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Lichtverschmutzung

Fachbericht | Wörter: 756 | Aufrufe: 3713 | Druckbare Version

In letzter Zeit formieren sich immer mehr Interessengruppen von Astronomen bis hin zu Umweltschützern rund um das Thema Lichtverschmutzung oder auch Lichtsmog. Die breite Öffentlichkeit ist für dieses Thema bislang jedoch wenig sensibilisiert. Zumindest noch nicht... Denn dieses Thema geht uns alle an und in einer Zeit in der wir alle zunehmend unserer Umwelt gegenüber bewusster werden und die Notwendigkeit zum Schutz, Erhalt und Erneuerung der uns zur Verfügung stehenden Ressourcen erkennen gehört auch der verantwortungsbewusste Umgang mit Licht dazu.

Wieso stellt der Lichtsmog, also das allnächtliche Zuviel an künstlichem Licht, überhaupt ein Problem da?
Die Erfindung der Glühbirne hat die Menschheit in eine neue Ära katapultiert. Der Tag war auf einmal wirklich 24 Stunden lang und hat uns einen ungeheuren Zuwachs an Wohlstand und Lebensqualität ermöglicht. Eine Rückkehr in die Dunkelheit ist für den heutigen Mensch jedenfalls undenkbar.

Jeder kennt die Lichtglocken über unseren Städten und Gemeinden, die sich am nächtlichen Horizont abzeichnen und über viele, viele Kilometer zu sehen sind. Kaum jemand kennt jedoch noch den Anblick der Milchstrasse, den Magellanschen Wolken, der Andromedagalaxie oder dem Orionnebel. Denn diese beeindruckenden Phänomene des Nachthimmels sind hierzulande nur noch auf Fotos sichtbar.
Als Folge wandern astronomische Institute und Forschungseinrichtung in möglichst unbewohnte Gebiete, Hobbyastronomen und Nachswuchswissenschaftler bleiben auf der Strecke. Dabei ist gerade die Astronomie kulturgeschichtlich und auch zukünftig eine unserer wichtigsten Wissenschaften. Wobei die Zukunft dieser Disziplin unberührt von jedweder Lichtverschmutzung im Weltall liegt und Projekte, weit leistungsfähiger als Hubble, nur auf ihre Realisierung warten.

Seit Jahrtausenden entwickelt sich das Leben auf der Erde dem Tag-Nacht Zyklus unterworfen. Die Auswirkungen auf Flora und Fauna und gar auf den menschlichen Metabolismus, der z.B. nur bei Dunkelheit das antioxidante Hormon Melatonin aus stößt, wenn dieser Zyklus aufgehoben wird, sind bislang kaum oder höchstens in Teilbereichen erforscht.

Insekten werden besonders vom blauen und ultravioletten Farbspektrum vieler Beleuchtungen magisch angezogen. Viele Lampen werden so Nacht für Nacht zu wahren Massengräbern. Schätzungen zu Folgen verdampfen auf diese Art jede Nacht Milliarden von Insekten allein in Deutschland, wobei das helle Licht am Ende des Tunnels oftmals eine städtische Straßenlaterne ist. Insgeheim freut sich sicherlich der eine oder andere über jede tote Stechmücke. Allerdings töten Strahler wahllos jedes Insekt, das ihnen zu nahe kommt, darunter auch viele nützliche oder gar bedrohte Arten. Die Erfahrung hat oft genug gezeigt, dass durch die Dezimierung der Artenvielfalt sich in der Folge ausgerechnet die von uns als Schädlinge und Plagegeister wahrgenommenen Arten ausbreiten.

Und nicht nur Insekten sterben in der nächtlichen Lichterflut. Die in letzter Zeit leider immer beliebter gewordenen Skybeamer stören nicht nur die Astronomen besonders stark, sondern stellen auch für Zugvögel eine tödliche Gefahr dar.

Das aber eigentlich ausschlaggebende Argument, das auch andere als hart gesottene Umweltschützer und Astronomen von der Wichtigkeit dieses Themas überzeugen sollte, ist, dass die Hauptursache für die Lichtverschmutzung Lichtverschwendung ist und das ist reine Energieverschwendung.

Geschätzte 50 % des Lichtsmogs entsteht durch die öffentliche Straßenbeleuchtung. Hier ist ein dringender Sensibilisierungs- und Umdenkbedarf bei den Kommunen und Städteplaner vorhanden. Beleuchtungen müssen nicht nach oben oder zur Seite strahlen, es reicht vollauf, wenn die Straße unter ihnen erhellt wird, um die Verkehrssicherheit zu garantieren. Ganz im Gegenteil, dadurch werden ungewollte Blendeffekte minimiert und die Verkehrssicherheit wird sogar verbessert. Lampen, die nicht in alle Richtungen Licht abstrahlen, sondern durch Reflektoren und Abschirmungen das Licht in die gewünschte Richtung lenken, nutzen ihre Lichtquelle effizienter. Somit wird es möglich schwächere oder weniger Lichtquellen einzusetzen und damit Kosten zu sparen.
Ein Einsatz von intelligenten Beleuchtungskonzepten z.B. mit Hilfe von Zeitschaltungen und Dimmern kann ebenfalls erhebliche Kosten sparen und die Lichtverschmutzung verringern. Denn nur die wenigsten Beleuchtungen müssen wirklich ununterbrochen die ganze Nacht über in voller Stärke erstrahlen. So sind einige Kommunen unlängst dazu übergegangen nachts ihre Verkehrsbeleuchtungen auszuschalten. In der ostwestfälischen Gemeinde Lemgo z.B. können die Bürger nachts per Handy bei Bedarf die Beleuchtung vorübergehend einschalten.


Äußerst sparsam und insektenfreundlich sind Natirumhoch- oder -niederdrucklampen. Diese geben ein gelbes und somit für Insekten uninteressantes Licht ab. Auch wenn bei dem monochromen Licht der Natriumlampen die menschliche Farbwahrnehmung aussetzt, so bleibt die Wahrnehmung von Kontrasten unvermindert möglich. Einigen Experten zufolge spart eine Natriumstraßenlampe im Vergleich zu anderen bis zu 15,- Euro im Jahr an Stromkosten ein. Für Städte und Kommunen ergeben sich so riesige jährliche Einsparmöglichkeiten.

Als derzeitiger Vorreiter in Sachen umweltfreundlicher Beleuchtung gilt Augsburg. Die Stadt konnte so ihre Energiekosten um 20 Prozent senken.

Aber nicht nur die öffentliche Hand ist gefragt. Sei es nun im Gewerbe oder im Privatem, ein durchdachtes und intelligentes Beleuchtungskonzept spart Kosten und wirkt attraktiver als ein Lichtermeer, das die Nachbarschaft, den Verkehr und die Wolkendecke gleichermaßen blendet und muss darüber hinaus seltener von toten Insekten gereinigt werden.

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