
Nordsee, Erdöl Offshore-IndustrieNordsee, Erdöl und Offshore-Industrie(982 Wörter in diesem Text, 5643 mal gelesen) 
 Bild: aboutpixel.de Die Nordsee zählt heute
zu den größten Fördergebieten der Offshore-Industrie weltweit.
Doch Suche, Förderung und Transport von Erdöl bleiben nicht
ohne Folgen für das Meer. Allein 1999 gelangten, nach Schätzungen
der Oslo-Paris-Kommission (OSPAR), ca. 9.000 Tonnen Öl in die
Nordsee. Greenpeace fordert, dass die Ölindustrie, allen voran
der größte und reichste Konzern Esso, künftig ihre
Investitionen in erneuerbare Energien umlenkt.
Die Nordsee - ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
 Bild: aboutpixel.de Die
Nordsee spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle. Sei es, um
an ihren Stränden Erholung zu finden oder sich von ihrem
Fischreichtum zu ernähren. Sie beeinflusst unser Wetter. Aus
ihren Tiefen holen wir Bodenschätze wie Gas und Öl, um daraus
Energie für unser tägliches Leben zu gewinnen. Und wir nutzen
die Nordsee als Transportweg. Die Nordsee ist ein äußerst
dynamischer Lebensraum und somit einem ständigen Wandel
unterworfen. Diesen Wandel beeinflusst der Mensch in immer größerem
Ausmaß. Überfischung, alltägliche Verschmutzung durch den
Schiffsverkehr und die Offshore-Industrie, immer wiederkehrende
Schiffsunglücke und nicht zuletzt der Eintrag von Giftstoffen
aus den Flüssen und über die Atmosphäre setzen der Nordsee
immens zu.
Die Nordsee hat eine Fläche von rund 575.000 Quadrat-
Kilometern. Das entspricht in etwa der Größe Frankreichs und
Belgiens. Die mittlere Wassertiefe beträgt 70 Meter, wobei die
Tiefe von Süden nach Norden immer mehr zunimmt. Die Strömungsverhältnisse
in der Nordsee laufen entgegen dem Uhrzeigersinn, und es dauert
durchschnittlich ein bis drei Jahre, bis das Wasser der Nordsee
einmal vollständig ausgetauscht ist.
Ein großes Problem: Das Öl
Vielen von uns sind die dramatischen Bilder von großen
Tankerunglücken im Gedächtnis, wenn wir an Öl im Meer denken.
Doch so spektakulär diese Unfälle auch sind, sie stellen nicht
den Haupteintrag von Öl in die Nordsee dar. Nur etwa 13 Prozent
des jährlich ins Meer gelangenden Öls stammt von Tankerunfällen.
Der weitaus größte Anteil von rund drei Millionen Tonnen Öl,
die jährlich in die Weltmeere fließen, stammen vom normalen
Schiffsverkehr, aus kommunalen Abwässern, aus natürlichen
Quellen und vom täglichen Betrieb auf den Ölplattformen.
Industriegebiet Nordsee
Als in den sechziger und siebziger Jahren in der Nordsee Erdöl
und Erdgas entdeckt wurden, entwickelte sich eines der größten
Investitionsvorhaben der Industriegeschichte. Heute gehört die
Nordsee weltweit zu den größten Fördergebieten der
Offshore-Industrie. Zur Zeit befinden sich mehr als 450 Öl- und
Gasplattformen in der Nordsee. Die meisten davon im englischen
Sektor, gefolgt vom norwegischen, dem niederländischen und dem dänischen
Sektor. Schlusslicht ist der deutsche Sektor, in dem sich zuzeit
zwei Plattformen befinden. Insgesamt wurden im Jahr 2000 ca. 300
Millionen Tonnen Öl und etwa 100 Milliarden Kubikmeter Gas aus
der Nordsee gefördert.
Die Bundesrepublik Deutschland hat im Jahr 2001 ca. 37 Mio.
Tonnen Rohöl aus der Nordsee bezogen (Gesamteinfuhr ca. 105 Mio.
Tonnen). Norwegen lieferte 20,7 Mio. Tonnen, Großbritannien 15,4
Mio. Tonnen. Damit war die Nordsee wichtigster Rohöllieferant für
Deutschland.
Auswirkungen der Öl- und Gasförderung in der Nordsee
 Bild: aboutpixel.de Die
Suche, die Förderung und der Transport von Öl aus der Nordsee
bleibt nicht ohne Folgen für das Meer. Auf vier Wegen gelangt
das Öl ins Meer. Durch Unfälle, durch das sogenannte
Produktionswasser, durch auf Öl basierendem Bohrschlamm,
gemischt mit Bohrabfällen (sogenanntes Bohrklein) und schließlich
durch die Abfackelung von Gas. Letzteres macht aber bei weitem
den geringsten Teil aus (siehe Abbildung). Nach Schätzungen der
Oslo-Paris-Kommission (OSPAR), gelangten 1999 ca. 9.000 Tonnen Öl
in die Nordsee. Darüber hinaus werden Jahr für Jahr rund
100.000 Tonnen Chemikalien in die Nordsee geleitet. Als Folge, so
ergaben wissenschaftliche Untersuchungen, sind mittlerweile
zwischen 5.000 und 8.000 Quadratkilometer Nordseeboden
verschmutzt - eine Fläche zweimal so groß wie das Saarland.
Öleinträge in die Nordsee von den in den Nordseeanliegerstaaten
betriebenen Offshore- Plattformen, Quelle: OSPAR-Kommission,
1999: Bei der Gasabfackelung gelangten 1999 ca. 33 Mio. Tonnen
Kohlendioxid (CO2), 115.500 Tonnen Methan (CH4) sowie 115 000
Tonnen Stickoxide (NOX) von den Plattformen in die Atmosphäre.
Allein der Ausstoß an Kohlendioxid entspricht in etwa dem jährlichen
Ausstoß von Norwegen.
Öl von Esso
Esso ist zur Zeit der weltgrößte Ölkonzern. In über 50 Ländern
ist er mit Förderprojekten für Öl und Gas aktiv. In diesen Ländern
wurden im vergangenen Jahr ca. 200 Millionen Tonnen Öl und Gas
zu Tage gefördert. Dabei muss der Konzern jährlich 10 Prozent
seiner gesamten Fördermenge neu erschließen, um die sinkende
Produktion aus versiegenden Quellen zu ersetzen - Tendenz stark
steigend. Im Gegensatz zur Konkurrenz, vor allem von Shell und
BP, hat sich Esso vollständig dem Kerngeschäft Öl und Gas
verschrieben, trotz der nicht mehr von der Hand zu weisenden
Tatsache, dass der Verbrauch von Öl maßgeblich zum
Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel beiträgt. Während
andere Mineralölkonzerne, wenn auch zaghaft, in die Entwicklung
von erneuerbaren Energien einsteigen, lehnt Esso diesen Schritt
nicht nur ab, sondern leugnet sogar den Zusammenhang zwischen den
erhöhten Kohlendioxid-Emissionen und dem daraus resultierenden
Klimawandel. Der Konzern lässt nichts unversucht, um alles, was
seine Suche nach Öl und Gas stört, zu beseitigen.
Esso und die Nordsee
Esso (inklusive Mobil) beteiligt sich an der Ausbeutung der Öl-
und Gasfelder in der Nordsee. Entweder betreibt das Unternehmen
eigene Anlagen oder aber ist an Installationen mit einem
unterschiedlich hohen Anteil beteiligt. Insgesamt ist Esso zur
Zeit an 90 Produktionsfeldern sowohl im britischen als auch im
norwegischen Sektor beteiligt. Die Förderung von Öl und Gas aus
der Nordsee macht immerhin 22 Prozent der weltweiten Förderung
von Esso aus. Im Jahr 2000 kamen jeweils ca. 15 Mio Tonnen Öl
aus dem englischen bzw. dem norwegischen Sektor. Im Jahr 2000 förderte
Esso damit 10 Prozent der Gesamtfördermenge. Esso ist daran
interessiert, auch in den nächsten Jahren einen großen Anteil
seiner weltweiten Förderung aus der Nordsee zu gewinnen.
(Quelle: ExxonMobil 2000 Financial & Operating Review)
Dazu müssen in den nächsten Jahren Milliarden US-Dollar
investiert werden, entweder um den letzten Tropfen Öl bzw. das
letzte Quentchen Gas aus bereits bestehenden Quellen
herauszuholen oder aber um neue Öl- und Gasfelder zu finden und
auszubeuten.
Die Zukunft heißt Windenergie
Doch das Zeitalter des Nordseeöls neigt sich dem Ende. Die Zeit
ist reif für den Aufbruch in ein neues Energiezeitalter. Das
Motto der Zukunft muss lauten Öl raus - Wind rein. Das heißt,
die Investitionen müssen zukünftig in die Entwicklung von
regenerativen Energien fließen, im Falle der Nordsee in die zügige
Entwicklung von Offshore-Windanlagen. Erste Schritte sind schon
getan: In Dänemark wird 2002 die erste Offshore-Windfarm in der
Nordsee installiert. In Deutschland sind die ersten Pilotprojekte
in der Entwicklung. Bis sich allerdings im deutschen Sektor die
ersten Anlagen im Wind drehen werden, vergehen noch einige Jahre.
Doch ein Anfang ist getan.
Text: Greenpeace Deutschland
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