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Stürmischer Exportschlager

Fachbericht | Wörter: 457 | Aufrufe: 6147 | Druckbare Version

REpower und Areva T&D schicken norddeutsches Windkraft-Know-how auf die Reise

Der Fahrer manövriert den Wagen über die kurvige Piste, weicht Schlaglöchern und Steinbrocken aus. Die Kieler Techniker hoffen inständig, dass am Auto diesmal alles heil bleibt. Motorwannen und Auspuffanlagen haben sie sich bereits ruiniert bei ihren Fahrten am abgelegenen Küstenstreifen Apuliens, ganz unten an Italiens Stiefelabsatz. Hier wohnt niemand, dafür ragen mächtige Windräder in die Höhe. „In dieser Gegend bläst der Wind bis zu 48 Stunden mit konstanter Stärke“, lobt Ingo Haak die Bedingungen, „davon können wir in Deutschland nur träumen.“

Der Ingenieur aus Kiel leitet für die Areva T&D eine Technikertruppe, die Windkraftanlagen ans Stromnetz anschließt. Gemeinsam mit dem Hamburger Unternehmen REpower exportieren die Ingenieure deutsche Windkraft-Technik nach Italien. Schleswig-Holstein ist Windenergie-Land: Die 2.565 Windräder im Bundesland erzeugten im Jahr 2007 rund 5.200 Gigawattstunden Strom und deckten damit 40 Prozent des Strombedarfs, so das Kieler Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr.

Kein Wunder, dass Windenergie-Knowhow aus Schleswig Holstein nach ganz Europa auf die Reise geht. „Während der Trend in Deutschland zu Offshore-Parks auf dem Meer geht, herrscht im Ausland Nachholbedarf“, erläutert Haak. „Wir installieren neue Anlagen derzeit fast ausschließlich im Ausland, vornehmlich in Italien, Frankreich und Großbritannien, aber auch aus Belgien, Portugal und Spanien haben wir immer mehr Anfragen“, fährt er fort. Der nächste Boom-Markt für regenerative Energien könnte Nordamerika werden.

Gemeinsam haben Areva T&D und REpower bereits mehr als 300 Anlagen installiert. Als sie 2004 das erste Windrad im apulischen Troia aufstellten, lief nicht alles rund: „Die neuen Elektroanlagen waren innerhalb von zwei Tagen aus Deutschland in Bari, brauchten aber für die letzen dreißig Kilometer aus unerfindlichen Gründen noch einmal eine Woche“, berichtet Haak. Seither kümmert sich Areva selbst um den Transport und liefert das Material in verschlossenen Containern an. Nur so können die Techniker sicher sein, dass jede Schraube und jeder Draht dort ankommt, wo sie gebraucht werden (Bildquelle: Ariva).

Der Windenergiemarkt ist in Bewegung. Ein wichtiger Trend: Repowering. Gemeint ist der Austausch alter Anlagen gegen leistungsstärkere neue. So nahm 2007 in Schleswig-Holstein die installierte Leistung um 129 Megawatt zu, während die Zahl der Windräder gleichzeitig um 21 abnahm. „Es lohnt sich nicht, zwanzig Jahre abzuwarten, bis ein Windrad aus Altersgründen den Geist aufgibt“, betont Haak. Besonders an besonders windreichen Standorten wie z.B. am Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog kurz vor dem Hindenburgdamm zwischen Sylt und dem Festland, wo der steife Westwind über die See pfeift, ist der Austausch sinnvoll. Ausgediente deutsche Windräder werden dann oft in Afrika oder der Karibik wieder verwendet.

Für die Energietechniker bedeuten die leistungsstärkeren Anlagen eine völlig neue Arbeitsweise. So lieferten die ersten Anlagen eine Leistung von 50 Kilowatt, der Strom konnte noch problemlos ins 400-Volt-Netz eingespeist werden. Später waren Mittelspannungsnetze notwendig, heute sind die Windräder und somit die Windparks so leistungsstark, dass sie mit dem Hochspannungsnetz verbunden werden müssen. Dafür bauen die Techniker eigene Umspannwerke zu den Windenergieanlagen.

Der Windpark Thornton Bank etwa, der derzeit 20 Kilometer vor der belgischen Küste entsteht, soll im für 2010 geplanten Endausbau in der Lage sein, rund 300 Megawatt Strom zu erzeugen: Vier dieser Parks könnten ein Atomkraftw

erk ersetzen.

Juni 2008



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