
Coup Meere: SchutzgebieteCoup für die Meere: Schutzgebiete(619 Wörter in diesem Text, 2494 mal gelesen) 
 Bild: aboutpixel.de Ozeane bedecken 70 Prozent unserer
Erde. Von der Wasseroberfläche bis in zehntausend Meter Tiefe,
von der Küste bis zur Hohen See findet sich eine unzählige
Vielfalt an Lebensräumen und Meeresorganismen. Doch auch die
Liste schonungsloser Ausbeutung und Zerstörung der Meere ist
lang: Fischerei, Öl- und Gasförderung, Sand- und Kiesabbau,
Einleitung von Giften und radioaktiven Stoffen. All dies führt
dazu, dass Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verschwinden
und einzigartige Lebensräume zerstört werden. Greenpeace setzt
sich deshalb weltweit für den Schutz der Meere ein. Eine
ökologisch nachhaltige und sozial verantwortliche Nutzung der
Meere mit einem Netzwerk von Meeresschutzgebieten sind die
einzige Chance, die Ozeane zu retten.
Warum Schutzgebiete?
 Bild: aboutpixel.de Schutzgebiete sind eine Maßnahme, um
menschliche Nutzungen der Meere zu regulieren. Zahlreiche
wissenschaftliche Studien belegen den positiven Effekt von
großflächigen Schutzgebieten für die Natur. Zum einen können
Arten wie der Schweinswal oder Lebensräume wie Korallenriffe
geschützt werden. Zum anderen bieten sie die Chance zur Erholung
von Fischbeständen. In Schutzgebieten, in denen weder Fischerei
noch andere menschliche Nutzung stattfindet, können Jungfische
ungestört heranwachsen, bis sie schließlich selber laichen.
Dadurch wächst die Fischpopulation dort wieder an. Beispiele von
Schutzgebieten z.B. in den USA und den Philippinen zeigen, dass
nach einiger Zeit Fische auch in die umliegenden Gebiete wandern
und dort die Bestände ebenfalls wieder anwachsen. So kann auch
die Fischerei einen positiven Nutzen aus der Einrichtung von
Schutzgebieten ziehen.
Was sind Meeresschutzgebiete?
Meeresschutzgebiete sind für Greenpeace Gebiete, in denen
menschliche Nutzung, wie Fischerei, Öl- und Gasförderung, Sand-
und Kiesabbau, nicht erlaubt sind. In diesen Gebieten gibt es
Kernzonen, frei von jeglicher menschlichen Aktivität. Diese
Zonen können der Wissenschaft als Referenzgebiete dienen. In
Pufferzonen rund um die Kernzonen hingegen ist menschliche
Nutzung innerhalb strenger ökologischer Grenzen möglich. Hier
wird von Fall zu Fall entschieden - Ökotourismus, nachhaltige
kleinskalige Fischerei oder die Errichtung von Windparks können
hier erlaubt sein.
Schutzgebiete weltweit!
Greenpeace fordert ein weltweites Netzwerk von Schutzgebieten:
Das heißt 40 Prozent der 64 Großen Marinen Ökosysteme/Large
Marine Ecosystems müssen als Schutzgebiete ausgewiesen werden.
Diese Ökosysteme ziehen sich entlang des Küstenschelfs der
Kontinente und variieren in ihren ozeanografischen Verhältnissen
wie auch in Tier- und Pflanzenarten. Beispiele sind Nordsee,
Ostsee, Mittelmeer oder die Polargebiete. Allerdings macht die so
genannte Hohe See außerhalb der Kontinentalschelfe und der
nationalen Gerichtsbarkeit den Hauptteil (80 Prozent) der
Weltmeere aus. Eine präzise Unterteilung in Ökosysteme ist hier
bisher nicht möglich. Nur wenige einzelne Lebensräume wie
Seeberge (Seamounts) sind bereits entdeckt. Diese sollten ebenso
als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Schutzgebiete exakt zu
identifizieren, auszuweisen und wirksame Managementsysteme
einzusetzen ist ein langwieriger Prozess. Daher sind
Sofortverbote (Moratorien), etwa für zerstörerische
Fischereimethoden innerhalb vorgeschlagener Gebiete und auf der
Hohen See, als erster Schritt unabdingbar.
Es fehlt an politischem Willen
 Bild: aboutpixel.de Die Einrichtung von Meeresschutzgebieten
ist bereits in zahlreichen regionalen und internationalen
Abkommen und Konventionen beschlossen: vom Johannesburger
Umweltgipfel 2002, dem Abkommen zum Nord-Ost-Atlantik (OSPAR) und
zur Ostsee (HELCOM) und dem Natura-2000-Netzwerk der EU, und zwar
bis 2010 bzw. 2012. Allerdings fehlt der politische Wille, diese
Zeitziele tatsächlich zu erreichen. Ein Problem dabei ist auch
die Zersplitterung politischer Kompetenzen: So beschäftigen sich
auf europäischer Ebene die Umweltminister zwar mit der
Einrichtung von Schutzgebieten, aber die Regelung der Fischerei
liegt ausschließlich in den Händen der Fischereiminister. Dies
macht strikte Managementpläne fast unmöglich. Daher setzt sich
Greenpeace auf europäischer Ebene für ein politisches Gremium
ein, das mit allen Kompetenzen ausgestattet ist, den Meeresschutz
ganzheitlich zu regeln.
Schutzgebiete allein sind nicht genug
Schutzgebiete sind Teil eines Gesamtkonzepts zum Schutz der
Meere. Greenpeace hat konkrete Vorschläge für die Nord- und
Ostsee erarbeitet und wird in Zukunft ebensolche für die
Barentssee und das Mittelmeer vorlegen. Es können jedoch nicht
alle Bedrohungen durch Schutzgebiete verhindert werden. Strikte
Maßnahmen
1. in der Fischerei - Kapazität- und Aufwandreduzierung, Verbot
von zerstörerischen Fischereimethoden - ebenso wie
2. Regelungen bei Schad- und Nährstoffeinleitungen und
3. bei der Schifffahrt - Verbot von Tankern älter als 20 Jahre,
Einsatz von Doppelhüllen-Tankern - sowie
4. beim Walschutz
sind genauso unerlässlich, um eine ökologisch nachhaltige und
sozial verantwortliche Nutzung der Ozeane zu erreichen.
Text: Greenpeace Deutschland
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