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Ökologische Geldanlage, nachhaltige Aktienfonds

Fachbericht | Wörter: 1184 | Aufrufe: 6452 | Druckbare Version

Ökologische Geldanlage


Es existieren vor allem zwei Gründe, die Personen zu einer ökologischen Geldanlage bewegen. Entweder sind sie von umweltverträglichen Investments aus ethischen Gründen überzeugt und/oder sie erhoffen, ein besonders attraktives Verhältnis von Chance und Risiko zu erreichen. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, in diesem Sektor Geld anzulegen. In den folgenden Abschnitten sollen die wichtigsten Optionen analysiert und ihre spezifischen Vor- und Nachteile - die tunlichst vor einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden sollten - erläutert werden.

Ökologische Investmentfonds

Der unabhängige Finanzinformationsdienst "Morningstar" listet in diesem Segment derzeit immerhin 178 Fonds auf, die Investoren erwerben können. Leider wird das Etikett "ökologisch" nicht einheitlich verwandt. So finden sich in einigen Portfolios von "grünen" Investmentfonds Aktien, die Öko-Puristen dort niemals vermuten würden, wie etwa Anteilsscheine von Lufthansa. Zur Begründung wird dann etwa darauf verwiesen, dass die deutsche Fluggesellschaft ökologisch handele, weil sie ihre Flugzeuge besser auslaste als andere Mitbewerber.

Bester ökologischer Fonds

Mit dem - gemessen an der Jahresperformance - besten ökologischen Fonds, dem "GLG Environment K" (ISIN: IE00B1KKKL77), konnten Anleger in den letzten 12 Monaten immerhin eine Rendite von 24% erzielen. Allerdings verlor er im Jahr 2008 auch fast 48%, was darauf hindeutet, dass sich auch ökologische Investmentfonds nicht der allgemeinen, negativen Kursentwicklung in diesem Zeitraum entziehen konnten. In der Regel investieren die Fonds global und setzen keinen bestimmten regionalen Schwerpunkt. Teilweise wird aber ein bestimmter thematischer Fokus gebildet. Beispiele hierfür sind etwa der "FBG 4Elements - Water P" (LU0298627968), der in Wertpapiere investiert, welche sich etwa mit Wasserreinigung oder Wassermanagement beschäftigen oder der "F&C Global Climate Opp I GBP" (LU0318451738), der sich auf Anteilsscheine von Unternehmen konzentriert, die sich mit dem Klimawandel als Trend befassen. Ein besonderer Fall von "grünen" Investmentfonds sind Indexfonds. Hier wird einfach ein spezifischer Öko-Index - etwa der ÖkoDAX oder der MSCI World Natural Resources - nachgebildet.

Vorteile von Öko-Fonds

Ökologische Investmentfonds besitzen zunächst einmal die klassischen Vorteile aller Investmentfonds. Sie lassen sich zeitnah kaufen und verkaufen, sodass Anteilseigner Liquiditätsengpässen einfach begegnen können. Zudem handelt es sich bei dem in einem Investmentfonds angelegten Geldsummen rechtlich um ein Sondervermögen. Deshalb sind Anteilseigner etwa von einer Insolvenz der Fondsgesellschaft nicht negativ betroffen. Klassische Investmentfonds verursachen aber auch oft vergleichsweise hohe Kosten. So wird in der Regel beim Kauf nicht nur ein Ausgabeaufschlag von meist 5% fällig. Häufig muss zudem während der Laufzeit eine Verwaltungsgebühr und teilweise sogar noch eine sogenannte "Performance Fee" bezahlt werden, welche an die Kursentwicklung des Investmentfonds geknüpft ist.

Das ist der Preis, den Anleger für einen aktiv gemanagten Investmentfonds zahlen müssen. Investoren, die zwar von der Thematik überzeugt sind, aber nicht davon ausgehen, dass Fondsmanager langfristig den jeweiligen Index schlagen, sollten zu einem Indexfonds greifen. Sie verzichten dadurch zwar auf die Chance einer Überrendite, entledigen sich aber des Risikos einer `Underperformance` und realisieren Kostenvorteile, weil eben nicht einzelne Werte analysiert werden, sondern nur ein Index nachgebildet werden muss.

Ökologische Investmentfonds, die einen thematischen Fokus setzen, besitzen häufig höhere Risiken, aber auch Chancen. Oft ist das Timing entscheidend. So konnte man etwa 2007 mit "grünen" Investmentfonds, die sich auf Solaraktien konzentrierten in einem Jahr sehr hohe zweistellige Renditen erzielen. Im Jahr danach stürzten die Kurse allerdings regelrecht ab und es blieben für Anleger, die nicht schnell genug verkauften, hohe Verluste übrig. Deshalb sollten ökologische Investmentfonds im Allgemeinen und solche, die einen bestimmten Schwerpunkt besitzen, im Speziellen, nur zur Beimischung in einem breit diversifizierten Depot dienen.

Geschlossene Ökofonds

Anleger können auch direkt Beteiligungen an Wind- und Solarparks, Wasserkraftwerken, Biogasanlagen und Holz-Anbauflächen erwerben. Das geschieht über sogenannte geschlossene Ökofonds oder der wirtschaftlich weniger bedeutsamen Ausgabe von Genussscheinen. Finanziert wird bzw. werden in der Regel nur ein einziges Vorhaben oder wenige Projekte. Die Mindestbeteiligung liegt in der Regel im vierstelligem Bereich. Die jährliche Rendite hängt auch von der Laufzeit ab, die in der Regel zwischen sieben und 25 Jahre liegt. Sie bewegt sich häufig im hohen einstelligen oder im niedrigen zweistelligen Bereich. Prospektiert werden in der Regel Werte zwischen neun und 20 Prozent p. a.

Geldanlage Windpark-Beteiligungen

Windparks werden am Land, vermehrt aber an Küsten oder sogar im Meer errichtet ("offshore"). Besonders vor den Küsten Großbritanniens sowie an und in Nord- und Ostsee sollen in den nächsten Jahren vermehrt Windkraftanlagen entstehen, an denen sich auch Investoren über Anteile an Windparkfonds beteiligen können.



Solarparks entstehen primär in sonnenreichen Gegenden von entwickelten Staaten. Künftig sollen aber zudem riesige Anlagen auf dem afrikanischen Kontinent gebaut werden. Auch große Unternehmen wie Siemens haben angekündigt sich an diesem Vorhaben zu beteiligen. Insgesamt erscheint die Auswahl in diesem Segment der Ökofonds besonders groß.

Auch durch Wasserkraftwerke kann umweltverträglich Strom erzeugt werden. Die Bedeutung dieser Form der Energiegewinnung wird häufig unterschätzt. Dabei deckt etwa ein Staat wie Norwegen fast seinen gesamten Energiebedarf durch Wasserkraftwerke. Weltweit werden durch Wasserkraftwerke rund 18% der insgesamt erzeugten elektrischen Energie gewonnen. Trotzdem ist das Angebot an Fonds vergleichsweise gering. Wohl auch, weil besonders hohe Anfangsinvestitionen nötig sind und es bei dieser etablierten Art der ökologischen Stromerzeugung weniger Nachholbedarf als bei der Wind- und Solartechnologie gibt.

In Biogasanlagen wird durch die Vergärung von Biomasse - etwa von Gülle, Mist oder Pflanzen - Biogas erzeugt. Dieses wird primär zur Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken genutzt. Damit Biogas in das Erdgasnetz eingespeist werden kann, muss es erst aufbereitet werden. Im Gegensatz zu Wind und Sonne ist Biomasse aber kontinuierlich verfügbar. Trotzdem werden in Deutschland nur rund 10% des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms durch Biogasanlagen gewonnen. Insgesamt finden sich am Markt deutlich mehr Angebote für Beteiligungen an Wind- und Solarparks.

Holzfonds & Waldfonds

Holz-Fonds, bei denen es um die Beteiligung an Plantagen, Waldgebieten oder Holz verarbeitenden Betrieben geht, befanden sich lange Zeit überhaupt nicht im Fokus der meisten Anleger. Dabei ist dieser Sektor gleich aus zwei Gründen attraktiv. Erstens konnte der dazugehörige Index - der NCREIF Timberland Index - in den letzten zwei Jahrzehnten durchschnittlich jedes Jahr um beachtliche 15% zulegen. Zweitens haben Untersuchungen gezeigt, dass Holz-Fonds nur zu einem sehr geringen Teil mit anderen Anlageklassen korrelieren. Deshalb bietet eine Investition in Holz-Fonds bzw. Waldfonds eine attraktive Möglichkeit, das eigene Portfolio zu diversifizieren.


Geschlossene Ökofonds

Geschlossene Ökofonds erzielen oftmals höhere Renditen als grüne Investmentfonds. Allerdings muss der Anleger hierfür eine Reihe von Nachteilen in Kauf nehmen. Die Einlage des Anlegers ist nicht gesondert gesichert, sodass er im Extremfall einen Totalverlust erleiden kann. Die prognostizierte Rendite wird nicht garantiert, sondern beruht lediglich auf Modellberechnungen. Bei einem plötzlichen Geldbedarf des Anteilseigners lässt sich ein Anteil an einem geschlossenen Fonds gar nicht oder nur schlecht verkaufen. Manchmal ist eine Veräußerung zwar über einen Zweitmarkt möglich. Diese Märkte sind in der Regel aber wenig liquide, sodass der Verkäufer kaum den wahren Gegenwert seiner Beteiligung erhält. Das wiegt besonders schwer, weil die Laufzeiten sehr lang sind. Weil zudem nur in ein oder wenige Projekte investiert wird, ist bei kleineren Vermögen eine Diversifizierung kaum möglich.

Auch bei geschlossenen Ökofonds fällt oft ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5% an. Dafür gibt es in der Regel keine oder nur sehr geringe sonstige Gebühren. Deshalb sollte diese Anlageklasse primär zur Beimischung genutzt werden.



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