
BiokraftstoffeBiokraftstoffe(1367 Wörter in diesem Text, 3509 mal gelesen) 
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alt="Bild: aboutpixel.de Baum mit Wiese" hspace="5" vspace="5"
width="90" height="63"> Bild: aboutpixel.de Unabhängig
davon, was die Mineralölkonzerne verlauten lassen, sind die
weltweiten Reserven an Erdöl durchaus begrenzt. So kommt das
Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe in einer Studie
aus dem Jahr 2004 zu dem Schluss: "Der "depletion
mid-point", bei dem die Hälfte des vermuteten Erdöls
gefördert ist, dürfte innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre
erreicht werden. So ist ein sukzessiver Rückgang der Förderung
spätestens ab diesem Zeitpunkt vorprogrammiert." Da
gleichzeitig der Rohöl-Bedarf aber immer rasanter ansteigt,
könnte dieser Punkt auch schon früher erreicht werden. Aber
nicht nur aus diesem Grund erscheint es höchste Zeit, sich nach
Alternativen zu den fossilen Brennstoffen umzusehen, auch im
Sinne des Klimaschutzes kann man nicht mehr am Erdöl als
Brennstoff festhalten.
 Bild: aboutpixel.de Biokraftstoffe bilden hier einen
interessanten Ansatzpunkt. Das wird langsam auch von der Politik
erkannt. So schreibt die EU in ihrem „Aktionsplan
Biomasse" fest, dass bis zum Jahr 2010 der Anteil von
Biokraftstoffen am Energiemix um 5,75% steigen soll. Dadurch
könnten über 200 Millionen Tonnen Treibhausgase im Jahr
vermieden werden. Allerdings konnte der für 2005 angestrebte
Wert von 1,4% nicht erreicht werden, sodass eine Umsetzung des
Ziels für das Jahr 2010 auch nicht gesichert erscheint. Trotzdem
zeigt sich die EU-Kommission überzeugt, dass die Bedeutung von
Biokraftstoffen weiterhin deutlich zunehmen wird: „Der
Anstieg des Ölpreises und ein wachsendes Interesse an neuen
Märkten für landwirtschaftliche Produkte (...) haben zu einer
breiten Anerkennung der Vorteile von Kraftstoffen auf
europäischer Ebene geführt," heißt es in einem
entsprechend Anhang des Aktionsplans.
Biodiesel, Bioethanol und Pflanzenöl sind die drei wichtigsten
Biokraftstoffe, die langfristig eine wichtige Rolle im Energiemix
spielen können. Sie bieten den Vorteil, dass sie den fossilen
Treibstoffen in vieler Hinsicht recht ähnlich sind. Daher ist es
möglich, herkömmliche Verbrennungsmotoren mit recht einfachen
Mitteln und daher auch vergleichsweise kostengünstig auf diese
neuen Treibstoffe umzurüsten. Darüber hinaus liegen sie in
flüssiger Form vor, d.h. man muss sich über ihre Speicherung
(herkömmliche Tanks reichen da vollkommen aus) keine Gedanken
machen. Der Vertrieb von Biodiesel, Bioethanol und Pflanzenöl
kann über das bereits existierende Tankstellennetz geschehen.
Auch hier sind nur geringe Anpassungen erforderlich.
Biodiesel
 Bild: aboutpixel.de Biodiesel ist der zurzeit am weitesten
verbreitete Biokraftstoff. Er stellt auch so etwas wie den
Klassiker unter den Kraftstoffen dar, ist er doch bereits seit
Anfang der 1990er Jahre im Einsatz. Im Jahr 2005 wurden nach
Angaben Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP)
mehr als 1,8 Millionen t dieses besonderen Treibstoffs
hergestellt. Der Absatz erfolgte dabei - wie der Verband
Deutscher Biodieselehrsteller feststellte, zu 45 Prozent an das
Transportgewerbe (vor allem Busse und Lastwagen). Etwa 40 Prozent
gingen an die Mineralölkonzerne für die Beimischung zum
mineralischen Diesel. Die restlichen 15 Prozent wurden
überwiegend an Tankstellen als Reinkraftstoff an Pkws und zu
einem geringeren Teil an die Landwirtschaft abgegeben. Im Juni
2005 umfasste das Biodiesel-Tankstellennetz ungefähr 1900
Verkaufsstellen.
In Deutschland wird der Biodiesel vorwiegend aus natürlichem
Pflanzenöl hergestellt. Hier spielt der Raps eine herausragende
Rolle, aber auch andere Pflanzenöle sowie Altspeise- und
Tierfette sind mögliche Rohstoffe. Chemisch gesehen handelt es
sich bei Biodiesel um ein Pflanzenölmethylester (PME).
Gebräuchlich ist hier aber auch der Begriff Rapsölmethylester
(RME).Biodiesel hat also nichts mit Pflanzenöl, wie wir ihn in
der Küche verwenden, zu tun, sondern wird lediglich daraus
hergestellt.
Bei der Herstellung von Biodiesel wird der Raps zunächst
getrocknet und dann in Ölmühlen zu Pflanzenöl gemahlen oder
gepresst. Die übrig bleibenden festen Bestandteile enthalten
noch immer einen recht hohen Fettanteil und eignen sich
hervorragend als Tierfutter. Doch zurück zum Öl, denn nun kommt
der entscheidende Schritt. Dem Pflanzenöl wird ca. 10% Methanol
beigemischt. Dann kommt noch ein Katalysator (hier wird häufig
Kaliumhydroxid oder Natriumhydroxid verwendet) hinzu und die
Mischung wird langsam auf 60° erhitzt. Dabei kommt ein
chemischer Vorgang, die so genannte Umesterung in Gang. Dabei
wird das Pflanzenölmolekül, das aus Glycerin und 3
Fettsäureketten besteht, aufgespalten. Die Fettsäuren verbinden
sich mit dem Methanol zu Biodiesel. Das zusätzlich entstehende
Glycerin kann dann aufbereitet und beispielsweise in der
Pharmaindustrie eingesetzt werden.
Wer nun Biodiesel tanken möchte, sollte sich auf jeden Fall
vergewissern, ob sein Fahrzeug vom Herstellen für den Einsatz
dieses Kraftstoffes freigegeben ist. Bei Fahrzeugen, die keine
Freigabe haben, kann der Biodiesel dazu führen, dass Gummiteile,
die mit ihm in Berührung kommen (wie Dichtungen etc.),
aufquellen oder gar teilweise auflösen. So können dann
beispielsweise an der Einspritzpumpe kostspielige Defekte
auftreten. Eine Übersicht der für Biodiesel freigegeben
Fahrzeuge erhalten Sie hier. Sollte Ihr Fahrzeug nicht unter
den freigegebenen Modellen sein, können Sie es leicht umrüsten
lasse, indem alle kritischen Gummiteile ausgetauscht werden.
1 Liter Biodiesel ersetzt übrigens ungefähr 0.9 Liter
Dieselkraftstoff, kostet aber nur 0,75 bis 0,95 Euro (je nach
Standort).
Pflanzenöl
Im Gegensatz zum Biodiesel kommt hier das Pflanzenöl (auch unter
Pöl bekannt) in seiner Reinform, also unverändert als
Kraftstoff zum Einsatz. Dabei können alle gängigen Öle wie
Rapsöl, Sojaöl, Palmöl oder Olivenöl zum Einsatz kommen. Je
nach Herstellungsverfahren (Kaltpressung oder Pressung bei
höheren Temperaturen) werden noch unterschiedlich aufwendige
Reinigungsverfahren nötig.
Die Viskosität von Pflanzenöl ist vor allem bei niedrigen
Temperaturen bis zu zehn Mal höher als die von fossilem Diesel.
Das führt bei herkömmlichen Motoren insbesondere im Winter und
beim Kaltstart des Motors zu technischen Problemen. Zudem liegt
der Flammpunkt mit rund 240° C deutlich höher als der von
normalem Diesel. Um diesen besonderen Eigenschaften der
Pflanzenöle gerecht zu werden, müssen die Motoren der Fahrzeuge
speziell angepasst werden. Hierzu gibt es mehrere Verfahren.
Grundsätzlich bedienen sich die meisten dieser Verfahren einer
der folgenden Technologien: Entweder sorgt man für eine
Vorwärmung des Kraftstoffs und des Einspritzsystems oder man
baut ein 2-Tank-System in das Fahrzeug ein. Dann wird mit
normalem Diesel gestartet und die Versorgung mit Pflanzenöl erst
bei der richtigen Temperatur aktiviert. Die Umrüstung auf
Pflanzenöl kann unter Umständen recht kostspielig werden und
mehrere Tausend Euro verschlingen.
Wohl auch aus diesen Gründen ist Pflanzenöl momentan noch nicht
besonders weit verbreitet. Entsprechend wenig ausgeprägt ist die
Infrastruktur. Das Netz öffentlicher Pflanzenöltankstellen in
Deutschland besteht aus weniger als 100 Stationen. Eine
Aufstellung der derzeitigen Pflanzenöl-Tankstellen finden Sie hier.
Da das Fahren mit Pflanzenöl einen häufigeren Ölwechsel
erfordert und auch die Umrüstung nicht billig ist, rechnet sich
der Einsatz - trotz eines Literpreises, der lediglich bei 0,55
bis 0,75 Cent liegt - erst bei hohen Kilometerleistungen. Von der
Automobilindustrie gibt es zudem keine Signale, dass in näherer
Zukunft mit der Serienanfertigung von Pflanzölmotoren begonnen
werden soll.
Bioethanol
 Bild: aboutpixel.de In Gegensatz zu Biodiesel und
Pflanzenöl, die als alternative Kraftstoffe für Dieselmotoren
in Betracht kommen, kann Bioethanol bei Fahrzeugen mit Ottomotor
eingesetzt werden.
In reiner Form wird Bioethanol hierzulande gar nicht gefahren
(das kommt fast ausschließlich in Brasilien vor), es wird also
nur in mehr oder weniger hochprozentigen Mischungen verwendet,
wobei man aber anmerken sollte, dass Bioethanol überhaupt noch
nicht sonderlich weit verbreitet ist. Am gebräuchlichsten ist
derzeit eine 5-prozentige Beimischung in den herkömmlichen
Kraftstoff. Ethyl-Tertiär-Butyl-Ether (ETBE) ist eine Verbindung
aus biogenem Ethanol und aus Erdöl hergestelltem Isobuten. Diese
Mischung kann dem Kraftstoff in einer Konzentration von bis zu 15
Prozent zugesetzt werden. Dann ersetzt das ETBE das
gebräuchliche Antiklopfmittel. In einem Modellversuch will das
Verbraucherministerium nun so genannte Flexible-Fuel-Vehicles
(FFV), die Ethanolmischungen in verschiedenen Konzentrationen bis
hin zu 85 Prozent verwenden können, testen. Diese Treibstoffe
tragen das das Kürzel E85. In Ländern wie Brasilien, Schweden
und USA ist man schon weiter als in Deutschland. Dort ist das
entsprechende Versuchsstadium längst dem Alltagseinsatz
gewichen.
Der Ausgangsstoff für Bioethanol sind die in Pflanzen
enthaltenen Kohlenhydrate (Zucker), aus denen mit Hilfe von
Enzymen und Hefepilzen Alkohol entsteht. Als Pflanzen kommen
stärkehaltige Pflanzen wie Mais, Kartoffeln, Roggen und Weizen,
zuckerhaltige Gewächse wie Zuckerrüben oder Zuckerrohr bzw.
zellulosehaltige Pflanzen (Holz, Stroh) in Frage. Während
zuckerhaltige Pflanzen direkt vergoren werden können, muss bei
stärkehaltigen Pflanzen die Stärke mit Enzymen zunächst in
Zucker umgewandelt werden. Auch die zellulosehaltigen Pflanzen
erfordern diesen Arbeitsschritt. Der Gärprozess ist dann
abgeschlossen, wenn entweder der Zucker verbraucht ist oder eine
maximale Alkoholkonzentration erreicht wurde. Der entstehende
Ethylalkohol wird durch Destillation abgetrennt. Zu diesem
Zeitpunkt hat der Alkohol eine Konzentration von gut 95 Prozent.
Damit er aber als Treibstoff verwendet werden kann, wird ein
weitaus reinerer Alkohol mit einer Konzentration von 99,7 bis
99,9 Prozent benötigt. Dieser Alkohol entsteht durch einen
besonderen chemischen Prozess, die so genannte Absolutierung.
Bei diesem Herstellungsprozess fällt als Destillationsrückstand
ein wichtiges Nebenprodukt an: die Schlempe. Sie findet
hauptsächlich als eiweißhaltiges Futtermittel Verwendung, kann
aber auch direkt als Substrat in Biogasanlagen eingesetzt werden,
um daraus weitere Energie zu gewinnen.
Bioethanol besitzt einige Eigenschaften, die die Qualität von
herkömmlichen Kraftstoffen für Ottomotoren verbessern. So
verfügt er über eine höhere Oktanzahl und besitzt dadurch eine
gute Klopffestigkeit. Auf der anderen Seite besitzt Ethanol einen
deutlich geringeren Energiegehalt als Ottokraftstoffe. So
entspricht ein Liter dieses Kraftstoffs lediglich 0,66 Liter
Benzin oder Super. Beim CO2 bringt Ethanol Einsparungen in der
Größenordnung von 30 Prozent.
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