Zum Inhalt springen

Offshore: Über 20.000 MW in Europa geplant

Fachbericht | Wörter: 804 | Aufrufe: 6081 | Druckbare Version

Offshore: Über 20.000 MW in Europa geplant

Noch haben die rund ein Dutzend Windparks, die weltweit auf See in Betrieb sind, „nur“ eine Gesamtleistung von 280 Megawatt (MW). Doch bereits in wenigen Jahren wird Offshore ein bedeutendes Standbein der internationalen Windkraftindustrie sein: Allein in Nordeuropa planen nach Auskunft der europäischen Windenergievereinigung EWEA Projektierungsgesellschaften Offshore-Windparks mit einem Gesamtvolumen von über 20.000 MW. Das entspricht einer installierten Leistung, die in zwei Jahrzehnten kommerzieller Windenergienutzung an Land errichtet wurde (23.000 MW). Der Bedeutung des Themas Offshore trägt die Fachmesse WindEnergy 2004 – International Trade Fair vom 11. bis 14. Mai nächsten Jahres in Hamburg Rechnung, die als Kontakt- und Informationsbörse für die weltweite Windenergie-Branche nach 2002 das zweite Mal ausgerichtet wird.

Eines der Argumente für Windparks auf See sind die deutlich höheren Erträge: Während eine 2-MW-Anlage an einem guten Standort an Land jährlich etwa 2.000 Volllaststunden erreicht und somit maximal vier Millionen Kilowattstunden produziert, sind in der Nordsee je nach Küstenentfernung 4.000 Volllaststunden und mehr erreichbar. Bei Anlagen von 3 bis 5 MW Leistung entspricht das einer Jahresproduktion von zwölf bis 20 Millionen Kilowattstunden. Noch im Sommer soll der dann leistungsstärkste Offshore-Anlagentyp auf See vor Irland aufgestellt werden: Die 3,6-MW-Maschine von GE Wind Energy, die dem Fachpublikum erstmals auf der WindEnergy 2002 präsentiert wurde, wird mit einem Rotordurchmesser von 104 Metern und mit 73,5 Metern Nabenhöhe sieben Mal im Windpark Arklow in rund zehn Kilometer Entfernung von der Küste aufgebaut. In der „Pilotphase“ mit 25 MW soll der Windpark den Strombedarf von 16.000 Haushalten decken. Insgesamt sind im Windpark Arklow Bank „200 MW plus X“ geplant. Der Windkraftanlagenhersteller GE Wind (mit Produktionsstätten in Kalifornien, Spanien und im deutschen Salzbergen) ist Mitglied im Fachbeirat der WindEnergy.

Bereits im Bau befindet sich die dänische Windfarm Rödsand in der Ostsee, südlich der Hafenstadt Gedser: Im August soll die letzte der 72 Anlagen vom Typ AN Bonus 2,2 MW/76 (von 2,3 auf 2,2 MW reduzierte Version) errichtet sein. Jede dieser Anlagen soll in der windschwächeren Ostsee 4,8 Millionen Kilowattstunden produzieren.

Geplant sind weitere Windparks auf See in den Niederlanden (Mouth of the Western Scheldt River/100 MW, Ijmuiden/100 MW), in Dänemark (Läsö/150 MW, Omo Stalgrunde/150 MW, Gedser Rev/15 MW, Rödsand/600 MW), in Schweden (Lillgrund Bank/48 MW, Barsebank/750 MW), Irland (Kish Bank/260 MW+X, Arklow Bank/200 MW+ X) sowie in Großbritannien. Dort läuft derzeit die zweite Bewerber-Ausschreibung von Regierungsseite innerhalb- und außerhalb der 12-Seemeilen-Zone. Projektierungsgesellschaften planen zurzeit im Vereinigten Königreich 13 Windparks auf See. In den USA soll schon 2005 die größte Offshore-Windfarm der Welt gebaut werden: Der Windpark Cape Cod vor der Küste von Massachusetts umfasst 468 MW, als Anlagentyp wurde hier ebenfalls die 3,6-MW-Maschine von GE ausgewählt. Als Partner der WindEnergy wird die American Wind Energy Association (AWEA) die amerikanische Windenergieindustrie im Mai 2004 in Hamburg repräsentieren und in den Länderforen die politischen und
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der USA vorstellen.

Hinter den Offshore-Projekten stehen erhebliche Investitionssummen: Die EWEA erwartet bereits für das Jahr 2010 Windparks mit 5.000 MW Gesamtleistung offshore (von insgesamt 60.000 MW). Ihr Investitionsvolumen dürfte rund neun Milliarden Euro umfassen. Großbritannien könnte mit der angepeilten Errichtung von 3000 MW auf See in 5 Jahre den ersten größeren Offshore-Boom auslösen.

Der Offshore-Markt in Deutschland steckt dagegen noch in den Anfängen: Ein wichtiger Schritt für die Windenergienutzung auf See wird allerdings derzeit mit der Errichtung der Offshore-Forschungsplattform „Fino“ im Meer etwa 45 Kilometer nördlich von Borkum unternommen. „Fino“ soll noch im Juli auf das bereits installierte Jacket-Fundament gesetzt werden, die Plattform befindet sich dann 20 Meter über dem Meeresspiegel. Bei diesem Projekt dabei ist das Deutsche Windenergie-Institut (DEWI), das unter anderem die Windmessungen mit einem 80 Meter hohen Messmast vornimmt. „Solche Messungen gab es offshore in dem Umfang und in dieser Höhe weltweit bisher noch nicht“, bestätigt DEWI-Institutsleiter Jens-Peter Molly. Hier kann nämlich erstmals die Stärke des Seewinds genau in Nabenhöhe der geplanten Offshore-Windkraftanlagen ermittelt werden. Die zentrale Überwachung der Messungen findet an Land statt. Für Betrieb und Planung der Plattform zeichnet der Germanische Lloyd Windenergie (Hamburg) verantwortlich. Das zunächst auf ein Jahr befristete, neun Millionen Euro teure Forschungsvorhaben (davon knapp fünf Millionen Euro Investitionskosten) wird vom Bundesumweltministerium finanziert.

Auch für die Zulieferindustrie, neben den Herstellern und Projektentwicklern ein zentraler Ausstellerbereich auf der WindEnergy 2004, bietet Offshore gewaltige Herausforderungen und Marktpotenziale: So gibt es derzeit noch keine Getriebe für Windkraftanlagen mit 5 MW und mehr Leistung. Mit 6 MW hat der Getriebehersteller Winergy für insgesamt vier Millionen Euro kürzlich den weltgrößten Prüfstand für Seriengetriebe errichtet und will bereits 2005 einen 12-MW-Getriebeprüfstand besitzen. Auch müssen die Aufbau-Kräne für die Windkraftanlagen auf See gewaltige Lasten heben können: Bis zu 300 Tonnen wiegt eine Gondel, Turmsegmente sind noch schwerer.

Trotz des hohen Forschungs- und Entwicklungsbedarfs ist Offshore-Windenergienutzung neben dem Repowering gerade in Deutschland ein zentraler Zukunftsmarkt für die Windbranche: Nach den offiziellen Plänen der Bundesregierung könnten bis zum Jahr 2030 rund 25.000 MW Windleistung auf See installiert sein. Sie würden damit rund 15 Prozent der deutschen Stromversorgung leisten und bringen nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ein Investitionsvolumen von rund 45 Milliarden Euro für die Industrie. Entsprechend eröffnen sich Chancen für Unternehmen und Institutionen wie etwa Dienstleistungsunternehmen in Küstennähe, Reedereien, Häfen, Stahlbauunternehmen oder Schiffswerften. Um diesem Wirtschaftszweig eine entsprechende Plattform zur Verfügung zu stellen, hat die Hamburg Messe das Messekonzept der WindEnergy um den Themenschwerpunkt maritime Wirtschaft ergänzt.

Quelle: Hamburg Messe GmbH



Diesen Artikel empfehlen:




Vorheriger Bericht zum Thema Windenergie (Windkraftanlagen)
Nächster Bericht zum Thema Windenergie (Windkraftanlagen)
Indien ist größter Windmarkt Asiens Indien ist größter Windmarkt Asiens