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Das Heizungswasser beeinflusst Leistung und Lebensdauer von Heizsystemen

Fachbericht | Wörter: 742 | Aufrufe: 7518 | Druckbare Version

Wenn in den oberen Etagen keine Wärme mehr in den Heizkörpern ankommt, dann muss das nicht unbedingt an einer zu gering bemessenen Leistung der Umwälzpumpen liegen. Eine Ursache kann sein, dass das Heizungswasser nicht die optimale Qualität aufweist. Vor allem so genanntes „hartes Wasser“ sorgt innerhalb der Heizungssysteme für Ablagerungen, von denen die Durchgangsfähigkeit von Ventilen und Leitungswegen im Laufe der Zeit immer weiter eingeschränkt wird. Die Folge ist, dass die Umwälzpumpe gegen einen stetig steigenden Widerstand ankämpfen muss. Das verringert die Effizienz des gesamten Heizungssystems, erhöht die Heizkosten für die Nutzer und begünstigt die Notwendigkeit teurer Wartungen und Reparaturen. Mit optimal aufbereitetem Heizungswasser lassen sich diese Risiken erheblich minimieren.

Welche Richtwerte müssen nach TRD beim Heizungswasser beachtet werden?

Das Kürzel TRD wird für die technischen Regeln zum Bau und Betrieb von Dampfkesseln verwendet. Die TRD 612 stellt dabei die Richtlinien für die Beschaffenheit von Heizungswasser dar. Sie gibt folgende Kriterien an:



Bei den verwendbaren Arten von Heizungswasser sind Unterschiede beim praktischen Betrieb zu beachten, die sich vor allem beim Umfang der notwendigen Überwachung sowie den Kosten der Aufbereitung zu Heizungswasser finden.

Beim Heizungswasser die Bauart der Systeme berücksichtigen

In den modernen Heizungssystemen werden verschiedene Arten von Materialien miteinander kombiniert. Ein besonders umfangreicher Materialmix ist bei den kleinen Heizungsanlagen anzutreffen, die in Eigenheimen zum Einsatz kommen. Der Grund liegt darin, dass sie im Niedertemperaturbereich betrieben werden. Diese Systeme gelten als ungefährlich, was sich in wenigen vorhandenen Bauvorschriften widerspiegelt. Die in einem Heizungssystem vorhandenen Werkstoffe entscheiden darüber, welchen pH-Wert das Heizungswasser haben darf:
  • Anlagen mit Aluminiumbauteilen: pH-Wert maximal 8,5
  • Anlagen ohne Aluminiumbauteile: pH-Wert zwischen 8,5 und 9,5
Bei Anlagen mit Aluminiumbauteilen zieht das die Notwendigkeit einer ständigen Überwachung nach sich, denn das Heizungswasser sollte für die Schonung und die Erhaltung der vollen Leistungsfähigkeit nach der ersten Heizperiode einen pH-Wert haben, der möglichst über 8,0 liegt. Der zu erreichende Zielwert weist bei aluminiumhaltigen Heizungssystemen dadurch kaum Spielraum auf. Weitere Anforderungen an das Heizungswasser ergeben sich, wenn der konventionelle Heizungskessel mit einer solarthermischen Anlage kombiniert wird, da hier auch der Materialmix der Solaranlage mit bedacht werden muss.

Komplett entsalztes Heizungswasser ist kein „Allheilmittel“

Jedes Heizungssystem ist durch die im Heizungswasser enthaltenen Stoffe der Gefahr von Korrosion ausgesetzt. Deshalb werden immer mehr Systeme mit teilweise oder vollständig enthärtetem und entsalztem Heizungswasser betrieben. Dadurch kann die elektrische Leitfähigkeit deutlich minimiert werden, was eine drastische Verlangsamung der Korrosion bedeutet. Doch komplett verhindern lässt sich das Korrosionsrisiko auch mit entsalztem Heizungswasser nicht. Der Preis dafür sind hohe Kosten bei der Aufbereitung des Heizungswassers sowie die Gefahr der Entstehung von Spannungsrissen. Hier ein kleiner Überblick über die Kosten bei verschiedenen Aufbereitungsverfahren für jeweils einen Kubikmeter Heizungswasser:
  • übliches Trinkwasser – 1 Euro
  • Teilenthärtung – 3 Euro
  • Vollenthärtung – 6 Euro
  • Teilentsalzung – 260 Euro
  • Vollentsalzung 400 Euro
  • Umkehrosmose – mehr als 600 Euro

Die Grenzen der derzeit verfügbaren Systeme zur Aufbereitung von Heizungswasser

Die Technik für die Enthärtung vor Ort wäre theoretisch in Form der Ionentauscher vorhanden. Doch vor allem bei kleineren Heizungsanlagen erweisen sie sich im praktischen Betrieb als problematisch. Die als VE-Anlagen bezeichneten Systeme werden in die Nachspeiseleitungen integriert. Doch dort findet nur sehr selten eine vollständige Durchströmung statt, was dazu führt, dass die eingesetzten Harzkugeln im Laufe der Zeit verkleben. Das wiederum zieht eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit nach sich. Es kann im Einzelfall sogar zum Effekt der Reionisation kommen, die wiederum bewirkt, dass das Heizungswasser in der Umgebung der Patronen der VE-Anlagen besonders hart und elektrisch leitfähig ist. Damit wird ein Hotspot der Korrosion geschaffen, die durch die Aufbereitung des Heizungswassers eigentlich vermieden werden soll.

Bei der Verwendung von Mischbettionenaustauschern zur Entsalzung des Heizungswassers besteht die zu beachtende Problematik darin, dass zwei verschiedene Arten von Harz eingesetzt werden. Das erhöht den Aufwand der Wartung sehr deutlich. Hinzu kommt die Frage der Entsorgung der Harze nach der Verwendung. Sie stellen eigentlich Sondermüll dar, werden aber leider häufig über den normalen Hausmüll entsorgt, was zu erheb
lichen Risiken für die Umwelt führt.

Die Auswirkungen für die Heizungsfachunternehmen

Fakt ist, dass der Betrieb von Heizungsanlagen mit enthärtetem und/oder entsalztem Heizungswasser einige Vorteile hat. Die Fachfirmen sehen sich aber mit dem Problem konfrontiert, dass vielen Kunden die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten zu hoch sind. Allerdings verspricht die aktuelle Entwicklung der mobilen Systeme zur Aufbereitung des Heizungswassers eine stetige Reduzierung dieser Heizungskosten. Sie erspart den Kunden außerdem die Anschaffung eigener stationärer Aufbereitungssysteme. Der Trend bei den Heizungsfachunternehmen wird deshalb in den nächsten Jahren zu einem verstärkten Service rund um die Wartung und Betreuung von Heizungssystemen gehen.

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