Die Wasserstofftechnik gilt als die ultimative
Zukunftstechnologie, die effizient, sauber und nachhaltig für
die Mobilität von morgen sorgen soll. Sie wird mittlerweile
gleichgesetzt mit Begriffen wie „Fortschritt“ und
„Innovation“. Wasserstofffahrzeuge werden schon jetzt
angekündigt als umweltschonende Null-Emissionen-Fahrzeuge, die
heutige Energieprobleme lösen und gleichzeitig für neuen
Fahrspaß sorgen sollen, obwohl es noch gar keine Exemplare auf
dem Markt gibt. Die Erwartungen sind sehr hoch, so dass
unweigerlich die Frage aufkommt, ob diese hochgesteckten Ziele
überhaupt erreichbar sind.
Elektrotechnik gewinnt an Bedeutung
Brennstoffzellenautos verfügen über
deutlich weniger Einzelkomponenten als konventionelle Fahrzeuge.
Ein Getriebe mit fünf oder mehr Gängen gehört der
Vergangenheit an. An die Stelle des schmutzigen, ewig
durchrostenden Abgasstranges tritt ein sauberes Abluftrohr, aus
dem nur Wasserdampf kommt. Selbst die leistungsmindernde
Lichtmaschine ist künftig überflüssig. Lärmende, vibrierende
Verbrennungsmotoren werden ersetzt durch Brennstoffzellen und
Elektromotoren. Beides sind kompakte Aggregate, die gänzlich
ohne Ölsumpfschmierung auskommen und über sehr wenig bewegte
Teile verfügen. Allerdings muss die Kühlung deutlich größer
dimensioniert werden. Zudem kommen neue Elemente der Leistungs-
und Regelungselektronik hinzu.
Derartige Aussichten deuten bereits an, dass die bisherigen
Motorenschmieden allmählich zu Elektrowerkstätten werden. Und
tatsächlich gibt es für diese Umorientierung mehrere Indizien.
Die meisten Autokonzerne versuchten zunächst im Rahmen ihrer
bisherigen Entwicklungsarbeiten mit Hilfe von fremdgefertigten
Brennstoffzellen die generelle Realisierbarkeit von
wasserstoffbetriebenen Pkw zu überprüfen. Nachdem diese
Versuche größtenteils positiv - wenn auch nicht problemlos -
verliefen, entschieden sich die Führungsriegen meist für
Eigenentwicklungen. Da die Brennstoffzelle das zentrale Element
im Antriebssystem der Zukunft darstellt, sollen auch künftig so
viele Module wie möglich aus den hausinternen Ideenschmieden
stammen.
Kein Entweder-Oder
Am Ende wird es voraussichtlich nicht
darum gehen, welche Technik letztlich siegen wird. Alle
Antriebsarten haben gute Chancen. Letztlich entscheidet jedoch
der Markt, also der Kunde, was er fahren will. Der Deutsche
Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) geht davon aus,
dass ebenso viele Autos mit Brennstoffzellenantrieb wie Autos mit
H2-Verbrennungsmotor auf die Straße gebracht werden. Zunächst
ist erst einmal wichtig, dass ausreichend Wasserstofffahrzeuge
auf den Straßen sind.
Derzeit ist die Tankstellendichte
allerdings noch nicht annähernd für den täglichen Betrieb auf
deutschen Straßen geeignet, es gibt gerade einmal eine Handvoll
Betankungsstationen. Deswegen gibt es Überlegungen, durch eine
Kooperation mehrerer Unternehmen einen Autobahnring in
Deutschland mit ausreichend H2-Stationen zu versorgen (alle 50
km), so dass zumindest längere Testfahrten möglich und die
verschiedenen Forschungsstandorte miteinander verbunden werden
könnten.
Die Notwendigkeit zur Umorientierung ist inzwischen auch in
der Politik angekommen. Im Rahmen des Nationalen
Innovationsprogramms werden insgesamt rund 1,4 Mio. Euro für so
genannte Leuchtturmprojekte in der Wasserstoffbranche zur
Verfügung gestellt.
Autor:
Dipl.-Ing. Sven Geitmann
Buchautor – Leiter des Hydrogeit Verlages – Herausgeber
der HZwei
www.hydrogeit.de, www.hzwei.info
Abb. 1: BZ-Autos emittieren nichts als heißen Wasserdampf
Foto: Sven Geitmann
Abb. 2: Hydrogen Highway
Quelle: Linde
Abb. 3: Berliner Tankstelle für Wasserstoff, Erdgas &
Autogas
Foto: Sven Geitmann