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Industrielle Abwärme sinnvoll nutzen

Fachbericht | Wörter: 372 | Aufrufe: 6344 | Druckbare Version

Industrielle Abwärme sinnvoll genutzt

Abwärme des Walzöls heizt Freizeitbad

Den weitreichenden Möglichkeiten der Abwärmenutzung in energieintensiven Industriebetrieben wird noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Doch aus volkswirtschaftlichen, energie- und umweltpolitischen Gründen muss der Abwärmenutzung eine deutlich größere Bedeutung beigemessen werden. Eine zukunftsweisende Lösung realisierte das Werk Ohle der Alcan Deutschland GmbH, dessen Abwärme seit Ende letzten Jahres zur Beheizung eines Freizeitbades dient.

Abb.: Gasmotor der Wärmepumpenanlage
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Bildquelle: agn Paul Niederberghaus & Partner GmbH

Das Werk Ohle der Alcan Deutschland GmbH stellt vor allem Verpackungen und spezielle Menüschalen aus Aluminium her. Dabei fällt unter anderem beim Walzprozess die niedrig temperierte Abwärme des Walzöles von etwa 55 °C an, die bisher nicht nur ungenutzt blieb, sondern auch noch aufwendig „abgeführt“ werden musste. Diese Abwärme wird jetzt in einer Energiezentrale – einer gasmotorisch betriebenen Wärmepumpe der Firma York International, Mannheim – auf ein für die Beheizung des Freizeitbades „AquaMagis“ in Plettenberg notwendiges Temperaturniveau von rund 70 °C angehoben. Da der Gasmotor neben der Wärmepumpe auch noch einen Generator antreibt, liefert die Anlage nicht nur thermische Energie, sondern auch elektrischen Strom. Während etwa 220 kW an elektrischer Leistung in das Netz der örtlichen Stadtwerke eingespeist werden, entsprechen die rund 1.200 kW an thermischer Leistung genau dem Grundwärmebedarf des Freizeitbades. Für kurzzeitig höheren Wärmebedarf steht darüber hinaus noch ein Spitzenlastkessel zur Verfügung. Sowohl der Spitzenlastkessel als auch der Gasmotor werden mit Erdgas befeuert.

Um die Effizienz dieser Anlage zu optimieren, betreibt man den Gasmotor ständig im Volllast-Bereich. Wird thermische Energie gebraucht, treibt der Gasmotor die Wärmepumpe an, in Zeiten geringeren Wärmebedarfs wird dann auf Generatorbetrieb umgeschaltet. Durch diese Arbeitspunktoptimierung läuft die Anlage nie im Teillast-Betrieb, woraus ein hoher Gesamtwirkungsgrad resultiert.

Dieser wird auch durch die relativ große Entfernung von 650 Metern zwischen Energiezentrale und Abnehmer nicht wesentlich beeinflusst. Wie Messungen ergaben, beträgt der Temperaturverlust weniger als zwei Kelvin.

Von diesem innovativen Konzept profitieren sowohl das Aluminiumwalzwerk als auch das Freizeitbad. Letzteres rechnet mit einer Einsparung bei den Heizkosten in Höhe eines fünfstelligen Euro-Betrages im oberen Bereich, während sich bei Alcan der Aufwand für die kostenintensive Abführung der en

tstehenden Abwärme deutlich reduziert.

Auch unter umweltrelevanten Gesichtspunkten resultieren aus diesem Konzept zahlreiche Erfolgsfaktoren: Der Umwelt wird zum einen nun weniger Abwärme über die Kühltürme zugeführt, zum anderen verringert sich durch den Wegfall eines Grundlast-Heizsystems im Freizeitbad die Belastung durch Schadstoffe. Allein die Kohlendioxid-Emissionen gehen so um über 30 Prozent zurück, was einer jährlichen Menge von rund 700 Tonnen entspricht.

Quelle: ASUE, Februar 2004



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