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Sonnenkollektoren liefern Wärme zum Trocknen

Fachbericht | Wörter: 567 | Aufrufe: 10765 | Druckbare Version

Sonnenkollektoren liefern Wärme zum Trocknen

Bayerisches Pilotprojekt erfolgreich in Betrieb genommen

Rottenburg-Oberndorf, 23. September 2003. Einen Hang zum Außergewöhnlichen hat Landwirt Johann Krimmer aus Pulling in Oberbayern. Als einer von wenigen Anbietern bundesweit ist er auf die Produktion von Wildblumensamen spezialisiert, als erster trocknet er die rund 150 Blumenarten solar. Die Wärme hierfür liefern 150 Quadratmeter Sonnenkollektoren, die innerhalb von sieben Stunden auf dem eigens hierfür errichteten Dach mit einem Kran montiert wurden. Der Prototyp der solaren Blumensamentrocknungsanlage wird vom Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung ZAE e.V. vermessen. Anfang Juni in Betrieb gegangen, weist sie heute einen Wirkungsgrad von 95 Prozent der vorab ermittelten theoretischen Leistung auf.

„Als wir mit den Blumensamen angefangen haben, konnten wir die gemähten Pflanzen noch mühelos auf Folien ausbreiten und an der Luft trocknen lassen“, erzählt Krimmer. „Bei heute 150 Sorten ist das nicht mehr möglich. Wir brauchten eine leistungsfähige Trocknung, mit der wir die einzelnen Arten separat trocknen und die Temperatur regulieren konnten.“ Die Anlage mit Öl zu beheizen, kam für den Landwirt, der für die Heizung und das Warmwasser im Wohnhaus eine Grundwasserwärmepumpe verwendet, nicht in Frage. Für die Nutzung der Sonnenenergie sprachen gleich mehrere Gründe: Die Ernte von Mai bis Oktober fällt in die Zeit der stärksten Sonneneinstrahlung, die benötigte Temperatur liegt bei maximal 35 Grad. „Alles darüber kann die Keimfähigkeit der Blumensamen schädigen“, so der 43-Jährige.

Da es weder bei den deutschen Kollegen, noch im Ausland ein Vorbild für die Trocknungsanlage gab, entwickelten Johann Krimmer, das ZAE Bayern und Peter Littel vom Verband der Solar-Einkaufsgemeinschaften e.V. (www.solar-einkauf.de) den Prototyp kurzerhand selbst: Über 15 groß dimensionierte Sonnenkollektoren wird das Wasser für die Anlage auf maximal 95 Grad erhitzt. In einem 82 Kubikmeter fassenden Pufferspeicher wird die Wärme gespeichert, und sobald Energie benötigt wird, über Rohre in die Trocknung gepumpt. Dort erwärmt das heiße Wasser in Heizregistern die vorbeiströmende Luft. Diese kann in bis zu zwanzig Grüngut-Trockenboxen eingeblasen werden, um hier die Blumensamen zu trocknen. Nach der Trocknung werden die Pflanzen gedroschen und so die Samen gewonnen. Die Energie, die außerhalb der Trocknungszeit produziert wird, soll dazu genutzt werden, das Gewächshaus frostfrei zu halten.

Aufgrund der niedrigen Temperaturanforderung für die Trocknung kann die Wärmeenergie aus dem ganzen Behälter genutzt werden kann. Lediglich drei kleinere Umbauten waren bei dem Pilotprojekt erforderlich: Ein zusätzlicher Entlüfter wurde eingebaut, ein Wärmetauscher ersetzt und eine Leitung verändert. Alle Arbeiten konnten ohne großen Aufwand durchgeführt werden. Durch die Kranmontage des Kollektors konnten Zeit und Kosten gespart werden.

„Ob eine solare Trocknungsanlage die beste Lösung ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. In unserem Fall mit langen Erntezeiten und niedriger Temperatur ist sie ideal. Bei Getreide oder Mais ist es schwierig, da hier die Erntezeiten kurz und der Energieaufwand höher sind. Dennoch: Jede Anforderung kann durchdacht und geprüft werden. Es gibt mehr Möglichkeiten, als man denkt“, sagt der umweltbewusste Landwirt.

Die Solarwärmeanlage für Blumensamen wurde aus dem Programm zur Förderung der Energieeinsparung in der Landwirtschaft und durch eigene Kredite ermöglicht. Dass sie sich rechnen wird, davon ist Krimmer überzeugt. Um einen genauen Vergleich mit einer konventionellen Heizung zu ermöglichen, lässt er die Anlage ein Jahr lang vom Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung ZAE e.V. auf Energieertrag und –einsparung vermessen. Mit den derzeit erzielten 95 Prozent sind ZAE und Krimmer mehr als zufrieden, liegen sie doch deutlich über den Wirkungsgraden anderer derzeit vermessener Anlagen.

Die Anlage wurde von der Firma Solarring vom Verband der Solar-Einkaufsgemeinschaften e.V. realisiert. Nähere Informationen gibt es unter der Rufnummer 0 84 41 / 80 50 70 oder per E-Mail unter info@solar-einkauf.de. Dem Verband gehören rund 100 Solarfachbetriebe und –berater in Bayern und Baden-Württemberg an (www.solar-einkauf.de). Sie sind auf Solarwärme, Solarstrom, Biomasse- und Flächenheizungen sowie Sonnenhäuser spezialisiert.

Quelle: Verband der Solar-Einkaufsgemeinschaften e.V.



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