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Kleine Revolution mit innovativer Tiefbohranlage

Fachbericht | Wörter: 549 | Aufrufe: 13313 | Druckbare Version

Kleine Revolution mit innovativer Tiefbohranlage

Tiefbohrgeräte haben sich seit Jahrzehnten kaum verändert. Technische Innovationen erhielten auf dem stark schrumpfenden deutschen Markt keine Chance. Diese Situation beginnt sich mit der Errichtung der ersten geothermischen Kraftwerke zu ändern. Eine völlig neu konzipierten Großbohranlage arbeitet inzwischen auf der Baustelle des Erdwärmekraftwerks in Speyer.

Die Technik für Tiefbohranlagen hatte sich seit mehr als Hundert Jahren prinzipiell kaum geändert. Der seit Mitte der 80er einsetzende Niedergang der deutschen Tiefbohrindustrie trug dann wesentlich dazu bei, dass bereits im Maschinenbau entwickelte innovative Konzepte in den Schubladen verschwanden, da für neue Anlagen kein ausreichender Markt mehr existierte.

Die Lage änderte sich jedoch, als sich durch die Aufnahme der geothermischen Stromerzeugung in das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) neue Märkte eröffneten. Parallel dazu wurden die Forschungsanstrengungen auf diesem Gebiet vor allem durch Mittel aus dem Zukunfts-Investitions-Programms (ZIP) der Bundesregierung enorm verstärkt, so dass in relativ kurzer Zeit große Fortschritte bei der Entwicklung von Verfahren zur Erzeugung Strom aus Erdwärme erzielt werden konnten, vor allem was den Bereich untertage betraf. Daraus baut sich nun auch eine neue Marktsituation für die Tiefbohrindustrie auf.

Statt über mehrere Jahre verteilter einzelner Aufträge ergab sich aus den entstehenden neuen Projekten eine Lage, in der nun mehrere Tiefbohrungen innerhalb eines Jahres abgeteuft werden müssen. Was dabei von besonderer Wichtigkeit ist: Die Bohrungen werden auf Grund der für die Stromerzeugung benötigten höheren Temperaturen immer tiefer. 3000 - 5000 m gehören zum üblichen Standard. Die bislang beauftragten oder ausgeschriebenen Vorhaben lasten die Kapazitäten der verbliebenen Unternehmen natürlich immer noch nicht vollständig aus. Für die durchweg mittelständisch strukturierten und traditionsreichen deutschen Tiefbohrunternehmen zeichnen sich jedoch mit dem verstärkten Ausbau einer geothermischen Energieversorgung neue Perspektiven ab. So können nun auch technische Innovationen zum Tragen kommen, deren Realisierung bislang durch der Marktsituation verhindert wurde.

Als erste reagierte die DrillTec GUT GmbH aus Jena. Sie hatte den Auftrag für die Bohrarbeiten in Speyer erhalten und setzt dabei nun ein völlig neu konzipiertes Tiefbohrgerät ein. Schon äußerlich entspricht sie mit ihrer kompakten Stahlkonstruktion kaum noch den gängigen Vorstellungen eines "Bohrturms", wie man ihn seit mehr als hundert Jahren aus der Erdöl- und Erdgasexploration kennt. Die DrillTec Vertical Rig verfügt über eine Zug- und Schubkraft von 350 Tonnen und ist damit für Bohrungen in den von der Geothermie benötigten Tiefen bestens geeignet. Das Gerät arbeitet weitgehend automatisch. Die Bohrstangen werden mittels eines speziellen Greifers an einem Bagger vom Bohrstapel aufgenommen und in die Bohranlage eingelegt bzw. herausgenommen. Viele der auf konventionellen Anlagen beim Gestängewechsel noch händisch auszuführenden Arbeiten entfallen dadurch. Arbeitsabläufe werden optimiert, Bohrzeiten verkürzt. Zum Transport des Turms von Bohrplatz zu Bohrplatz genügen zwei übliche Seecontainer. Entwickelt und gebaut wurde das Gerät durch die Max Streicher GmbH & Co. KG aA im bayerischen Deggendorf zu deren Firmengruppe auch die DrillTec gehört.

DrillTec Geschäftsführer Michael Back meint dazu: "Unser Unternehmen investiert mit dieser neuen Anlage in die Zukunft. Ob sich die eingesetzten Mittel amortisieren, hängt entscheidend davon ab, wie sich der Markt geothermischer Bohrungen in den kommenden Jahren entwickelt. Wir gehen aber davon aus, dass die Politik weiß, wie sie hier verantwortlich zu handeln hat und das Ihre dazu beiträgt, dass die nun endlich in Gang gekommene Entwicklung dynamisch vorangetrieben werden kann. Unser Appell geht derzeit vor allem an die Verantwortlichen in Berlin, die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes möglichst umgehend umzusetzen." Das werde, so Back, den Bau neuer geothermischer Kraftwerke enorm voranbringen. Die Erdwärme sei wegen ihrer Grundlastfähigkeit für die erneuerbaren Energien unverzichtbar. Mit den neuen Technologien könnten endlich die riesigen Potenziale des bislang kaum genutzten Wärmestroms aus dem Erdinnern effektiv für die menschliche Energieversorgung eingesetzt werden.

Quelle: Geothermischen Vereinigung e.V., 15.08.2003


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