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Nachhaltige Dämmstoffe - Ihre Eigenschaften und gesetzliche Bestimmungen

Fachbericht | Wörter: 717 | Aufrufe: 7435 | Druckbare Version

Dem Begriff der Nachhaltigkeit begegnet man derzeit überall und so auch im Baustoffgewerbe. Das Konzept dahinter ist eine ressourcensparende Nutzung von Gütern ohne eines der beteiligten Systeme zu destabilisieren. Im Bereich der Dämmstoffe spricht man vor allem dann von Nachhaltigkeit, wenn das entsprechende Material aus einem nachwachsenden Rohstoff besteht oder bei der Entsorgung biologisch abbaubar ist. Natürlich spielen in dem Begriff der Nachhaltigkeit auch soziale Faktoren eine große Rolle, da sie aber je nach Erzeuger unterschiedlich sind, können Sie hier nur schwer berücksichtigt werden. Im folgendem ist also eher die Rede von ökologischen Dämmstoffen.



Die gängigsten ökologischen Dämmstoffe sind Holz, Zellulose, Hanf, Flachs, Kork, Baumwolle, Schafswolle, Glimmerschiefer, Perlit, Schaumglas, Kokos, Schilf, Calciumsilikat und Stroh. Trotz der vielen Ausweichmöglichkeiten werden drei von vier Häusern mit Polystyrolplatten (Styropor) gedämmt, dass aus Kunststoff besteht, Erdöl enthält und somit eine niedrige Umweltverträglichkeit besitzt.

Die Eigenschaften von nachhaltigen Dämmstoffen

Nicht wenige private Hausbesitzer nehmen an, dass der Dämmstoff mit der höchsten Dämmwirkung auch gleichzeitig der Effektivste ist. Es sollte sich aber eher die Frage gestellt werden welche Umweltbedingungen mit der Lage des Eigenheims einhergehen und welche negativen Einflüsse auf die Bausubstanz einwirken können. Entscheidend ist also welche Eigenschaften von dem Isolator gefordert werden. Eine pauschale Antwort welcher Dämmstoff der wohl Beste ist, kann folglich nicht getroffen werden.



Allerdings kann man sich einer möglichst effektiven Wärmedämmung annähern, ohne das die bereits verbauten Materialien zu Schaden kommen, wenn man folgende Punkte in seine Analyse miteinbezieht:

1. Rohdichte [Kg/qbm]: Gibt das Verhältnis von Masse zu Volumen des Dämmstoffs an (je geringer die Rohdichte, desto besser ist die Wärmedämmeigenschaft)

2. Diffusionswiederstand [mue]: Gibt den Feuchtigkeitsaustausch des Dämmstoffs an

3. Spezifische Wärmekapazität [J/(kgK)]: Wärmemenge die benötigt wird um einen kg des jeweiligen Dämmstoffs um 1Kelvin zu erwärmen

4. Wärmeleitfähigkeit [W/(mk)]: Ausgangslage: Ein Bauteil mit 1qm Fläche und 1m Dicke; Wie viel Wärme wird innerhalb einer Sekunde zwischen innen und Außenwand abgegeben, bei einem Temperaturunterschied von 1Kelvin. Je geringer der Wert ist, desto besser isoliert der Stoff

Trotz hoher Kennzahlen einiger Stoffe für Wasserdampfdurchlässigkeit kann eine Schimmelbildung einsetzen, denn alle hier aufgezählten Eigenschaften von Dämmstoffen setzen eine ausreichende Wärmezufuhr und Lüftung voraus! Weitere Fähigkeiten von Dämmstoffen wie Brand- und Schallschutz werden nicht weiter behandelt, da sie keinen direkten Einfluss auf die Bausubstanz oder das Innenraumklima haben.

Dämmstoffe können eine weitere Eigenschaft aufweisen, die meistens nicht in die Kalkulation einbezogen wird. Gerade die ökologischen und nachhaltigen Materialien können aufgrund Ihrer Herkunft natürliche Allergene enthalten. Prominente Beispiele hierfür sind Pollen, Holzstaub und Pilzsporen. Auch wenn mit Pestiziden versucht wird diese Störungen auszuschließen, ist ein Erfolg nicht immer gewährleistet. Eine Unverträglichkeit sollte also bestenfalls vor dem Hausbau festgestellt werden.

Der Vergleich

Oftmals wird angenommen, dass ökologische und damit nachhaltige Dämmstoffe schlechtere Eigenschaften aufweisen als künstlich hergestellte Isolationsmaterialien. Vergleicht man jedoch als Beispiel Dämm-Hanf mit den erwähnten Polystyrolplatten, so stellt man fest, dass beide eine ähnlich hohe Dämmwirkung besitzen. Lediglich in der Wasserdampfdurchlässigkeit gibt es zwischen den beiden Baustoffen Unterschiede, aber wie erwähnt können diese Eigenschaften je nach Ort und Umweltbedingung sowohl gut, als auch schlecht sein.



Das Problem: Biogene Dämmstoffe sind 2-4 mal so teuer wie künstlich hergestellte Dämmmaterialien. Wie bei vielen Entscheidungen ist der ausschlaggebende Punkt also nicht die Eigenschaft, sondern der Preis. Das ist auch der Grund weshalb nachwachsende Rohstoffe nur etwa 3% des Dämmstoffmarktes ausmachen.

Gesetzliche Bestimmungen zur Dämmung

Pflichten zur Dämmung gibt es in Deutschlnd nur sehr wenige, welches Dämmmaterial verwendet wird, bleibt dem Hausbauer überlassen. Allerdings gelten je nach Verwendungszweck des Bauwerkes bestimmte Verordnungen zum Brandschutz. So müssen die Decken von Versammlungshallen beispielsweise aus nicht brennbaren Materialien bestehen. Hier so
llte man genau auf die jeweilige Nutzung des Bauwerkes achten und diese mit der Brandschutzverordnung abgleichen

.

Für den privaten Hausbauer sind 3 gesetzliche Pflichten interessant:

1. Beim Erwerb eines Gebäudes nach dem 1.02.2011 muss das Dach bzw. der oberste Stock gedämmt werden. Der maximal erlaubte Dämmewert liegt bei 0,24W/m²k. Diese Regelung gilt für so ziemlich alle bewohnten oder bewirtschafteten Häuser. 2014 wurde eine allgemeine Dämmpflicht eingeführt und so müssen nun alle Gebäude bis Ende 2015 eine Dachdämmung oder Dämmung der obersten Geschossdecke aufweisen.

2. Soll eine äußere Wand gedämmt werden, muss dies nach den EnEV Richtlinien geschehen ( 0,24 W/m²k).

3. Alte Heizkessel (vor 1978) müssen ausgewechselt werden und Heizungsrohre sind zu isolieren.

Quellen:
http://www.enev-online.de/
https://www.nabu.de/downloads/studien/leitfadendaemm.pdf
Benz GmbH & Co. KG Baustoffe
http://www.sueddeutsche.de/wissen/nachhaltiges-daemmen-verdaemmt-noch-mal-1.2242014

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