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Blackout - Versorgungssicher mit Erneuerbaren Energien?

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Fachbericht | Wörter: 2366 | Aufrufe: 4063 | Druckbare Version

Blackout - Versorgungssicher mit Erneuerbaren Energien?

Was wir aus den Stromausfällen in USA, Großbritannien, Skandinavien und Italien für die Zukunft der Erneuerbaren Energien lernen können

Von Wolf von Fabeck



Es darf doch nicht wahr sein: Ein Baum fällt in der Schweiz auf eine Hochspannungsleitung und in der Folge ist ganz Italien ohne Strom!

Versorgungssicherheit wird zum öffentlichen Thema. Die deutschen Stromversorger machten unmittelbar nach dem italienischen Blackout darauf aufmerksam, dass für Deutschland keine Gefahr bestanden hätte, dass aber in zehn Jahren 40.000 MW Kraftwerkskapazität ERNEUERT werden müssten. Sie suggerieren damit, dass nur mit der bisherigen Kraftwerksstruktur die Versorgungssicherheit erhalten werden könne. Hier müssen wir Freunde der Erneuerbaren rasch antworten.

** Versorgungssicherheit - mit Erneuerbaren Energien?

Wie mag es wohl um die Sicherheit der Stromversorgung bestellt sein, wenn später einmal wetterabhängige Wind- und Solaranlagen die Stromversorgung übernehmen, fragen uns nun selbst Freunde der Erneuerbaren Energien. Werden wir dann vielleicht alle paar Wochen im Dunkeln sitzen? Um diese Frage kompetent beantworten zu können, müssen wir uns zunächst einmal mit den Ursachen für die Zusammenbrüche befassen und dann überzeugend darstellen, ob und wie diese Ursachen bei einer zukünftigen Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien vermieden werden können.

** Wie kommt es zu einem landesweiten Blackout?

Wichtig für das Verständnis ist folgende Grundtatsache: Aus physikalischen Gründen können die Verbraucher insgesamt nicht mehr Strom verbrauchen als jeweils im gleichen Augenblick in allen Kraftwerken insgesamt erzeugt wird. Versuchen sie es trotzdem, geht die Spannung im Netz herunter, die Elektrogeräte verbrauchen infolgedessen weniger Strom (der Verbraucher merkt es bisweilen an einem Nachlassen der elektrischen Beleuchtung) und es entsteht ein neues Gleichgewicht zwischen dem zwangsweise unmerklich verminderten Stromverbrauch und der vorher nicht ganz ausreichenden Stromerzeugung. In geringen Grenzen kommen solche kleinen Spannungsänderungen ständig vor und werden möglichst rasch durch eine Erhöhung oder Verringerung der Erzeugerleistung wieder ausgeglichen.

Erst wenn die Erzeugerleistung so weit abnimmt, dass bestimmte Spannungswerte im Netz unterschritten werden, kann es dramatisch werden. Nehmen wir also an, dass plötzlich und unvorhergesehen eine Übertragungsleitung unterbrochen wird, über welche Importstrom in ein Land fließt, dessen eigene Kraftwerkskapazität im Moment des Unfalls nicht ganz ausreicht.

Die zweckmäßigste Reaktion wäre hier ein Abschalten aller nicht-lebenswichtigen Elektrogeräte. Es ließen sich durchaus Automaten einbauen, die dies automatisch auf ein geeignetes Rundsteuersignal hin durchführen würden, doch diese Lösung ist nicht vorgesehen. Die Stromwirtschaft wirbt ja sogar im Gegenteil damit, dass sie IMMER die benötigte elektrische Leistung zur Verfügung stellen wird.

So entsteht also plötzlich durch den Ausfall des Importstroms ein heftiges Defizit im Stromangebot gegenüber der Nachfrage. Dieses Defizit führt nun aber nicht im ganzen Land - wie weiter oben beschrieben - zum schlagartigen Absinken der Spannung etwa auf die Hälfte oder so, also auf ein neues Gleichgewicht zwischen Stromangebot und Stromnachfrage. Ein solches Gleichgewicht wäre zwar theoretisch möglich und auch technisch verwirklichbar, doch tolerieren die Verbraucher keine dunkelgelb glimmende Beleuchtungskörper, hängen bleibende Bohrmaschinen und andere Unerträglichkeiten, wie sie in Kriegs- und Katastrophenfällen an der Tagesordnung waren und sind. Es kann dabei ja sogar zu Defekten an einigen Geräten kommen. Deshalb wird nach der geltenden Sicherheitsphilosophie lieber eine "saubere" Abschaltung vorgenommen.

Zunächst aber noch eine Überraschung: Obwohl sich elektrischer Strom fast mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet, nimmt das Stromangebot nicht schlagartig im ganzen Land ab; es wird also nicht sofort dunkel.



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