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Ölkriege

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Fachbericht | Wörter: 995 | Aufrufe: 5761 | Druckbare Version

Standpunkt: Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen zur wachsenden Gefahr der „Ölkriege“ VDI nachrichten, 17.1.2003

Nur die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien weltweit wird langfristigen Klimaschutz gewährleisten und zukünftige Erdölkriege verhindern, so Hans-Josef Fell in seinem nachfolgenden Beitrag.

Die Erdölreserven der Welt werden die steigende Weltnachfrage in absehbarer Zeit nicht mehr decken können. Beim Erdgas sieht es kaum besser aus. Erdöl und Erdgas werden im wahrsten Sinne des Wortes schon in naher Zukunft noch heißer umkämpft sein als heute. Ein Beharren auf dem konventionellen Energiesystem wird die Ressourcenkriege deshalb weiter eskalieren lassen. Kohle ist kein Ausweg, sondern führt in die Klimasackgasse. Zugleich aber sind auch die Risiken des globalen Ersatzes von Öl und Gas durch Atomenergie unverantwortbar. Und schließlich sind Kohle und Erdgas ebenfalls begrenzt. Das Ziel muss daher die vollständige Ablösung der endlichen und schädlichen atomaren und fossilen Energieträger sein. Es gilt, Abschied zu nehmen von der Utopie, dass wir mit begrenzten Energieträgern unbegrenzt wie bisher fortfahren können. Der drohende Irakkrieg wäre nur ein Glied in einer bereits langen Kette von Kriegen um Energieressourcen. Er ist aber mehr als nur das. Er ist ein deutliches Zeichen für das globale Ringen um den Zugang zu den Erdölquellen.

Schon in wenigen Jahren wird die weltweite Rohölproduktion ihr Maximum erreicht haben. Außerhalb der OPEC geht weltweit die Erdölförderung zurück. Gleichzeitig wächst jedoch die Nachfrage – nicht nur die Chinesen steigen auf das Auto um. Als Folge dieser Entwicklung werden wir Energiepreiskrisen erleben, die ohne Beispiel sind. Wir sollten uns bewusst machen, dass die heutige weltweite Wirtschaftskrise mit der kleinen Ölpreiskrise vor zwei Jahren ihren Anfang nahm. Die Irak-Krise hat viele Ursachen: ein diktatorisches Regime, Massenvernichtungswaffen und im weiteren Zusammenhang auch Terrorismus. Den eigentlichen Hintergrund bildet aber vor allem ein wirtschaftliches Interesse: das irakische Erdöl.

Der Irak hat weltweit die zweithöchsten Erdölreserven nach Saudi-Arabien. Nur – wie weit reichen eigentlich die irakischen Erdölreserven? Können sie den USA und der Welt eine ausreichende und langdauernde Energieversorgung gewährleisten? Selbst nach optimistischen Schätzungen können die irakischen Erdölreserven die US-Versorgung gerade einmal für 16 Jahre decken, die weltweite nur für etwa vier Jahre. Ein Ankurbeln der irakischen Ölproduktion kann der Welt also lediglich für kurze Zeit billiges Erdöl liefern. Die USA verschlingen ein Viertel der Welterdölproduktion. Gleichzeitig sinkt die Erdölproduktion in den USA dramatisch ab. So kauften die USA 1985 lediglich 30 % ihres Bedarfes aus dem Ausland zu. Heute müssen sie aber bereits 60 % ihres Bedarfes importieren – mit schnell steigender Tendenz.


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