SUNDIESEL® - Ein ganz besonderer Saft
Ein aus Biomasse produzierter, besonders sauberer und synthetischer
Kraftstoff soll sich im Flottenversuch bewähren
Er ist teuer und eigentlich auch wieder nicht. Er ist rar und eigentlich
auch nicht. Bei seiner Verbrennung entsteht CO2 und eigentlich nicht. Kein Zweifel,
SunDiesel® ist ein besonderer Saft und vor allem so viel versprechend, dass Forscher von
DaimlerChrysler ihn derzeit genauestens unter die Lupe nehmen. Seit Ende Juni dieses
Jahres strömt der klare, farblose Designerkraftstoff aus einem Zapfhahn an einer
Tankstelle in der Stuttgarter Konzernzentrale von DaimlerChrysler.
Abb. 1: Eröffnung der SunDiesel®-Tankstelle im Juni 2003

Betankt werden damit zunächst zwei Dieselfahrzeuge, um im Praxistest
Kraftstoffqualität, Wirtschaftlichkeit und die ökologischen Vorteile beurteilen zu
können. Dies ist die Aufgabe eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten
Verbundprojekts, in dem DaimlerChrysler mit dem auf Vergasungstechnologie spezialisierten
Unternehmen Choren seit April 2002 zusammenarbeitet. Seit einem Jahr beteiligt sich auch
die Volkswagen AG an der Kraftstoffbewertung.
Designerkraftstoff aus Biomasse
Teuer ist SunDiesel®, weil die Herstellung bei Choren im sächsischen Freiberg rund 70
Cent pro Liter kostet, das ist zwei- bis dreimal so viel wie Diesel auf Rohölbasis.
Trotzdem müssten Verbraucher nicht tiefer in die Tasche greifen. So haben sich die
EU-Länder darauf verständigt, die Mineralölsteuer für Kraftstoffe aus nachwachsenden
Rohstoffen zu halbieren. Zudem winken durch Verfahrensoptimierungen und eine
großtechnische Produktion sinkende Gestehungskosten.
Rar ist SunDiesel® derzeit noch aufgrund der begrenzten Produktionskapazität bei
Choren. Dieses Jahr erhalten die Forscher von DaimlerChrysler 7,5 Tonnen. Sollten sich die
Erwartungen an Qualität, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit erfüllen, ließe
sich SunDiesel® in viel größeren Mengen produzieren. Als Rohstoff eignet sich nämlich
jegliche Form von Biomasse, die bei Choren in einem mehrstufigen Verfahren vergast und zu
Flüssigkraftstoffen umgesetzt wird. Für SunDiesel® verwendet man etwa Hackschnitzel aus
Durchforstungsholz.
Das Ziel der EU, den Anteil biogener Kraftstoffe bis zum Jahr 2020 schrittweise auf
acht Prozent des europäischen Gesamtkraftstoffverbrauchs zu erhöhen, hält Thomas Weber,
stellvertretendes Mitglied des Vorstands von DaimlerChrysler und verantwortlich für die
Konzernforschung, für realistisch. Allerdings, so betont er, setzt das
einen Kraftakt aller Beteiligten voraus.
Dass dieser Kraftakt die Mühe lohnt, steht für Prof. Herbert Kohler,
Umweltbevollmächtigter bei DaimlerChrysler sowie Leiter der Forschungsdirektion
Fahrzeugaufbau und Antriebe, fest: SunDiesel® ist der sauberste und
umweltfreundlichste Diesel, den wir derzeit kennen. So ist SunDiesel® schwefelfrei
und hinterlässt beim Verbrennen weniger Rußpartikel sowie Schadgase als konventioneller
Diesel. Vor allem seine CO2-Bilanz sieht blendend aus: Beim Verbrennen entweicht fast
genau die Menge an Kohlendioxid, die zuvor seine Quelle also etwa der Baum, der zu
Holzhackschnitzeln verarbeitet wird der Luft beim Wachstum entzogen hat.
Bilanzierung der gesamten Prozesskette
In den seit Sommer 2003 laufenden Versuchen testen die Forscher von DaimlerChrysler, ob
SunDiesel® pur in herkömmlichen Dieselaggregaten verbrannt werden kann, oder ob dafür
Modifikationen notwendig wären. Zudem stehen Tests mit verschieden starken Beimischungen
von SunDiesel® zu konventionellem Diesel auf dem Plan.
Mindestens ebenso spannend sind die Fragen nach der Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz
von SunDiesel®. Dabei betrachten die Forscher die gesamte Kette vom Erzeugen der Biomasse
für den Kraftstoff bis zu seiner Nutzung im Fahrzeug.
Quelle: DaimlerChrysler, Stuttgart, 01.12.2003