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Energiesparen beim Bau oder der Sanierung von Wohnraum - wichtiger denn je

Fachbericht | Wörter: 1586 | Aufrufe: 7909 | Druckbare Version

Sowohl beim Neubau von Wohngebäuden als auch bei der Sanierung von Altbauten sind insofern viele verschiedene Kriterien zur Optimierung des Energiebedarfs zu berücksichtigen.

Auch wenn die Umsetzung neuester Energiestandards hohe Investitionen erfordert, lohnen sich diese langfristig - insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass viele Eigentümer planen, ihre Immobilie als spätere Altersabsicherung zu nutzen. Wer möchte im Alter schon von einer hohen Heizkostenabrechnung überrascht werden?

Doch wofür stehen die verschiedenen Fachwörter, worauf hat man beim Bau, Kauf oder bei der Anmietung einer Immobilie zu achten und wie kann man als Bewohner Energie einsparen?

Mit fast 90 % stellen Raumwärme und Warmwasser den größten Posten des Energiebedarfs eines deutschen Durchschnittshaushalt dar, wobei die Raumwärme mit 75 % den deutlich größeren Anteil ausmacht. Insofern konzentrieren sich die Maßnahmen zur Optimierung des Energiebedarfs insbesondere auf diesen Bereich.

Das Niedrigenergiehaus

Seit Inkrafttreten der Energieeinspar-Verodnung (EnEV) am 01.02.2002 bzw. der Novelle am 01.10.2007 verpflichtet der Gesetzgeber Eigentümer von Wohngebäuden, einen Niedrigenergie-Mindeststandard zu erfüllen. Ein Haus, welches diesem Standard entspricht, hat einen Bedarf an Heizwärme pro Jahr und pro Quadratmeter Nutzfläche von 40 bis 70 Kilowattstunden – dies entspricht 4 bis 7 Litern Heizöl pro qm pro Jahr – oder einer dementsprechenden Menge an Gas oder Heizöl - im Gegensatz dazu werden in einem Altbau durchaus 15 Liter Heizöl pro qm und mehr verbraucht. entsprechen

Darüber hinaus verpflichtet die EnEV bereits seit 2002 die Eigentümer von Neubauten und sanierten Altbauten, Kauf- oder Mietinteressenten von Immobilien auf Verlangen einen Energiebedarfsausweis zugänglich zu machen. Dies gilt ab dem 01.07.2008 auch für Wohngebäude, deren Fertigstellung bis zum Jahr 1965 abgeschlossen wurde, ab dem 01.07.2009 auch für Wohngebäude älteren Datums und ab dem 01.07.2009 für Nichtwohngebäude. Dies bietet Ihnen also im Falle des Kaufs oder der Anmietung einer Immobilie eine größere Transparenz und die Möglichkeit, sich im Vorfeld über die zu erwartenden Heizkosten zu informieren.

Die größte Rolle beim Bau eines Niedrigenergiehauses spielt neben einer effizienten Technik zur Erzeugung der Wärme und der Nutzung erneuerbarer Energietechniken, die Minimierung der Wärmeverluste. Diese wird durch mehrere Kriterien erzielt:

1.Wärmedämmung

Eine optimierte Wärmedämmung der Gebäudehülle (Fenster, Bodenplatte, Kellerwände, Kellerdecken, Fenster und Außenwände) garantiert die Reduzierung von Wärmeverlusten. Werden Baumaterialien wie Glas, Stahl und Beton verwendet, welche die Wärme gut leiten, so ist eine Wärmedämmung dringend erforderlich. Dämmstoffe, also schlecht wärmeleitende Materialien wie z. B. Schaumglas, Glaswolle, Holzwolle, Mineralwolle oder geschäumte Kunsstoffe werden eingesetzt, um zu verhindern, dass die Wände im Sommer die Wärme nach innen, und im Winter nach außen leiten. Darüber hinaus minimiert die Verwendung von Wärmedämmverglasungen die Wärmeverluste.

Eine optimierte Wärmedämmung gewährleistet eine Luftdichtigkeit der Fugen an Fenstern, Türen und Kabelkanälen. Aufschluss über die Dichtigkeit einer Gebäudehülle bietet das Blower-Door-Test-Verfahren – mit Hilfe dieses Verfahrens wird gemessen, wie viel Luft bei geschlossenen Fenstern und Türen in das Haus eindringen kann.

2.Form und Aufteilung des Gebäudes

Auch die Architektur bildet ein wichtiges Kriterium in der Planung eines Niedrigenergiehauses. So geht man bei einem würfelförmigen Gebäude von einem geringeren Energieverbrauch als bei einem gleich großen Gebäude mit Dachgauben oder Erkern aus. Es gilt also: Je größer die Oberfläche, desto höher die Wärmeverluste. Ebenso wichtig ist es, wenig bzw. gar nicht geheizte Räume, also z. B. Schlafzimmer und Treppenhäuser an die Nordseite zu legen und durch Türen von den Räumen mit einem höheren Temperaturniveau abzutrennen. Aufenthaltsräume wie z. B. Wohnzimmer sollten an der Südseite des Gebäudes platziert werden. Um häufig genutzte Wege zwischen den beheizten Räumen, wie z. B. von Küche zu den sanitären Bereichen, kurz zu halten, sollten diese nahe bei einander liegen.

3.Vermeidung von Wärmebrücken

Beim Bau eines Niedrigenergiehauses sind Wärmebrücken zu vermeiden: Hierbei handelt es sich um Bereiche in einem Gebäude, aus denen die Wärme schneller von innen nach außen geleitet wird als in angrenzenden Gebäudeteilen, was neben Wärmeverlusten auch eine Feuchtigkeitsbildung durch Kondensierung und anschließende Schimmelbildung begünstigt. Dies ist z. B. bei nicht gedämmten Fugen oder ungedämmten Stahlbetonstützen in einem wärmegedämmeten Mauerwerk der Fall.

Das 3-Liter-Haus
Bei einem Niedrigenergiehaus, welches einen Jahresbedarf an Heizwärme von etwa 30 KwH, also 3 Litern Heizöl pro qm hat, spricht man von einem 3-Liter-Haus.

Das Passivhaus
Als Passivhaus wird ein Gebäude mit einem hoch entwickelten Niedrigenergiehaus-Standard bezeichnet, das einen jährlichen Bedarf an Heizwärme von weniger als 15 KwH pro Jahr und pro Quadratmeter hat. Bei einem solchen Haus wird der Wärmbedarf so weit reduziert, dass die Temperierung des Gebäudes allein durch eine optimale Wärmedämmung in Verbindung mit einem innovativen Be- und Entlüftungsgerät, das die Wärme, die von den Personen im Haus sowie den genutzten Haushaltsgeräten, Computern und Leuchten ausgeht, filtert und dem Gebäude in Form von Raumwärme bzw. Erwärmung des Brauchwassers wieder zuführt. Ein etwaiger noch nicht gedeckter Bedarf an Raumwärme oder Warmwasser wird durch die zusätzliche Nutzung von Sonnenenergie gedeckt. Das Zuführen von Frischluft ist in einem Passivhaus unnötig bzw. kontraproduktiv, da die kontrollierte Ent- und Belüftung einen ständigen Luftaustausch gewährleistet.

Das Nullenergiehaus/ das Plusenergiehaus
Als konsequente Weiterentwicklung eines Passivhauses gilt das Nullenergiehaus, welches sämtliche benötigte Energie selbst erzeugt, also einen Bedarf an Heizwärme von 0 KwH pro Jahr und pro Quadratmeter hat, bzw. das Plusenergiehaus (geschützte Marke des Architekten Ralf Disch), das aufgrund eines hohen Passivhaus-Standards, neben der Nutzung verschiedener erneuerbarer Energietechniken, einen Energiegewinn generiert.

Das KfW40/ KfW60 Energiesparhaus
Durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden im Rahmen eines Förderprogrammes Häuser, deren Jahres-Primärenergiebedarf nicht mehr als 40 kWh pro qm Nutzfläche (KfW 40) bzw. 60 kWh pro qm (KfW60) beträgt, in Form von zinsgünstigen Krediten staatlich gefördert. Darüber hinaus muss bei einem Haus, welches dem KfW 40 Standard entspricht, eine weitere Voraussetzung erfüllt werden: Der Transmissionswärmeverlust (Wärmedurchgang durch die Gebäudehülle) darf die in der EnEV vorgegebene Maximalgrenze um nicht weniger als 30 % unterschreiten, bei einem KfW 60 Haus um mindestens 45 %.

Wie kann ich als Bewohner Heizkosten sparen?
Unabhängig von der Energieeffizienz eines Gebäudes kann auch ein gewissenhafter Bewohner für geringere Heizkosten sorgen.

  • Oftmals reicht bereits das Tragen von lang- statt kurzärmeligen Kleidungsstücken aus, um die Temperatur im Wohnbereich reduzieren zu können – eine Wohntemperatur von 20 Grad tagsüber und 16 Grad nachts ist optimal. Kaum zu glauben aber wahr: Mit jedem Grad weniger Raumtemperatur kann eine Heizkostenersparnis von ca. 6 % erzielt werden.
  • Türen zu kälteren Zimmern, also z. B. Schlafzimmern, die in der Regel auch tagsüber nicht unbedingt geheizt werden müssen, sollten geschlossen gehalten werden.
  • Keinesfalls kann auf regelmäßiges Lüften verzichet werden – nicht nur das Kochen, Backen, Duschen und Waschen erzeugt Feuchtigkeit – auch die Bewohner geben Feuchtigkeit an das Raumklima ab. Die optimale Raumfeuchte liegt dabei zwischen 40 und 50 %. Die Raumluft muss somit spätestens alle 3 Stunden vollständig und schnell ausgetauscht werden. Eine Lüftung durch Kippstellung des Fensters über mehrere Stunden ist dabei jedoch denkbar ungeeignet: Sie erzielt nicht nur einen nur geringen Luftaustausch – es wird anschließend auch häufig vergessen, das Fenster wieder zu schließen, so dass der Raum zu weit heruntergekühlt wird und angrenzende Räume ebenfalls auskühlen. Am effektivsten ist somit die Stoßlüftung: Die Heizung wird im Sommer für etwa 20 Minuten, im Winter für 3-5 Minuten herunter gedreht, in dieser Zeit werden die Fenster weit geöffnet. Wenn Durchzug herrscht, erfolgt ein noch schnellerer Luftaustausch. Dank des kurzen Lüftvorgangs ist der Wärmeverlust eher gering, der Raum w
    ird anschließend schnell wieder warm.
    Es sollte darauf geachtet werden, dass alle Heizkörper frei stehen, so dass die Luft zirkulieren und den Raum optimal wärmen kann.
Auch im Brauchwasserbereich gibt es Einsparpotenziale:
  • Verzichten Sie auf Vollbäder, duschen Sie stattdessen.
  • Durch die Benutzung wassersparender Armaturen (z. B. Einhebelmischbatterien zur besseren Temperierung des Wassers oder auch wassersparender Einsätze am Wasserhahn oder Duschkopf) lassen sich bei gewohntem Komfort erhebliche Einsparungen erreichen.
  • Lassen Sie tropfende Wasserhähne schnell reparieren.
  • Rüsten Sie den Spülkasten Ihrer Toilette mit einer Spartaste aus.
  • Spülen Sie Ihr Geschirr grundsätzlich nicht unter laufendem Wasser, sondern in einem befüllten Spülbecken. Eine Geschirrspülmaschine, sofern ihr Fassungsvermögen ausgefüllt ist, verbraucht sogar noch weniger Energie als das Spülen mit der Hand.
  • Lassen Sie Wasser grundsätzlich nicht unnötig laufen: Wer es gewohnt ist, sich bei laufendem Wasser die Zähne zu putzen oder zu rasieren, lässt schon innerhalb eines 3-minütigen Putz-/ Rasiervorgangs bis zu 25 Liter kostbares Trinkwasser ungenutzt in den Abfluss rinnen.
  • Nutzen Sie zur Bewässerung von Pflanzen Regen- oder Kochwasser.


Bericht vom 09.01.2008

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