Der Finanzbedarf im Erneuerbare-Energien-Sektor wird seit geraumer Zeit immer weniger durch Fremdkapital von Banken, sondern verstärkt durch Eigenkapital oder entsprechende Finanzierungsformen gedeckt. Diese Entwicklung wird durch das restriktivere Vorgehen der Banken bei der Vergabe von Krediten noch begünstigt. Außerdem zeigen private Anleger derzeit eine höhere Bereitschaft, in Unternehmen zu investieren. So genannte Anleihen sind deshalb von zunehmendem Interesse für Unternehmen, weil die Finanzmittel als Eigenkapital behandelt werden. Und eine hohe Eigenkapitalquote erleichtert die Erteilung von Bankkrediten.Hohe Rendite mit grünen Anlagen Der Finanzbedarf im
Erneuerbare-Energien-Sektor wird seit geraumer Zeit immer weniger
durch Fremdkapital von Banken, sondern verstärkt durch
Eigenkapital oder entsprechende Finanzierungsformen gedeckt.
Diese Entwicklung wird durch das restriktivere Vorgehen der
Banken bei der Vergabe von Krediten noch begünstigt. Außerdem
zeigen private Anleger derzeit eine höhere Bereitschaft, in
Unternehmen zu investieren. So genannte Anleihen sind deshalb von
zunehmendem Interesse für Unternehmen, weil die Finanzmittel als
Eigenkapital behandelt werden. Und eine hohe Eigenkapitalquote
erleichtert die Erteilung von Bankkrediten.
Was sind Unternehmensanleihen?
Unternehmensanleihen sind in der Regel
Inhaber-Teilschuldverschreibungen mit einem festen Zinssatz und
einem festen Rückzahlungstermin. Es handelt sich um Wertpapiere,
die den Vorteil bieten, depot- und börsenfähig zu sein. Beides
erleichtert die Platzierung, denn allein schon die
Depotfähigkeit bewirkt, dass der Anleger ein sicheres Gefühl
bei dieser Anlage hat, findet er sie doch zusammen mit seinen
anderen Wertpapieren auf dem Depotauszug seiner Bank wieder. Wenn
ferner die Anleihe an einer Börse (im Freiverkehr) gelistet oder
zur amtlichen Notierung angemeldet wird, kann sie der Anleger
auch vor Ablauf der Laufzeit veräußern.(Bildquelle: B. Jermer).
Bis vor einigen Jahren waren Unternehmensanleihen
ausschließlich großen Unternehmen vorbehalten. Mittlerweile hat
sich auch ein Markt für Small Cap-Unternehmensanleihen gebildet.
Ab einem Mindestvolumen von etwa 5 Mio. Euro kann ein Unternehmen
selbst eine Anleihe emittieren und somit auf dem Kapitalmarkt
Geld akquirieren. Hierzu ist es nicht erforderlich, dass der
Emittent selbst börsennotiert oder eine Aktiengesellschaft ist.
Eine Anleihe kann auch von einer GmbH oder einer
Personengesellschaft vergeben und zur Börsennotierung
beziehungsweise zum Listing an einer Börse angemeldet werden.
Den Inhabern dieser Anleihe stehen dann Miteigentumsanteile an
der verbrieften Globalurkunde zu, die übertragen und in ein
Depot gebucht werden können.
Die Anleihebedingungen sind grundsätzlich frei vom
emittierenden Unternehmen bestimmbar, müssen sich aber
natürlich nach den marktüblichen Gegebenheiten richten. Gut
platzierbare Anleihen weisen in der Regel folgende Eigenschaften
auf:
- Ausgabe- und Rückzahlungspreis: 100 %
- Mindeststückelung: 100 Euro
- Laufzeit: 5 bis 8 Jahre
- attraktiver Zinssatz, der deutlich über der aktuellen
Umlaufrendite liegt
- Zinszahlungen halbjährlich
- Börse: zumindest Listing im Freiverkehr
- Bonität des Emittenten
Ein Investment-Grade ist zwar bei einer Eigenemission kein
unabdingbares Kriterium, aber letztendlich setzt der Markt die
Grenzen einer Platzierungsfähigkeit. Nur wenn die
eingeschalteten Vertriebe und letztendlich die Anleger selbst
überzeugt werden können, dass das Unternehmen den Kapitaldienst
und die Rückzahlung der Anleihe gewährleisten kann, wird eine
Platzierung erfolgreich durchgeführt werden können.
Schritt für Schritt
Eine Unternehmensanleihe, die an der Börse gelistet werden soll,
wird in folgenden Projektphasen konzipiert:
- Due Diligence: ca. 2 – 3 Wochen (ausführliche
Prüfung aller relevanten Daten)
- Prospekterstellung: ca. 4 – 6 Wochen
- Genehmigung des Bundesamtes für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): ca. 8 – 10
Wochen
- Vertrieb (an Einzelinvestoren oder institutionelle
Anleger): ca. 2 – 3 Monate
Die finanziellen Aufwendungen einer solchen
Unternehmensanleihe lassen sich nicht pauschal beziffern. In der
Regel fallen Kosten an für die unabdingbare Due Diligence vor
Durchführung einer Kapitalmaßnahme, für die Emissionsberatung
(1,5 bis 2 % des platzierten Volumens), Vertriebskosten,
Prospektdruck, BaFin-Prüfung sowie für die Listung bei einer
Wertpapierbörse.
Risiken bei Ausgabe und Zeichnung
Der Investor wird zum Gläubiger des Unternehmens und hat am Ende
der vereinbarten Laufzeit Anspruch auf die vollständige
Rückzahlung seines Kapitals. Außerdem stehen ihm die
vereinbarten Zinszahlungen zu. Er kann also Jahr für Jahr mit
einem festen Zinseinkommen rechnen, dessen Höhe - anders als die
Dividendenzahlung bei Aktien - nicht vom Erfolg des Unternehmens
abhängig, sondern von vornherein fest vereinbart ist. Börsianer
sprechen deshalb auch von Rentenwerten, weil die Zinseinkünfte
für den Anleiheninhaber als regelmäßiges Zusatzeinkommen im
Voraus kalkulierbar sind.
Auch im Bereich der erneuerbaren Energien werden Anleihen
angeboten. Dabei handelt es sich vorwiegend um die Finanzierung
von Windparks, solarthermischen Kraftwerken und
Bioenergieanlagen. Etliche davon versprechen verlockend hohe
Verzinsungen; deutlich höher als konventionelle Sparformen sie
zurzeit zu bieten vermögen. Von 6,75 %, 7,25 %, ja sogar 8 % und
mehr ist da die Rede. Da kann das gute alte Sparbuch längst
nicht mehr mithalten.
Häufig suggeriert die Werbung für den Kauf solcher Anleihen,
dass der Erwerb nahezu risikolos sei. Es wird gerne betont, es
bestehe „kein Börsenkursrisiko". Doch bedeutet das
wirklich, dass man bedenkenlos investieren kann?
Das Börsenkursrisiko entfällt, wenn die Unternehmensanleihe,
wie es häufig der Fall ist, überhaupt nicht an der Börse
gehandelt, sondern direkt vom Emittenten vertrieben wird. Aber
das hat auch Nachteile: Während bei börsennotierten Werten
regelmäßig eine Kursfeststellung erfolgt und sie zu diesen
Kursen jederzeit gekauft beziehungsweise verkauft werden können,
existiert für nicht börsennotierte Wertpapiere meist kein
regelmäßiger liquider Markt. Sollte man sich also vor Ende der
Laufzeit von seiner Anleihe trennen wollen, findet man nicht
jederzeit auf Anhieb einen Käufer. In manchen Fällen ist eine
Veräußerung vor Ende der Laufzeit sogar ausgeschlossen oder von
der Zustimmung des Emittenten abhängig. Die freie
Übertragbarkeit sollte vor dem Erwerb also genau geprüft
werden.
Das eigene Urteil zählt
Gibt eine Bank einen Kredit, so verlangt sie Sicherheiten. Diese
Möglichkeit hat der Anleihekäufer nicht. Er muss der Politik
des Unternehmens, deren Anleihe er erwirbt, Vertrauen schenken.
Da ein Anleihekäufer im Gegensatz zum Aktionär allerdings kein
Miteigentum am Unternehmen erwirbt, hat er auch kein
Mitspracherecht, kein Stimm- und Auskunftsrecht bei der
Hauptversammlung, was aus Sicht des Unternehmens nicht unbedingt
von Nachteil ist.
Der Anleger muss also selbst herausfinden, ob die offerierten
Produkte seriös und gewinnversprechend sind. Eine Einschätzung,
die umso schwerer fällt, wenn es sich um einen Direktvertrieb
handelt, so dass die Prüfung und Beratung durch die Hausbank
entfällt.
Um die Seriosität einschätzen zu können, sollte zunächst
nach Referenzen gefragt werden: Wie lange ist der Emittent schon
tätig? Sind bisherige Anleihen pünktlich und in vollem Umfang
zurückgezahlt worden? Im Emissionsprospekt, den man genau
studieren sollte, sind außerdem definierte juristische
Erfordernisse festgehalten, darunter auch Aussagen zum Risiko der
jeweiligen Anlage.
Eine gute Hilfe können auch so genannte Bonitätsratings
sein. Unabhängige Prüfungsgesellschaften prüfen und benoten
die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit und -moral von
Wertpapieremittenten, Branchen, Regionen, ja sogar von ganzen
Nationen. Zu den weltweit bekanntesten Rating-Agenturen gehören
Moodys sowie Standard&Poor's. Ein gutes Rating hilft Zinsen
sparen. Deshalb lassen viele Emittenten auf eigene Initiative ein
Rating über sich erstellen und stellen das Ergebnis potenziellen
Anlegern zur Verfügung.
Ferner ist zu prüfen, ob die
vorgesehene Verwendung des Kapitals durch den Emittenten
technisch und wirtschaftlich plausibel ist. Oft werden neben
Broschüren und Gutachten auch Veranstaltungen mit vertiefenden
Informationen von Branchenfachleuten angeboten. Diese
Möglichkeit sollte man nutzen, um sich ein Bild zu machen.
Zu prüfen ist auch, ob politische Veränderungen die
kalkulierte Rentabilität des Vorhabens gefährden könnten. So
ist es zum Beispiel möglich, dass für den Bau von Kraftwerken
Baugenehmigungen und/oder Fördergelder zugesagt worden sind, die
im Falle eines Regierungswechsels wegfallen oder teilweise
zurückgezogen werden könnten. Ebenso verhält es sich mit
politisch festgesetzten Einspeisequoten und/oder -vergütungen
für regenerativ erzeugte Energie. Unsichere politische
Verhältnisse können auf diese Weise leicht die der Kalkulation
zugrunde liegenden Rentabilitätsaussichten zunichte machen.
Kluge Investoren setzen daher nie alles auf eine Karte,
sondern streuen und minimieren so das Risiko. Finanzfachleute
nennen das Diversifikation. Das gilt für den einzelnen Anleger
ebenso wie für die Investmentpolitik von Kapitalgesellschaften.
Ein eventueller Totalausfall bei einem der Projekte kann durch
andere, geglückte Engagements kompensiert werden. Diese
Strategie der Diversifikation haben etliche
Ökoenergie-Rentenfonds perfektioniert, indem sie für ihre
Anteilseigner in eine Vielzahl verschiedener Anleihen
investieren. Die so erzielte Risikostreuung kommt allen
Anteilseignern zugute. Etliche solcher Fondsanteile können auch
über die Hausbank erworben werden.
Augen auf
Generell gilt am Finanzmarkt: Je höher das Risiko, desto höher
müssen die Zinsen ausfallen. Die regelmäßige Zahlung hoher
Zinsen ist aber leider kein Garant für die Seriosität. Viele
Anleger vertrauen darauf, dass, wer hohe Zinsen ausschütten
kann, auch gute Geschäfte gemacht haben muss. Die Zahlung hoher
Zinsen ist jedoch überhaupt kein Problem, sofern die Anzahl neu
hinzukommender Anleger ständig steigt. Dann können mit neu
zufließendem Kapital die Zinsen der Alteigentümer problemlos
befriedigt werden. Im ungünstigsten Fall besteht die Tätigkeit
eines solchen Emittenten nicht wirklich in der Investition in
Energieprojekte, sondern in der permanenten Ausweitung seiner
Vertriebsaktivitäten. Steigt die Zahl neuer Anleihekäufer nicht
mehr an, kommt so ein Schneeballsystem abrupt zum
Erliegen.(Bildquelle: B. Jermer)
Für Unternehmen wie für Anleger gilt also auch in diesem
Bereich: „Augen auf!”
Quellen:
Bundesumweltministerium (Hrsg.), Mehr Wert: ökologische
Geldanlagen, Berlin 2000
Bundesumweltministerium (Hrsg.), Green Finance –
Umweltmanagement in Banken, Sparkassen und Versicherungen, Berlin
o.J.
Murphy&Spitz Umwelt Consult (Hrsg.), Green Capital –
umwelt- & sozialverträgliche Geldanlage, Bonn 2003
Rühle, Alf-Sibrand, Erfolgreich investieren an der Börse,
Falken-Verlag, Niedernhausen 2001
Autoren:
Dr. Jens-Christian Posselt
Partner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner, Hamburg
jens-christian.posselt@bdp-team.de
Dr. Alf-Sibrand Rühle
ruehle@hydrogeit.de
Buchautor im Hydrogeit Verlag, www.hydrogeit-verlag.de
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