
Waldbaukonzepte VergleichWaldbaukonzepte im Vergleich(895 Wörter in diesem Text, 3487 mal gelesen) 
 Bild: aboutpixel.de Waldzerstörung ist die
größte durch den Menschen verursachte Veränderung auf unserem
Planeten. 1997 hat das World Resources Institute die weltweite
Bedrohung der noch verbliebenen Wälder publik gemacht - von der
ursprünglichen Waldfläche existiert nur noch die Hälfte. Bei
den Urwäldern ist die Situation noch dramatischer: Weltweit sind
bereits rund 80 Prozent der großen Urwälder verschwunden.
Dabei könnte der Holzeinschlag sowohl in den Regenwäldern als
auch in den Urwäldern der Nordhalbkugel sofort gestoppt werden,
denn aus den bereits genutzten Wirtschaftwäldern kann - selbst
bei Wahrung der natürlichen Abläufe - ausreichend Holz gewonnen
werden. In Deutschland wirtschaften mehrere Forstbetriebe
erfolgreich nach den Kriterien der ökologischen Waldnutzung. Die
Kennzeichnung mit dem FSC (Forest Stewardship Council)-Siegel
garantiert die umweltverträgliche Herkunft des Holzes und stützt
die Betriebe bei der Vermarktung.
Forstwirtschaft auf dem Holzweg
 Bild: aboutpixel.de Trotz langjähriger positiver
Erfahrungen der Betriebe, die nach FSC-Kriterien wirtschaften,
qualifizieren Vertreter der konventionellen Forstwirtschaft Öko-Holz
als wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig ab.
Um der oftmals ideologisch geführten Diskussion Fakten
zugrundezulegen, haben Greenpeace, BUND, Naturland und Robin Wood
1998 ein Wirtschaftlichkeitsgutachten in Auftrag gegeben, das die
ökonomische Zukunftsfähigkeit von drei Waldbaukonzepten
modelliert. Die Simulation basiert auf der Struktur (Größe,
Lage, Alter, Baumarten-Zusammensetzung) des Lübecker
Stadtwaldes, der bereits nach ökologischen Kriterien
bewirtschaftet wird. Berechnet werden Zeiträume von zehn und
vierzig Jahren.
Außerdem werden unterschiedliche gesamtwirtschaftliche
Rahmenbedingungen zugrunde gelegt: Einmal werden die heutigen
Verhältnisse fortgeschrieben, zum anderen die Auswirkungen durch
die ökologische Steuerreform auf Lohn- und Energiekosten und
damit auf die Erträge vorweggenommen.
Wilder Wald - halbwilder Wald - Stangenwald
Die Studie untersucht die folgenden Waldkonzepte: Die
Altersklassenwirtschaft (AKWI), ein in Deutschland weit
verbreitetes konventionelles Modell, das Niedersächsische
Landesprogramm zur Ökologischen Waldentwicklung (LÖWE) mit
weitgehend naturnahen Ansätzen und das Prozessschutzkonzept als
möglichst ökologisches Waldbaumodell.
Leitbild bei letzterem ist die natürliche Vielfalt und
Entwicklung des Waldes. Der bewirtschaftete Wald soll einem
ungenutzten Wald möglichst ähnlich sein und bedrohten Tieren
und Pflanzen wieder Lebensraum bieten. Zusammensetzung der
Baumarten und Altersstruktur bleiben weitgehend der Natur überlassen.
Eingeschlagen werden nur einzelne reife Bäume. Kahlschlag und
Monokulturen sind ebenso verboten wie der Einsatz von Pestiziden
und Dünger. In jedem Betrieb werden Referenzflächen
ausgewiesen, die unberührt bleiben.
AKWI hingegen ist von höchstmöglicher Ertragserwartung geprägt.
Dazu wird in hohem Maße in die Natur eingegriffen: Ertragsstarke
Baumarten werden gepflegt, ertragsschwache möglichst verbessert,
Freiflächen werden möglichst schnell aufgeforstet. Düngung,
Unkrautbekämpfung und Schutzmaßnahmen gegen Wild oder Insekten
sind üblich. Es gibt starke Durchforstungen zur Negativauslese,
Totholz wird entfernt, die Nutzung ist technisch optimiert. Dabei
werden ganze Flächen kahlgeschlagen. Waldschutzgebiete sind auf
das gesetzlich Notwendige beschränkt.
Der LÖWE-Ansatz liegt dazwischen: Hier sollen Standort gerechte,
an der natürlichen Waldgesellschaft orientierte Wälder
entstehen. Klassische Forstschutzmaßnahmen bleiben beschränkt.
Auch hier werden nur einzelne Bäume eingeschlagen. Gleichzeitig
wird ein Naturschutzkonzept umgesetzt, das auch Totholz zulässt
und Referenzflächen beinhaltet.
Ergebnisse der Simulationen
 Bild: aboutpixel.de Wegen der großen Vorräte an
ertragsstarken und wertvollen Laubhölzern liegen die Erträge im
Lübecker Forst in den nächsten zehn Jahren - verglichen mit dem
Bundesdurchschnitt - deutlich höher, und zwar bei allen drei
Konzepten in der Größenordnung von 50 Euro pro Hektar und Jahr.
Dabei schneidet das konventionelle AKWI-Modell mit 64 Euro gegenüber
dem Prozeßschutz mit 45,50 Euro am besten ab. Die Erlöse pro
Festmeter sind annähernd gleich hoch.
Simuliert man einen Zeitraum von vierzig Jahren, ergibt sich ein
völlig anderes Bild: Sowohl pro Hektar als auch pro Festmeter
ist der Reinertrag beim Prozessschutzmodell doppelt so hoch wie
bei der AKWI. Dies erklärt sich aus der bis dahin entstandenen
Alters- und Baumartenstruktur: Das ökologischste Konzept lässt
die Vorräte an wertvollen Laubhölzern wie Eiche stark
ansteigen, während diese bei den Methoden konventioneller
Forstwirtschaft deutlich sinken.
Umgekehrt verhält es sich im weitaus weniger gewinnträchtigen
Nadelholzbereich: Hier liegen die größten Vorratssteigerungen
des AKWI-Modells. Insgesamt gesehen wird bei AKWI so viel Holz
geschlagen wie nachwächst, während der Prozessschutz seine Vorräte
- und hier vor allem die wertvollen - deutlich steigert.
Naturnahe Waldnutzung ist also eine Investition in die Zukunft.
Variiert man gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, würden
sich schon im Zehn-Jahres-Zeitraum die momentan noch
unterschiedlich hohen Reinerlöse angleichen. Da bei der ökologischen
Waldwirtschaft arbeitsintensive Eingriffe wie Pflanzungen, Pflege
und Durchforstung auf ein Minimum reduziert sind, ist sie weniger
anfällig gegenüber steigenden Lohnkosten. Diese können auch
trotz des verstärkten Einsatzes schweren Geräts in der AKWI
nicht kompensiert werden.
Die konventionelle Forstwirtschaft müsste wegen der Maschinen
bei höheren Energiepreisen infolge der Ökosteuer am stärksten
draufzahlen, während die Öko-Betriebe glimpflich davonkämen.
Doch insgesamt betrachtet, würden alle Forstmodelle durch eine
konsequent umgesetzte Ökosteuer (höhere Energiepreise mit
gleichzeitiger Entlastung bei den Lohnnebenkosten) profitieren.
Bei den Berechnungen wurden Risiken durch Sturmschäden oder Käferbefall
außer Acht gelassen. Diese machen in AKWI-Wäldern heute bis zu
70 Prozent der Holzentnahme aus. Auf lange Sicht sinkt das
Betriebsrisiko durch solche erzwungenen Nutzungen bei natürlich
bewirtschafteten Wäldern deutlich.
Auch auf Holzpreisschwankungen reagiert das Prozessschutzmodell
am wenigsten: Hier wird auf Klasse statt Masse gesetzt, so dass
sinkende Schwachholzpreise durch höhere Erlöse im
Starkholzbereich ausgeglichen werden können. Die Simulationen für
das LÖWE-Konzept bewegen sich immer zwischen den beiden anderen
Modellen und werden hier nicht mehr im Detail beschrieben.
Was bringt die Zertifizierung?
Die Vorteile der Zertifizierung mit dem glaubwürdigen
FSC-Zeichen machen sich bezahlt: In Deutschland wächst der Markt
für Öko-Holz stetig, Umfragen zeigen, dass Verbraucher sogar
bereit sind, für ökologisch erzeugtes Holz tiefer in die Tasche
zu greifen. Zertifizierte Produkte sind konkurrenzfähiger und
bedienen einen ständig wachsenden Markt. Neben handfesten ökonomischen
Vorteilen wirkt der Imagegewinn ökologisch produzierender
Betriebe auf Dauer belebend auf die meist strukturschwachen
Regionen.
Dem Öko-Wald gehört die Zukunft
Zertifizierter Wald ist sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch
und sozial zukunftsfähig: Der international anerkannte FSC
befolgt von Gewerkschaften, Waldbesitzern und Umweltverbänden
gemeinsam erarbeitete Kriterien.
Das Prozessschutz-Modell entspricht der natürlichen Dynamik und
Entwicklung der Wälder am ehesten. Die Studie zeigt, dass es den
anderen Konzepten langfristig auch ökonomisch weit überlegen
ist, denn durch die Ökosteuer profitieren Modelle, die weniger
in die Natur eingreifen.
Text: Greenpeace Deutschland
|  |
|
[ Zurück zu Umwelttechnik | Fachberichte-Übersicht ]
Vorheriger Bericht Umwelttechnik
| General Electric wird grün |  |
|
|
Nächster Bericht Umwelttechnik
| Coup für die Meere: Schutzgebiete |  |
|
|
Kommentar oder Frage zum Bericht
|