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Die Reize von Anleihen

Fachbericht | Wörter: 1360 | Aufrufe: 9731 | Druckbare Version

Der Finanzbedarf im Erneuerbare-Energien-Sektor wird seit geraumer Zeit immer weniger durch Fremdkapital von Banken, sondern verstärkt durch Eigenkapital oder entsprechende Finanzierungsformen gedeckt. Diese Entwicklung wird durch das restriktivere Vorgehen der Banken bei der Vergabe von Krediten noch begünstigt. Außerdem zeigen private Anleger derzeit eine höhere Bereitschaft, in Unternehmen zu investieren. So genannte Anleihen sind deshalb von zunehmendem Interesse für Unternehmen, weil die Finanzmittel als Eigenkapital behandelt werden. Und eine hohe Eigenkapitalquote erleichtert die Erteilung von Bankkrediten.

Hohe Rendite mit grünen Anlagen Der Finanzbedarf im Erneuerbare-Energien-Sektor wird seit geraumer Zeit immer weniger durch Fremdkapital von Banken, sondern verstärkt durch Eigenkapital oder entsprechende Finanzierungsformen gedeckt. Diese Entwicklung wird durch das restriktivere Vorgehen der Banken bei der Vergabe von Krediten noch begünstigt. Außerdem zeigen private Anleger derzeit eine höhere Bereitschaft, in Unternehmen zu investieren. So genannte Anleihen sind deshalb von zunehmendem Interesse für Unternehmen, weil die Finanzmittel als Eigenkapital behandelt werden. Und eine hohe Eigenkapitalquote erleichtert die Erteilung von Bankkrediten.

Was sind Unternehmensanleihen?
Unternehmensanleihen sind in der Regel Inhaber-Teilschuldverschreibungen mit einem festen Zinssatz und einem festen Rückzahlungstermin. Es handelt sich um Wertpapiere, die den Vorteil bieten, depot- und börsenfähig zu sein. Beides erleichtert die Platzierung, denn allein schon die Depotfähigkeit bewirkt, dass der Anleger ein sicheres Gefühl bei dieser Anlage hat, findet er sie doch zusammen mit seinen anderen Wertpapieren auf dem Depotauszug seiner Bank wieder. Wenn ferner die Anleihe an einer Börse (im Freiverkehr) gelistet oder zur amtlichen Notierung angemeldet wird, kann sie der Anleger auch vor Ablauf der Laufzeit veräußern.(Bildquelle: B. Jermer).

Bis vor einigen Jahren waren Unternehmensanleihen ausschließlich großen Unternehmen vorbehalten. Mittlerweile hat sich auch ein Markt für Small Cap-Unternehmensanleihen gebildet. Ab einem Mindestvolumen von etwa 5 Mio. Euro kann ein Unternehmen selbst eine Anleihe emittieren und somit auf dem Kapitalmarkt Geld akquirieren. Hierzu ist es nicht erforderlich, dass der Emittent selbst börsennotiert oder eine Aktiengesellschaft ist. Eine Anleihe kann auch von einer GmbH oder einer Personengesellschaft vergeben und zur Börsennotierung beziehungsweise zum Listing an einer Börse angemeldet werden. Den Inhabern dieser Anleihe stehen dann Miteigentumsanteile an der verbrieften Globalurkunde zu, die übertragen und in ein Depot gebucht werden können.

Die Anleihebedingungen sind grundsätzlich frei vom emittierenden Unternehmen bestimmbar, müssen sich aber natürlich nach den marktüblichen Gegebenheiten richten. Gut platzierbare Anleihen weisen in der Regel folgende Eigenschaften auf:

  • Ausgabe- und Rückzahlungspreis: 100 %
  • Mindeststückelung: 100 Euro
  • Laufzeit: 5 bis 8 Jahre
  • attraktiver Zinssatz, der deutlich über der aktuellen Umlaufrendite liegt
  • Zinszahlungen halbjährlich
  • Börse: zumindest Listing im Freiverkehr
  • Bonität des Emittenten

Ein Investment-Grade ist zwar bei einer Eigenemission kein unabdingbares Kriterium, aber letztendlich setzt der Markt die Grenzen einer Platzierungsfähigkeit. Nur wenn die eingeschalteten Vertriebe und letztendlich die Anleger selbst überzeugt werden können, dass das Unternehmen den Kapitaldienst und die Rückzahlung der Anleihe gewährleisten kann, wird eine Platzierung erfolgreich durchgeführt werden können.

Schritt für Schritt
Eine Unternehmensanleihe, die an der Börse gelistet werden soll, wird in folgenden Projektphasen konzipiert:

  • Due Diligence: ca. 2 – 3 Wochen (ausführliche Prüfung aller relevanten Daten)
  • Prospekterstellung: ca. 4 – 6 Wochen
  • Genehmigung des Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): ca. 8 – 10 Wochen
  • Vertrieb (an Einzelinvestoren oder institutionelle Anleger): ca. 2 – 3 Monate

Die finanziellen Aufwendungen einer solchen Unternehmensanleihe lassen sich nicht pauschal beziffern. In der Regel fallen Kosten an für die unabdingbare Due Diligence vor Durchführung einer Kapitalmaßnahme, für die Emissionsberatung (1,5 bis 2 % des platzierten Volumens), Vertriebskosten, Prospektdruck, BaFin-Prüfung sowie für die Listung bei einer Wertpapierbörse.

Risiken bei Ausgabe und Zeichnung
Der Investor wird zum Gläubiger des Unternehmens und hat am Ende der vereinbarten Laufzeit Anspruch auf die vollständige Rückzahlung seines Kapitals. Außerdem stehen ihm die vereinbarten Zinszahlungen zu. Er kann also Jahr für Jahr mit einem festen Zinseinkommen rechnen, dessen Höhe - anders als die Dividendenzahlung bei Aktien - nicht vom Erfolg des Unternehmens abhängig, sondern von vornherein fest vereinbart ist. Börsianer sprechen deshalb auch von Rentenwerten, weil die Zinseinkünfte für den Anleiheninhaber als regelmäßiges Zusatzeinkommen im Voraus kalkulierbar sind.

Auch im Bereich der erneuerbaren Energien werden Anleihen angeboten. Dabei handelt es sich vorwiegend um die Finanzierung von Windparks, solarthermischen Kraftwerken und Bioenergieanlagen. Etliche davon versprechen verlockend hohe Verzinsungen; deutlich höher als konventionelle Sparformen sie zurzeit zu bieten vermögen. Von 6,75 %, 7,25 %, ja sogar 8 % und mehr ist da die Rede. Da kann das gute alte Sparbuch längst nicht mehr mithalten.

Häufig suggeriert die Werbung für den Kauf solcher Anleihen, dass der Erwerb nahezu risikolos sei. Es wird gerne betont, es bestehe „kein Börsenkursrisiko". Doch bedeutet das wirklich, dass man bedenkenlos investieren kann?

Das Börsenkursrisiko entfällt, wenn die Unternehmensanleihe, wie es häufig der Fall ist, überhaupt nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt vom Emittenten vertrieben wird. Aber das hat auch Nachteile: Während bei börsennotierten Werten regelmäßig eine Kursfeststellung erfolgt und sie zu diesen Kursen jederzeit gekauft beziehungsweise verkauft werden können, existiert für nicht börsennotierte Wertpapiere meist kein regelmäßiger liquider Markt. Sollte man sich also vor Ende der Laufzeit von seiner Anleihe trennen wollen, findet man nicht jederzeit auf Anhieb einen Käufer. In manchen Fällen ist eine Veräußerung vor Ende der Laufzeit sogar ausgeschlossen oder von der Zustimmung des Emittenten abhängig. Die freie Übertragbarkeit sollte vor dem Erwerb also genau geprüft werden.

Das eigene Urteil zählt
Gibt eine Bank einen Kredit, so verlangt sie Sicherheiten. Diese Möglichkeit hat der Anleihekäufer nicht. Er muss der Politik des Unternehmens, deren Anleihe er erwirbt, Vertrauen schenken. Da ein Anleihekäufer im Gegensatz zum Aktionär allerdings kein Miteigentum am Unternehmen erwirbt, hat er auch kein Mitspracherecht, kein Stimm- und Auskunftsrecht bei der Hauptversammlung, was aus Sicht des Unternehmens nicht unbedingt von Nachteil ist.

Der Anleger muss also selbst herausfinden, ob die offerierten Produkte seriös und gewinnversprechend sind. Eine Einschätzung, die umso schwerer fällt, wenn es sich um einen Direktvertrieb handelt, so dass die Prüfung und Beratung durch die Hausbank entfällt.

Um die Seriosität einschätzen zu können, sollte zunächst nach Referenzen gefragt werden: Wie lange ist der Emittent schon tätig? Sind bisherige Anleihen pünktlich und in vollem Umfang zurückgezahlt worden? Im Emissionsprospekt, den man genau studieren sollte, sind außerdem definierte juristische Erfordernisse festgehalten, darunter auch Aussagen zum Risiko der jeweiligen Anlage.

Eine gute Hilfe können auch so genannte Bonitätsratings sein. Unabhängige Prüfungsgesellschaften prüfen und benoten die Bonität, also die Zahlungsfähigkeit und -moral von Wertpapieremittenten, Branchen, Regionen, ja sogar von ganzen Nationen. Zu den weltweit bekanntesten Rating-Agenturen gehören Moodys sowie Standard&Poor's. Ein gutes Rating hilft Zinsen sparen. Deshalb lassen viele Emittenten auf eigene Initiative ein Rating über sich erstellen und stellen das Ergebnis potenziellen Anlegern zur Verfügung.

Ferner ist zu prüfen, ob die vorgesehene Verwendung des Kapitals durch den Emittenten technisch und wirtschaftlich plausibel ist. Oft werden neben Broschüren und Gutachten auch Veranstaltungen mit vertiefenden Informationen von Branchenfachleuten angeboten. Diese Möglichkeit sollte man nutzen, um sich ein Bild zu machen.

Zu prüfen ist auch, ob politische Veränderungen die kalkulierte Rentabilität des Vorhabens gefährden könnten. So ist es zum Beispiel möglich, dass für den Bau von Kraftwerken Baugenehmigungen und/oder Fördergelder zugesagt worden sind, die im Falle eines Regierungswechsels wegfallen oder teilweise zurückgezogen werden könnten. Ebenso verhält es sich mit politisch festgesetzten Einspeisequoten und/oder -vergütungen für regenerativ erzeugte Energie. Unsichere politische Verhältnisse können auf diese Weise leicht die der Kalkulation zugrunde liegenden Rentabilitätsaussichten zunichte machen.

Kluge Investoren setzen daher nie alles auf eine Karte, sondern streuen und minimieren so das Risiko. Finanzfachleute nennen das Diversifikation. Das gilt für den einzelnen Anleger ebenso wie für die Investmentpolitik von Kapitalgesellschaften. Ein eventueller Totalausfall bei einem der Projekte kann durch andere, geglückte Engagements kompensiert werden. Diese Strategie der Diversifikation haben etliche Ökoenergie-Rentenfonds perfektioniert, indem sie für ihre Anteilseigner in eine Vielzahl verschiedener Anleihen investieren. Die so erzielte Risikostreuung kommt allen Anteilseignern zugute. Etliche solcher Fondsanteil

e können auch über die Hausbank erworben werden.

Augen auf
Generell gilt am Finanzmarkt: Je höher das Risiko, desto höher müssen die Zinsen ausfallen. Die regelmäßige Zahlung hoher Zinsen ist aber leider kein Garant für die Seriosität. Viele Anleger vertrauen darauf, dass, wer hohe Zinsen ausschütten kann, auch gute Geschäfte gemacht haben muss. Die Zahlung hoher Zinsen ist jedoch überhaupt kein Problem, sofern die Anzahl neu hinzukommender Anleger ständig steigt. Dann können mit neu zufließendem Kapital die Zinsen der Alteigentümer problemlos befriedigt werden. Im ungünstigsten Fall besteht die Tätigkeit eines solchen Emittenten nicht wirklich in der Investition in Energieprojekte, sondern in der permanenten Ausweitung seiner Vertriebsaktivitäten. Steigt die Zahl neuer Anleihekäufer nicht mehr an, kommt so ein Schneeballsystem abrupt zum Erliegen.(Bildquelle: B. Jermer)

Für Unternehmen wie für Anleger gilt also auch in diesem Bereich: „Augen auf!”

Quellen:
Bundesumweltministerium (Hrsg.), Mehr Wert: ökologische Geldanlagen, Berlin 2000
Bundesumweltministerium (Hrsg.), Green Finance – Umweltmanagement in Banken, Sparkassen und Versicherungen, Berlin o.J.
Murphy&Spitz Umwelt Consult (Hrsg.), Green Capital – umwelt- & sozialverträgliche Geldanlage, Bonn 2003
Rühle, Alf-Sibrand, Erfolgreich investieren an der Börse, Falken-Verlag, Niedernhausen 2001

Autoren:
Dr. Jens-Christian Posselt
Partner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner, Hamburg
jens-christian.posselt@bdp-team.de

Dr. Alf-Sibrand Rühle
ruehle@hydrogeit.de
Buchautor im Hydrogeit Verlag, www.hydrogeit-verlag.de

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