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SUNDIESEL® - Ein ganz besonderer Saft

Fachbericht | Wörter: 457 | Aufrufe: 21370 | Druckbare Version

SUNDIESEL® - Ein ganz besonderer Saft

Ein aus Biomasse produzierter, besonders sauberer und synthetischer Kraftstoff soll sich im Flottenversuch bewähren

Er ist teuer – und eigentlich auch wieder nicht. Er ist rar – und eigentlich auch nicht. Bei seiner Verbrennung entsteht CO2 – und eigentlich nicht. Kein Zweifel, SunDiesel® ist ein besonderer Saft und vor allem so viel versprechend, dass Forscher von DaimlerChrysler ihn derzeit genauestens unter die Lupe nehmen. Seit Ende Juni dieses Jahres strömt der klare, farblose Designerkraftstoff aus einem Zapfhahn an einer Tankstelle in der Stuttgarter Konzernzentrale von DaimlerChrysler.

Abb. 1: Eröffnung der SunDiesel®-Tankstelle im Juni 2003
SunDiesel Betankung

Betankt werden damit zunächst zwei Dieselfahrzeuge, um im Praxistest Kraftstoffqualität, Wirtschaftlichkeit und die ökologischen Vorteile beurteilen zu können. Dies ist die Aufgabe eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Verbundprojekts, in dem DaimlerChrysler mit dem auf Vergasungstechnologie spezialisierten Unternehmen Choren seit April 2002 zusammenarbeitet. Seit einem Jahr beteiligt sich auch die Volkswagen AG an der Kraftstoffbewertung.

Designerkraftstoff aus Biomasse

Teuer ist SunDiesel®, weil die Herstellung bei Choren im sächsischen Freiberg rund 70 Cent pro Liter kostet, das ist zwei- bis dreimal so viel wie Diesel auf Rohölbasis. Trotzdem müssten Verbraucher nicht tiefer in die Tasche greifen. So haben sich die EU-Länder darauf verständigt, die Mineralölsteuer für Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu halbieren. Zudem winken durch Verfahrensoptimierungen und eine großtechnische Produktion sinkende Gestehungskosten.

Rar ist SunDiesel® derzeit noch aufgrund der begrenzten Produktionskapazität bei Choren. Dieses Jahr erhalten die Forscher von DaimlerChrysler 7,5 Tonnen. Sollten sich die Erwartungen an Qualität, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit erfüllen, ließe sich SunDiesel® in viel größeren Mengen produzieren. Als Rohstoff eignet sich nämlich jegliche Form von Biomasse, die bei Choren in einem mehrstufigen Verfahren vergast und zu Flüssigkraftstoffen umgesetzt wird. Für SunDiesel® verwendet man etwa Hackschnitzel aus Durchforstungsholz.

Das Ziel der EU, den Anteil biogener Kraftstoffe bis zum Jahr 2020 schrittweise auf acht Prozent des europäischen Gesamtkraftstoffverbrauchs zu erhöhen, hält Thomas Weber, stellvertretendes Mitglied des Vorstands von DaimlerChrysler und verantwortlich für die Konzernforschung, für realistisch. „Allerdings“, so betont er, „setzt das einen Kraftakt aller Beteiligten voraus.“

Dass dieser Kraftakt die Mühe lohnt, steht für Prof. Herbert Kohler, Umweltbevollmächtigter bei DaimlerChrysler sowie Leiter der Forschungsdirektion Fahrzeugaufbau und Antriebe, fest: „SunDiesel® ist der sauberste und umweltfreundlichste Diesel, den wir derzeit kennen.“ So ist SunDiesel® schwefelfrei und hinterlässt beim Verbrennen weniger Rußpartikel sowie Schadgase als konventioneller Diesel. Vor allem seine CO2-Bilanz sieht blendend aus: Beim Verbrennen entweicht fast genau die Menge an Kohlendioxid, die zuvor seine Quelle – also etwa der Baum, der zu Holzhackschnitzeln verarbeitet wird – der Luft beim Wachstum entzogen hat.

Bilanzierung der gesamten Prozesskette

In den seit Sommer 2003 laufenden Versuchen testen die Forscher von DaimlerChrysler, ob SunDiesel® pur in herkömmlichen Dieselaggregaten verbrannt werden kann, oder ob dafür Modifikationen notwendig wären. Zudem stehen Tests mit verschieden starken Beimischungen von SunDiesel® zu konventionellem Diesel auf dem Plan.

Mindestens ebenso spannend sind die Fragen nach der Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz von SunDiesel®. Dabei betrachten die Forscher die gesamte Kette vom Erzeugen der Biomasse für den Kraftstoff bis zu seiner Nutzung im Fahrzeug.

Quelle: DaimlerCh

rysler, Stuttgart, 01.12.2003



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