht. Natürlich würde ein 400 Watt Deckenstahler sehr gut als Heizung funktionieren, aber auch in einem Passivhaus werden konsequenterweise Energiesparlampen eingesetzt.
- In welchem Rahmen kann man die Temperatur regulieren? Individuell für jeden Raum, über Nachheizregister im Luftaustritt oder über raumthermostatgesteuerte Flächenheizungen(wassergeführt oder elektrisch).
- Hat der Keller die gleiche Temperatur wie das Dachgeschoss (Sommer und Winter)? Nein, das lässt sich individuell für jeden Raum regeln.
- Ab welcher Temperatur muss man die Notheizung anmachen? Der Begriff "Notheizung" existiert nicht. Pauschal kann man nicht sagen, wann das Heizsystem zuheizt. Das ist abhängig vom Nutzerverhalten und von der gewünschten Raumtemperatur. Vorteilhaft ist, dass im Winter passive Solargewinne (Einstrahlung durch die Fensterflächen) besser gespeichert werden und eine mögliche Auskühlung aufgrund der sehr guten Dämmung wesentlich später eintritt, dann wird also wesentlich später zuheizt als bei konventionellen Gebäuden.
- Lt. Vorschrift darf ein Passivhaus nicht mehr als 15kWh / a qm zum Heizen verbrauchen. Bei 100 qm brauche ich also 1500 kWh fuer die Heizung im Jahr? Kann man so leicht die Stromkosten ausrechnen oder ist das zu einfach? Auf welche Raumtemperatur beziehen sich diese Heizkosten? Folgende Definition beschreibt das Passivhaus: Die genauen Anforderungen an ein Passivhaus sind im Passivhaus-Energiestandard beschrieben. Dieser ist die Weiterentwicklung des Standards für Niedrigenergiehäuser. Nach dieser vom Passivhaus-Institut Darmstadt entworfenen Definition muss ein Passivhaus folgende Kriterien erfüllen:
* Jahresheizwärmebedarf ≤ 15 kWh/(m²a)
* Heizlast ≤ 10 W/m²
* Luftdichtigkeit n50 ≤ 0,60/h
* Primärenergiebedarf ≤ 120 kWh/(m²a) (inkl. aller elektrischen Verbraucher)
Die bedeutendste Einsparung im Vergleich zum konventionellen Wohnungsbau wird beim Heizenergiebedarf mit höchstens 15 kWh/(m²a) erzielt. Dies entspricht umgerechnet etwa 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr.

Vor allen Dingen, wo fallen die Kosten an wenn ich keine Heizung habe? Keine Heizung geht nicht, siehe dito.. Der Einfluss der internen Wärmequellen (Fernseher, Computer, Licht, Herd, etc.) wird bei der Passivhausbetrachtung berücksichtigt.
wird Reine Stromkosten fuer den Waerme/Lufttauscher? Siehe dito..
- Haben Passivhaeuser Loecher in der Wand fuer Dunstabzug in der Kueche und Trocker im Keller? Nein!
Oder wie wird sowas praktisch geregelt? Dunstabzug geht über Umluft, Wäschtrockner als Umluftwäschetrockner (Kondensationsprinzip). Die verbauchte Luft wird über die kontrollierte Wohnraumlüftung abgeführt. Die enthaltene Wärme wird direkt über Luft-Wärmetauscher an die Zuluft wieder abgegeben. Vorteil hierbei ist, dass die Wärmeabgabe nicht direkt ungenutzt nach draußen geleitet wird, sondern durch die Wärmerückgewinnung im Haus verbleibt. Wenn schon energiehungrige Wäschetrockner zum Einsatz kommen müssen. Durch den automatischen Luftwechsel kann man ohne Probleme die Wäsche im Haus trocknen. Die Luftfeuchte wird über die Luftwechselanlage ständig abgeführt. Keine Schimmelbildung, keine muffiger Geruch!

Wir wohnen in einem Passivhaus.

Gruß

Thomas Heufers

Zuletzt geändert von Thomas Heufers am 22.09.2008 11:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon joebar » 21.08.2008 12:17 Uhr

Hallo,

danke.

Also von "meinem" Anbieter http://www.ecologis-dossenheim.de/ mal zwei Zitate

Die „Notheizung“ läuft nur an wenigen besonders kalten Tagen im Jahr.


Die langjährigen Messungen im ersten Passivhaus Deutschlands in Darmstadt-Kranichstein belegen es:
Selbst im Jahrhundertwinter 1996/97 mit Tagesmitteltemperaturen von bis zu -14 °C war die benötigte
Heizleistung in den vier Wohnungen so gering, dass man einen Raum mit 20 m² Wohnfläche mit zwei
Standard-75 Watt-Glühbirnen hätte heizen können. Dabei lagen die Raumlufttemperaturen in dem Vierfamilienhaus
tagsüber ständig über 20 °C.


Wenn jetzt alle anderen elektrischen "Erwaermer" dazu zaehlen, muesste es doch heissen, dass ich fuer die Heizung/Notheizung weniger als 15kWh/a m2 ausgebe? Die anderen Werte der Definition sind wichtig aber nur indirekt. Daher die Frage wie die 15 kWh/a m2 zu verstehen sind.

Jeder Raum ist also einzeln regulierbar. Ich habe auf den Bauplaenen was gesehen was wie die Entlueftung aussieht, die geht aber nicht durch alle Raeume. Muesste ich das auf den Plaenen erkennen koennen?

Dann nochmal zur Kueche, wie schnell wird denn Geruch abgefuehrt? Ist mir insbesondere wichtig da das zur Frage stehende Haus einen offene Kueche hat.

Danke!
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Beitragvon Familyman » 22.08.2008 13:22 Uhr

Hallo Herr Heufers,

ich beabsichtige auch ein Passivhaus zu bauen, jedoch kann ich mich nicht entscheiden wie ich die Restwärme dafür erzeugen soll.

Das eigentliche Sparpotenzial ist doch das man statt einer Heizungsanlage eine Lüftungsanlage einbaut. Man will ja nicht beides kaufen müssen.

Auch eine elektrische Nachheizung im Lüftungsgerät finde ich nicht optimal, da hier zum einem mit Strom geheizt wird und zum anderen möchte ich nicht mit warmer Luft sondern mit einer Strahlungsheizung heizen.

Sind Infrarotstrahler kein Thema im Passivhaus?

Könnte man nicht die Grundwärme über die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung leisten, bei Bedarf einen Kachelofen anzünden und im Notfall Inrarotstrahler einschalten?

Die Strahler dürften doch dann genau so viel Energie brauchen wie das Nachheizregister, oder mache ich da einen Denkfehler.

Reicht die Wärmeenergie des Kachelofens vielleicht sogar aus um komplett auf eine Elektroheizung zu verzichten?

Über Ihre Antwort würde ich mich freuen.

Familyman
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Beitragvon Thomas Heufers » 22.08.2008 13:53 Uhr

Die Idee mit dem Kachelofen würde ich nicht empfehlen. Aufgrund der gut gedämmten Gebäudehülle führt das zu Überhitzung. Selbst wenn eine raumseitige Abstrahlung der Holzheizung unter 20 % liegt, ist die Wärmeabgabe in sehr gut gedämmten Gebäuden kritisch.
Evtl. ein Pellet-Primärofen mit sehr niedriger Umgebungswärme, der auch in der Übergangszeit keine zu hohe Wärmeabgabe an den Raum hat. Folgendes Produkt würde ich da vorschlagen. >> http://www.wodtke.com/ivotec_waterplus.html
Das System hat aber seinen Preis und ist wirklich nicht günstig.

In sehr stark gedämmten Passivhäusern kann man mit einer direkten Nachheizung arbeiten, ökologisch finde ich es persönlich nicht gut gelöst, die Edelenergie "Strom" so in Wärme umzuwandeln.

Wir favorisieren, eher ein wassergeführtes Flächenheizsystem mit einer kleinen Wärmepumpe, also keine Luft/Luft-Wärmepumpe, sondern eine Luft/Wasser-Wärmepumpe oder eine Sole-/Wasser-Wärmepumpe. Letzlich entscheidet der Kunde, mit welchem System er seine Wärmeversorgung sicherstellen will. Wenn die CO2-Neutralität im Vordergrund steht, kommt Pellet zum Einsatz.

Automatische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist quasi im Passivhaus Standard.

Gruß

Thomas Heufers


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