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Beitragvon Gast » 31.08.2005 16:32 Uhr

Keramik für Natursteinfachleute



1) Vorwort

2) Steingut

3) Steinzeug

4) Feinsteinzeug

5) Cotto oder Terrakotta

6) Klinker

7) Spaltplatten

8) Mosaik

9) Politur und Poliert





1) Vorwort

Das nachfolgende kleine Vortragsscript soll dazu dienen, die Berührungsängste des Natursteinhandwerks mit der Welt der Keramik zu reduzieren. Die Fliesenleger haben dies seit Jahren mit Erfolg auf dem Natursteinsektor durchgeführt.

Einige Begriffe möchten wir vorab erklären. Ein "Scherben" ist nicht, wie man vermuten könnte, eine heruntergefallene Fliese, sondern der Fachbegriff für gebrannten Ton bei Steingut, Steinzeug, Cotto, Spaltplatten, Feinsteinzeug usw. Heute wird Keramik meistens im sogenannten Rollenofen gebrannt, dessen Vorteil der kontinuierliche Produktionsprozeß ist. Einige Keramiken werden noch im Tunnelofen produziert, insbesondere bei Bränden mit Mineralfarben. Diese z. B. gelbgeflammten Keramiken werden in Hochlastbereichen, wie z. B. bei Aldi und einigen Lidl - Märkten eingesetzt. Der Vorteil ist, wie bei Naturstein, daß sich die Farben durch Mikroabrieb i. d. R. optisch kaum verändern und somit nicht sichtbar sind. Der Scherben ist bis zu 5 mm Tiefe eingefärbt, also identisch mit der Oberfläche.
Beim Brennvorgang werden die einzelnen Minerale an den Rändern miteinander verschmolzen, ohne im Gesamten flüssig zu werden. Metaller kennen diesen Vorgang unter dem Begriff "Sintern".


2) Steingut
Als Steingut (EN 159) bezeichnet man Keramik, deren "Scherben" nach dem Brand bei ca. 950° - 1100° eine Wasseraufnahme von mehr als 10 % aufweißt. Vorteil ist die gute Bearbeitbarkeit, nebst Dekorierungsfähigkeit
Steingut ist nicht frostfest und deshalb ist die Anwendung auf den Innenbereich beschränkt. Das Rohmaterial wird und aufbereitet. Danach wird das Pulver in Türmen. Dieses Rohpulver wird in Formen gepreßt. Heute wird meistens direkt nach der Pressung flüssige Glasur aufgespritzt oder mittels Sieben Muster aufgetragen.
Derart hergestellte Keramik nennt man auch Monoporosa (Einbrandverfahren). Aufwendige Muster können aber so nicht hergestellt werden. Beim Zweibrand - Verfahren (Biporosa) wird der Scherben gebrannt und danach erst meist aufwendige Glasuren aufgetragen und nochmals im Ofen gebrannt

3) Steinzeug
Im Gegensatz zum Steingut wird der Scherben bei 1150° - 1300° C gebrannt. Durch Zugabe von Feld- und Flußspaten werden die großen Zwischenräume mit "geschmolzenen Glaströpfchen" aufgefüllt. Dadurch erreicht man eine höhere Dichte, geringere Wasseraufnahme und bessere mechanische Festigkeit. Steinzeug ist frostfest. Die Herstellung durch Pressung, und die Glasurverfahren sind analog dem Steingut zu sehen. Fast alle sogenannten Rüttelkeramiken und Sicherheitskeramiken mit und ohne farbige Glasur sind aus Steinzeug. Transparente Glasuren oder Oberflächenvergütungen verringern die Fleckempfindlichkeit der Oberfläche drastisch. Hier sind je nach Art und Ausführung große Unterschiede in der Abriebfestigkeit. Dauerhafter als eine Glasur ist z. B. eine keramische Vergütung, z. B. das Protecta® - System von der Deutschen Steinzeug Fliesen GmbH.
Anwendungsbereich ist die gesamte Vielfalt der Keramik im Innen- und Außenbereich für private und gewerbliche Bereiche.

4) Feinsteinzeug
Der Name wird auch oft mit FSZ abgekürzt. Ultrafeines Mineralpulver mit hohen Anteilen aus Feld- und Flußspäten, Quarz und Flußmitteln wird unter hohem Druck trocken gepreßt Durch die sehr dichte Sinterung ist eine Wasseraufnahme von weniger als 0,2 - Gewichts % üblich. Die Brenntemperatur im Rollenofen von ca. 1200° trägt zu einer sehr dichten Verbindung bei, die bei dem fertigen FSZ zu einer hohen Verschleißfestigkeit und chemischen Beständigkeit führt. Bei der Verlegung sollten vergütete Mörtel lt. Auskunft der Hersteller verwendet werden. FSZ wird i. d. R nicht glasiert und meistens mit preßrauher oder polierter Oberfläche angeboten.








Die Originalgröße dieser Aufnahme ist 1,16 / 1,16 mm. FSZ hat durch die fehlenden Kapillaren fast keine Fleckempfindlichkeit, aber durch die poröse Struktur ist mit einer höheren Schmutzanhaftung zu rechnen als bei einem glasiertem Steinzeug. Manchmal werden die Nachteile durch eine transparente Glasur entschärft, die im privaten Bereich durchaus ihre Berechtigung hat. In gewerblichen Bereichen führt der Abrieb der Glasur zu unschönen Laufzonen, die nicht mehr im normalen Kostenrahmen gereinigt werden können.




5) Cotto oder Terrakotta

Ursprünglich in der Toskana beheimatet hat Terrakotta auch die heimischen Wohnstuben erreicht. Durch die natürlichen warmen Töne erfreut es sich bei Architekten und Privatleuten hoher Beliebtheit.
Basismaterial ist Kalkmergel mit starken "Verunreinigungen" aus Quarzkrümeln. Man nennt dies auch "toskanischen Schieferton". Der im Tagebau gewonnene Ton wird mit Wasser vermengt und geknetet wie ein Teig. Dieser wird dann wie beim Weihnachts - Spritzgebäck durch einen Wolf gedreht und anschließend "stranggepreßt" oder auch trockengepreßt. Die rauhe Oberfläche wird durch Stahlbürsten nach dem Trocknungsprozeß erzielt. Alternativ wird die Grundmasse auch in Holzformen gedrückt und an der Luft getrocknet. Bei einer Temperatur von 950°-1050° wird Cotto in einem Ofen 36 - 48 Stunden gebrannt. Dabei wird aus dem blau-grauen Ton durch Oxydation der rötliche typische Cotto. Durch die Herstellungsmethode können auch Reliefs, Muster in den frischen "Teig" eingedrückt werden. Cotto wird im Ursprungsgebiet verlegt und dann nur gefegt und mit Seife geputzt. Nach Jahren hat der Boden eine Patina, auf der neue Flecken nicht auffallen. In Deutschland hat keiner diese Zeit und es werden auf diesen sonst chemisch gering belasteten Boden etliche Produkte aufgetragen, die eher in Giftküchen zu finden sind. Harmlose Wachse wechseln sich ab mit in Trichloräthylen gelösten Stearinen. Imprägnierer, meist auf Testbenzinbasis, gehören ebenso dazu, wie Acrylate auf Wasser- oder Lösemittelbasis. Wer keine Zeit für die natürliche Patinierung hat, sollte auf glasierte Keramik zurückgreifen, deren Optik mittlerweile so gut angeglichen ist, daß es nicht auffällt.

6) Klinker
Zu den sogenannten "grobkeramischen" Produkten gehören die klassischen Klinker. Bestehend aus Schamotte, Feldspäten und weiß- oder rotbrennenden Tonen (d. h. die Farbe entsteht erst durch den Brand), werden sie wie Cotto als Teig angerührt und im Strangpreßverfahren geformt. Wenn bei der Trocknung eine Restfeuchte von ca. 3 % erreicht worden ist, wird der "Hartziegel" glasiert oder unglasiert bei 1200° im Tunnelofen gebrannt.
Hohe Kantenschärfe, innere Elastizität und Beständigkeit gegen Wasser und Frost lassen den Klinker zu einem idealen Wandbelag für Außenbereiche werden. Als Vollmauersteine sind sie relativ selten anzutreffen. Meistens sind es Verblendungen, die vor ein Mauerwerk mit Klinkermörtel aufgeklebt werden. In Bayern sind Vollklinker auch als Gehwegbelag anzutreffen, allerdings meistens unglasiert.


7) Spaltplatten
Diese unterscheiden sich von den Klinkerplatten nicht in der Herstellung, außer, daß sie Paarweise aus der Strangpreßanlage kommen und erst nach dem Brand gespalten werden. Vorteil dieser Technik ist es, daß größere Formate möglich sind. Es ist die klassische Industriekeramik für Schwimmbäder, Brauereien und die Lebensmittelindustrie.
Hohlkehlen lassen sich ebenso herstellen, wie Formstücke und Sonderlösungen wie z. B. für Beckenränder.

8) Mosaik
Je nach Wunsch kann Mosaik gleichmäßig formatiert sein, Quadrate, Rundstücke oder auch unregelmäßige Formen sind möglich. Alle keramischen Materialien können mit Naturstein kombiniert werden. Mosaik ist eigentlich nur eine besondere Gestaltungsform, keine eigene Keramikart.

9) Politur und polierte Oberfläche
Eine Politur wird entweder aufgetragen durch Wachse oder Kunststoffemulsionen.
Eine polierte Oberfläche wird bei Feinsteinzeug rein mechanisch erzeugt, in dem die Keramik immer feiner geschliffen wird, bis sie glänzt. Glasiertes Feinsteinzeug ist wie glasiertes Steinzeug zu sehen. Eine Glasur kann glänzen, aber auch matt eingestellt sein.


10) Rutschsicherheit
Die notwendige Rutschsicherheit in öffentlichen Bereichen ( R9 - R13 V10) wird i. d. R. durch eine entsprechende Oberfläche erreicht. Bei glasierten Materialien ist die Glasur mit einer "rauhen Struktur" versehen, während bei unglasierten Materialien die Preßform eine Oberflächenstrukur erzeugt, incl. der notwendigen Verdrängungsräume (V 4 - V10). Diese Materialien besitzen dann ein entsprechendes Zertifikat nach DIN 51130 (Arbeitsräume) oder DIN 51097 ( naßbelastete Barfußbereiche)
Bei polierten Feinsteinzeug kann die chemiefreie LaserGrip® - Technik der Magna GmbH, Loitsche dazu dienen, die Bewertungsgruppe R9 mit einem gültigen Zertifikat nach DIN 51130 zu erreichen. Eine vorherige Anätzung von FSZ ist auch möglich (z. B. Signet-System der Fa. Stonegrip), aber es ist z. T. mit größeren Glanzverlusten zu rechnen. Die Verwendung von Flußsäure- oder flusäureabspaltenden Produkten sollten alleinig Fachbetriebe übernehmen, die sich verpflichtet haben, die Richtlinien des Bundesverbandes für Trittsicherheit zu befolgen.


11) Verlegung von Keramik
Wie bei einem Naturstein ist die Verlegung im Dünn- Mittel- und Dickbett möglich. Bei Feinsteinzeug ist allerdings, wie bei Alta Quarzit ist je nach verwendetem Mörtel eine geeignete Haftbrücke aufzutragen.
Die Rüttelverlegung ist eigentlich auf Keramik beschränkt.
Die Anleitung für Rüttelverlegung kann z. B. wie folgt aussehen:


Rüttelverlegung im Verbund
Gesamtkonstruktionshöhe 70 mm.
Vor Beginn der Verlegearbeiten hat sich der AN von der Verlegereife des Untergrundes zu überzeugen.

Sollte der Untergrund noch eine Sinterschicht aufweisen, so ist diese fachgerecht abzufräsen, bzw. mittels Kugelstrahlverfahren zu entfernen.
Evtl. vorhandene Schalölreste, Farben, Grobschmutz usw. sind durch geeignete Verfahren zu entfernen. Bei einer Mörtelbettdicke > 7 cm
kann diese Entfernung entfallen. Die Verlegung hat dann analog der "Verlegung auf Trennlage" zu erfolgen.

Der saubere Untergrund ist vorzunässen und mit einer geeigneten Haftbrücke zu versehen.
Der Verlegemörtel, bestehend aus
1 Raumteil CEM I, PZ 35 F und 3 Raumteile Sand (0 - 8) oder gleichwertiger Werkmörtel wird erdfeucht eingebracht, vorverdichtet und planeben abgezogen.
Eingesetzte Abbindeverzögerer dürfen die Festigkeit nicht negativ beeinflussen. Die Festigkeit darf nicht kleiner als ZE 15 sein.

Auf den eingebrachten, erdfeuchten Verlegemörtel ist ein Gemisch aus 1 Raumteil Sand (0-4), 1 Raumteil PZ mit einer Haftemulsion ( z. B. Ardion 100, 1:1 mit Wasser verdünnt) aufzutragen. Alternativ ist es möglich, eine zementangereicherte Kontaktschicht aufzutragen.

Eine Abpuderung mit Zement ist nur dann zugelassen, wenn eine ausreichende Befeuchtung nach der Abpuderung durchgeführt wird. Die Verwendung von Fliesenklebern als Kontaktschicht o. ä. ist möglich, aber fast immer wird die Verarbeitungszeit überschritten und Schäden provoziert.

Alternativ können auch die keramischen Fliesen rückseitig mit einer geeigneten Haftemulsion / Haftschlämme ausgerüstet werden.

Nach der Einlegung der Fliesen ist regelmäßig darauf zu achten, daß der Belag ausgerichtet wird. Bei der Einrüttelung mit Rollenrüttlern wird der Mörtel verdichtet und das Anmachwasser besser verteilt. Es ist unbedingt darauf zu achten, daß keine "Überzähne" > 1 mm entstehen.

Die im Plan vorgegebenen Dehnfugen sind einzuhalten.
Der AN garantiert die lunkerlose Verlegung.
Nach der Beendigung des Abbindeprozesses sind die Fugen mit einer Mischung aus 1 RT PZ 35 und 1 RT Sand (0 - 4) voll zu verfüllen und nach ausreichender Zeit mit der gleichen trockenen Masse abzureiben

12 ) Zuschnitt von Keramik
Bei der Verarbeitung von Keramik können die vorhandenen Maschinen ( Schleifmaschine, Baustellenfräsen) genutzt werden. Lediglich die Werkzeuge sind materialspezifisch auszuwählen.
Für alle Keramikarten gilt, daß Blätter mit geschlossenem Rand benutzt werden. Die Glasur splittert dann nicht aus. Für Feinsteinzeug gibt es spezielle Blätter ( z. B. Nozar Turbokeramik) Im Unterschied zu den normalen Diamantwerkzeugen haben diese eine weiche Bindung, wie sie auch für andere hochdichte Natursteine (Nero Assoluto) benötigt werden. Glasuren und Feinsteinzeug sind extrem spröde, wie auch Trani oder Botticino. Die Materialien haben die Eigenschaft, bei Zuschnitten die, kurz vor Ende des Schnitts abzuplatzen. Schleifarbeiten an den Kanten lassen sich mit "Korundpapier" wie bei Naturstein durchführen. Klebungen auf nicht glasierten Flächen lassen sich mit den bekannten Produkten für den Natursteinbereich gut durchführen. Größere Bohrungen (>12 mm) sind wie bei Naturstein anzufertigen. Das Bohrwerkzeug muß einen geschlossenen Rand aufweisen (z. B. Nozar Keramikbohrer) und vorher geschärft werden. Die größte Gefahr ist wie beim Zuschnitt das Wegplatzen der Glasur bei Bohrbeginn und die unterseitigen Abplatzungen kurz vor Ende der Bohrung. Nach etwas Übung ist es für keinen Steinmetzen ein Problem Keramik zu bearbeiten.

Gast

Beitragvon Gast » 31.08.2005 16:32 Uhr

Wen dieses Thema interessiert sollte den Artikel: -Naturstein im Bad- unbedingt lesen. Zu finden ist er unter vorgenannter Überschrift in der Rubrik NEWS, Kategorie ALLGEMEINES, RATGEBER, TESTS
Mit freundlichen Grüssen
Das Team von Sanitaerbund

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