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Indien ist größter Windmarkt Asiens

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Indien ist größter Windmarkt Asiens


Die Windenergie weist auch außerhalb Europas große Wachstumszahlen auf. Insgesamt rechnen Experten in Zukunft mit jährlich rund 2.500 Megawatt (MW) neuer Windleistung in Amerika, Asien und Ozeanien, wobei die meisten neuen Windparks in den USA, Indien, Japan und Australien entstehen.

„In Australien befinden sich derzeit Windparks mit rund 4.000 MW Windleistung in Planung“, berichtet Achim Höhne von der PB Power Asia Pacific, einem der größten Planungsunternehmen und Energieversorger in „Down Under“. In diesem Jahr wird sich die installierte Leistung von 104 MW (Jahresende 2002) fast verdoppeln: Geplant sind zwei Großprojekte, die für eine neue Leistung von fast 90 Megawatt sorgen werden: Ein 34,5-MW-Windpark mit 23 NEG Micon-Turbinen (NM64c/1500 kW) entsteht im Bundesstaat South Australia, ein 52,5-MW-Windpark (35 NM64c/1500 kW) im Bundesstaat Victoria.

Im Jahr 2004 ist die Umsetzung von zwei weiteren Großprojekten (54-MW-Windpark auf Tasmanien sowie ein 46-MW-Windpark im Bundesstaat Süd-Australien) geplant. Dazu besitzen die Hersteller NEG Micon und Vestas bereits eigene Fertigungsstätten in Australien. Der Bundesstaat New South Wales mit bislang 16 MW am Netz will die Windenergie zukünftig auf insgesamt 1.000 MW Leistung ausbauen. In welchem Zeitrahmen dies vorgesehen ist, steht derzeit noch nicht fest.

Die australische Windenergievereinigung AusWea (Australien Wind Energy Association) geht kurzfristig von einem jährlichen Zubau von 150 bis 350 neuen MW aus. Für geplante Windparks mit einem Umfang von rund 800 MW liegen die Baugenehmigungen bereits vor. Schwierigkeiten bereitet den Projektentwicklern in Australien derzeit noch die Netzanbindung der Windparks: Entfernungen von 40 bis 80 Kilometern zum nächsten Netzanbindungspunkt sind keine Seltenheit.

Indien stellt mit insgesamt rund 1.800 MW Windleistung den größten Windmarkt Asiens dar und ist damit das fünftgrößte Windenergieland der Welt. Der einheimische Anlagenhersteller Suzlon aus Bombay hat inzwischen um „Sprung über die Ozeane“ angesetzt und Niederlassungen in den USA und Deutschland gegründet. Bis 2005 soll die installierte Kapazität in Indien um 1.250 MW anwachsen und dann nach staatlicher Planung insgesamt 3.000 MW betragen. Planer erwarten für die nächsten Jahre eine kontinuierliche jährliche Zuwachsrate von jeweils rund 400 bis 500 MW.

In Japan wird der Windenergie ebenfalls ein größeres Wachstum von 200 bis 300 MW prognostiziert. Motor der Entwicklung ist die Verpflichtung der Energieversorger aus diesem Jahr, ihren Anteil des Stroms aus regenerativen Energiequellen bis 2010 von derzeit 0,3 Prozent auf 1,3 Prozent zu erhöhen. Bislang werden jährlich mehr als 100 MW neu installiert. Hersteller wie Bonus, REpower oder DeWind haben entsprechende Joint-ventures abgeschlossen. „Japan wird einer der wichtigsten asiatischen Märkte“, meint Per Krogsgaard vom renommierten dänischen Planungsbüro BTM-Consult.

Große Hoffnungen und ein großes Potenzial, jedoch noch wenig Realisierungen kennzeichnen die Windenergienutzung in Brasilien. Die staatliche Behörde ANEEL (Agência Nacional de Energia Elétrica) hat die Genehmigungen für Windparks mit einer Leistung von 6.600 MW erteilt. In der Vergangenheit wurden jedoch nur 22,5 MW verwirklicht. Die Ursache für die zahlreichen geplanten Projekte liegt im beschlossenen Förderprogramm „Proinfa“, das eine feste Strompreisvergütung nebst Abnahmeverpflichtung vorsieht. Dazu fehlen allerdings noch die so genannten „Ausführungsbestimmungen“ mit den detaillierten Preisangaben.

In den USA befindet sich mit derzeit 4.719 MW die zweitstärkste Windenergieleistung weltweit am Netz: 1.832 Megawatt in Windparks in Kalifornien und 1.095 Megawatt in Texas. Der US-Markt unterliegt starken Schwankungen, wird dieses Jahr aber ein Rekordjahr erleben. Nach Auskunft der amerikanischen Windenergie-Vereinigung Awea (American Wind Energy Association), die Kooperationspartner der WindEnergy 2004 ist, könnten bis zu 1.600 MW neu ans Netz gehen, weil die PTC-Regelung (Production Tax Credits) bis zum Jahresende 2003 verlängert wurde. Je produzierter Kilowattstunde wird dem Windpark-Betreiber eine Steuergutschrift von 1,7 US-Cent gutgeschrieben. Die Regelung wurde in diesem Jahr mit einiger Verzögerung verlängert. Das verursachte 2002 mit „nur“ 410 neuen MW einen Markteinbruch, der dieses Jahr mit Nachhol- und Vorzieh-Effekten kompensiert wird. Ob die PTC-Regelung über 2003 hinaus verlängert wird, steht noch nicht fest. Durch die Verpflichtung der Energieversorger in einzelnen Bundesstaaten, einen bestimmten Prozentsatz „Regenerativstrom“ zu erzeugen, wird es nach Schätzungen von BTM-Consult oder der HSH Nordbank dennoch eine jährlich neue Windleistung von rund 1.000 MW geben.

Die weltweiten Windenergie- und damit Exportmärkte sind Thema der internationalen Fachmesse WindEnergy 2004 (11. bis 14. Mai 2004) in Hamburg. Dort werden in speziellen Länderforen die wichtigsten Windmärkte weltweit mit ihren politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorgestellt.


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