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Erneuerbare Energien als Klimaschützer Nr. 1

Fachbericht | Wörter: 709 | Aufrufe: 6167 | Druckbare Version

Die Erneuerbaren Energien befinden sich auf dem besten Weg, aus der Finanzkrise als einer der wenigen Gewinner hervorzugehen. Merkliche Einbußen sind bisher nicht zu verzeichnen, stattdessen stimmen aktuelle Prognosen optimistisch, was auch Bundeskanzlerin Angela Merkel feststellte, die beim Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE) in Berlin eine aktuelle Studie mit einer Ausbauprognose überreicht bekam. Gemäß dieser Studie können erneuerbare Energien im Jahr 2020 einen Anteil von rund 47 Prozent des deutschen Strombedarfs decken, ohne, dass eine zuverlässige Stromversorgung in Frage gestellt werden müsste – selbst zur Zeit höchster Nachfrage liege die so genannte gesicherte Leistung stets um zehn Prozent höher.


Merkel mit BEE Vorstand



Die Studie „Stromversorgung 2020“, die gemeinsam vom BEE und der Agentur für Erneuerbare Energien am 28. Januar 2009 vorgestellt wurde, belegt, dass sich sowohl die aus erneuerbaren Energien produzierte Strommenge als auch die installierte Leistung entsprechender Anlagen bis 2020 gegenüber heute etwa verdreifachen wird. Dietmar Schütz, Präsident des BEE, erklärte dazu vor den rund 800 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien: „Wir stehen als Klimaschützer Nr. 1 bereit.“ Er bekräftigte die Zusage der Branche, bis 2020 über 200 Mrd. Euro investieren zu wollen und fügte hinzu: „Die Finanzkrise ist die Chance für einen noch vehementeren Ausbau der erneuerbaren Energien. […] Wir müssen in Speicher, On-Demand- und Kombikraftwerke investieren.“

Die Kanzlerin zog in ihrer Rede eine entsprechend positive Bilanz der bisherigen Energiepolitik und stellte zufrieden fest: „Vor 18 Jahren wurde das Stromeinspeisegesetz eingeführt. Erneuerbare Energien sind damit jetzt volljährig.“ Angesichts dieser langen Reifezeit der verschiedenen Energietechnologien zeigte sich Merkel zuversichtlich, im Konkurrenzkampf mit den USA, die unter Obama eine nachhaltiger ausgerichtete Energiepolitik betreiben wollen, bestehen zu können: „Wir freuen uns auf den Wettbewerb.“ Gleichzeitig bot sie an, dass „Amerika unsere Standards übernehmen kann.“

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) begrüßte die BEE-Ausbauprognose ausdrücklich als „realistische Wegweisung in ein modernes Energiesystem“. Damit das Szenario Realität werde, müsse jedoch „sofort mit einer grundlegenden Umstellung des hergebrachten Stromsystems begonnen werden“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Ebenso wie Schütz forderte er, es müsse in großem Stil in Stromnetze und -speicher investiert werden.

Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie- und Technologiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, bezeichnete die BEE-Prognose als konservative Schätzung. Seiner Meinung nach könne der Anteil der erneuerbaren Energien sogar die 50%-Marke überschreiten, wenn zusätzlich mögliche Importe von Solarstromkraftwerken in Nordafrika berücksichtigt würden. Fell bekräftigte in diesem Zusammenhang das Ziel seiner Partei, bis 2030 hundert Prozent der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien erreichen zu wollen.

Die positiven Auswirkungen der erneuerbaren Energien auf Klimaschutz, Brennstoffimporte und Arbeitsmarkt sind nach der aktuellen Branchenprognose erheblich. Der Bedarf an fossilen Brennstoffen sinkt und mit ihm die hohen Kosten für Energieimporte. Die daraus folgenden Einsparungen in Milliardenhöhe übertreffen der Studie zufolge die Ausgaben für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bei weitem. Hinzu komme der positive Effekt auf den Arbeitsmarkt. So werde sich die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien von heute 250.000 auf 500.000 im Jahr 2020 verdoppeln. Die Bundeskanzlerin bezeichnete dementsprechend den Bereich der erneuerbaren Energien als „Jobmotor“.

Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen, stockte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sein Technologieförderprogramm nochmals um 15 Mio. auf. Für das Jahr 2009 stehen damit insgesamt 115 Mio. für die Förderung moderner Energietechnologien zu Verfügung. Im Rahmen des Programms „Klimaschutz und Energieeffizienz“ soll auf diese Weise die angestrebte Modernisierung der Energieversorgung innerhalb Deutschlands weiter vorangetrieben werden.

Den bisherigen Beitrag der regenerativen Energien zur Stromversorgung in Deutschland im Jahr 2008 beziffert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nach vorläufigen Angaben mit 14,3 % (88 Mrd. kWh). Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) errechnete demgegenüber einen Anteil von 14,6 %. Die Windenergie lieferte in 2008 demnach mit über 45 % den bedeutendsten Beitrag gefolgt von Biomasse (26 %), die erstmals die Wasserkraft (24 %) übe
rflügelte. Photovoltaik lag bei 0,5 %.

Für den Wärmebereich stellt das Bundesumweltministerium im laufenden Jahr 400 Mio. Euro zur Förderung der erneuerbaren Energien im Rahmen des so genannten Marktanreizprogramms zur Verfügung. Mit Hilfe dieser Gelder soll der so genannte „schlafende Riese" geweckt werden. Damit ist das große Energieeinsparpotential gemeint, das derzeit noch im Wärmesektor schlummert, wo rund 51 % der Gesamtenergie verbraucht wird. Seit dem 1. Januar gilt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, das den Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmebereich von heute 7 % auf 14 % im Jahr 2020 anheben soll.

Autor & Foto: Sven Geitmann

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