
Energiesparen Bau oder der Sanierung Wohnraum - wichtiger denn jeEnergiesparen beim Bau oder der Sanierung von Wohnraum - wichtiger denn je(1760 Wörter in diesem Text, 5209 mal gelesen) 
Sowohl beim Neubau von Wohngebäuden als auch bei der
Sanierung von Altbauten sind insofern viele verschiedene
Kriterien zur Optimierung des Energiebedarfs zu berücksichtigen.
Auch wenn die Umsetzung neuester Energiestandards hohe
Investitionen erfordert, lohnen sich diese langfristig -
insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass viele Eigentümer
planen, ihre Immobilie als spätere Altersabsicherung zu nutzen.
Wer möchte im Alter schon von einer hohen Heizkostenabrechnung
überrascht werden?
Doch wofür stehen die verschiedenen Fachwörter, worauf hat man
beim Bau, Kauf oder bei der Anmietung einer Immobilie zu achten
und wie kann man als Bewohner Energie einsparen?
Mit fast 90 % stellen Raumwärme und Warmwasser den größten
Posten des Energiebedarfs eines deutschen Durchschnittshaushalt
dar, wobei die Raumwärme mit 75 % den deutlich größeren Anteil
ausmacht. Insofern konzentrieren sich die Maßnahmen zur
Optimierung des Energiebedarfs insbesondere auf diesen Bereich.
Das Niedrigenergiehaus
Seit Inkrafttreten der Energieeinspar-Verodnung (EnEV) am
01.02.2002 bzw. der Novelle am 01.10.2007 verpflichtet der
Gesetzgeber Eigentümer von Wohngebäuden, einen
Niedrigenergie-Mindeststandard zu erfüllen. Ein Haus, welches
diesem Standard entspricht, hat einen Bedarf an Heizwärme pro
Jahr und pro Quadratmeter Nutzfläche von 40 bis 70
Kilowattstunden – dies entspricht 4 bis 7 Litern Heizöl pro
qm pro Jahr – oder einer dementsprechenden Menge an Gas oder
Heizöl - im Gegensatz dazu werden in einem Altbau durchaus 15
Liter Heizöl pro qm und mehr verbraucht. entsprechen
Darüber hinaus verpflichtet die EnEV bereits seit 2002 die
Eigentümer von Neubauten und sanierten Altbauten, Kauf- oder
Mietinteressenten von Immobilien auf Verlangen einen
Energiebedarfsausweis zugänglich zu machen. Dies gilt ab dem
01.07.2008 auch für Wohngebäude, deren Fertigstellung bis zum
Jahr 1965 abgeschlossen wurde, ab dem 01.07.2009 auch für
Wohngebäude älteren Datums und ab dem 01.07.2009 für
Nichtwohngebäude. Dies bietet Ihnen also im Falle des Kaufs oder
der Anmietung einer Immobilie eine größere Transparenz und die
Möglichkeit, sich im Vorfeld über die zu erwartenden Heizkosten
zu informieren.
Die größte Rolle beim Bau eines Niedrigenergiehauses spielt
neben einer effizienten Technik zur Erzeugung der Wärme und der
Nutzung erneuerbarer Energietechniken, die Minimierung der
Wärmeverluste. Diese wird durch mehrere Kriterien erzielt:
1.Wärmedämmung
Eine optimierte Wärmedämmung der Gebäudehülle (Fenster,
Bodenplatte, Kellerwände, Kellerdecken, Fenster und
Außenwände) garantiert die Reduzierung von Wärmeverlusten.
Werden Baumaterialien wie Glas, Stahl und Beton verwendet, welche
die Wärme gut leiten, so ist eine Wärmedämmung dringend
erforderlich. Dämmstoffe, also schlecht wärmeleitende
Materialien wie z. B. Schaumglas, Glaswolle, Holzwolle,
Mineralwolle oder geschäumte Kunsstoffe werden eingesetzt, um zu
verhindern, dass die Wände im Sommer die Wärme nach innen, und
im Winter nach außen leiten. Darüber hinaus minimiert die
Verwendung von Wärmedämmverglasungen die Wärmeverluste.
Eine optimierte Wärmedämmung gewährleistet eine
Luftdichtigkeit der Fugen an Fenstern, Türen und Kabelkanälen.
Aufschluss über die Dichtigkeit einer Gebäudehülle bietet das
Blower-Door-Test-Verfahren – mit Hilfe dieses Verfahrens
wird gemessen, wie viel Luft bei geschlossenen Fenstern und
Türen in das Haus eindringen kann.
2.Form und Aufteilung des Gebäudes
Auch die Architektur bildet ein wichtiges Kriterium in der
Planung eines Niedrigenergiehauses. So geht man bei einem
würfelförmigen Gebäude von einem geringeren Energieverbrauch
als bei einem gleich großen Gebäude mit Dachgauben oder Erkern
aus. Es gilt also: Je größer die Oberfläche, desto höher die
Wärmeverluste. Ebenso wichtig ist es, wenig bzw. gar nicht
geheizte Räume, also z. B. Schlafzimmer und Treppenhäuser an
die Nordseite zu legen und durch Türen von den Räumen mit einem
höheren Temperaturniveau abzutrennen. Aufenthaltsräume wie z.
B. Wohnzimmer sollten an der Südseite des Gebäudes platziert
werden. Um häufig genutzte Wege zwischen den beheizten Räumen,
wie z. B. von Küche zu den sanitären Bereichen, kurz zu halten,
sollten diese nahe bei einander liegen.
3.Vermeidung von Wärmebrücken
Beim Bau eines Niedrigenergiehauses sind Wärmebrücken zu
vermeiden: Hierbei handelt es sich um Bereiche in einem Gebäude,
aus denen die Wärme schneller von innen nach außen geleitet
wird als in angrenzenden Gebäudeteilen, was neben
Wärmeverlusten auch eine Feuchtigkeitsbildung durch
Kondensierung und anschließende Schimmelbildung begünstigt.
Dies ist z. B. bei nicht gedämmten Fugen oder ungedämmten
Stahlbetonstützen in einem wärmegedämmeten Mauerwerk der Fall.
Das 3-Liter-Haus
Bei einem Niedrigenergiehaus, welches einen Jahresbedarf an
Heizwärme von etwa 30 KwH, also 3 Litern Heizöl pro qm hat,
spricht man von einem 3-Liter-Haus.
Das Passivhaus
Als Passivhaus wird ein Gebäude mit einem hoch entwickelten
Niedrigenergiehaus-Standard bezeichnet, das einen jährlichen
Bedarf an Heizwärme von weniger als 15 KwH pro Jahr und pro
Quadratmeter hat. Bei einem solchen Haus wird der Wärmbedarf so
weit reduziert, dass die Temperierung des Gebäudes allein durch
eine optimale Wärmedämmung in Verbindung mit einem innovativen
Be- und Entlüftungsgerät, das die Wärme, die von den Personen
im Haus sowie den genutzten Haushaltsgeräten, Computern und
Leuchten ausgeht, filtert und dem Gebäude in Form von Raumwärme
bzw. Erwärmung des Brauchwassers wieder zuführt. Ein etwaiger
noch nicht gedeckter Bedarf an Raumwärme oder Warmwasser wird
durch die zusätzliche Nutzung von Sonnenenergie gedeckt. Das
Zuführen von Frischluft ist in einem Passivhaus unnötig bzw.
kontraproduktiv, da die kontrollierte Ent- und Belüftung einen
ständigen Luftaustausch gewährleistet.
Das Nullenergiehaus/ das Plusenergiehaus
Als konsequente Weiterentwicklung eines Passivhauses gilt das
Nullenergiehaus, welches sämtliche benötigte Energie selbst
erzeugt, also einen Bedarf an Heizwärme von 0 KwH pro Jahr und
pro Quadratmeter hat, bzw. das Plusenergiehaus (geschützte Marke
des Architekten Ralf Disch), das aufgrund eines hohen
Passivhaus-Standards, neben der Nutzung verschiedener
erneuerbarer Energietechniken, einen Energiegewinn generiert.
Das KfW40/ KfW60 Energiesparhaus
Durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden im Rahmen
eines Förderprogrammes Häuser, deren
Jahres-Primärenergiebedarf nicht mehr als 40 kWh pro qm
Nutzfläche (KfW 40) bzw. 60 kWh pro qm (KfW60) beträgt, in Form
von zinsgünstigen Krediten staatlich gefördert. Darüber hinaus
muss bei einem Haus, welches dem KfW 40 Standard entspricht, eine
weitere Voraussetzung erfüllt werden: Der
Transmissionswärmeverlust (Wärmedurchgang durch die
Gebäudehülle) darf die in der EnEV vorgegebene Maximalgrenze um
nicht weniger als 30 % unterschreiten, bei einem KfW 60 Haus um
mindestens 45 %.
Wie kann ich als Bewohner Heizkosten sparen?
Unabhängig von der Energieeffizienz eines Gebäudes kann auch
ein gewissenhafter Bewohner für geringere Heizkosten sorgen.
- Oftmals reicht bereits das Tragen von lang- statt
kurzärmeligen Kleidungsstücken aus, um die Temperatur
im Wohnbereich reduzieren zu können – eine
Wohntemperatur von 20 Grad tagsüber und 16 Grad nachts
ist optimal. Kaum zu glauben aber wahr: Mit jedem Grad
weniger Raumtemperatur kann eine Heizkostenersparnis von
ca. 6 % erzielt werden.
- Türen zu kälteren Zimmern, also z. B. Schlafzimmern,
die in der Regel auch tagsüber nicht unbedingt geheizt
werden müssen, sollten geschlossen gehalten werden.
- Keinesfalls kann auf regelmäßiges Lüften verzichet
werden – nicht nur das Kochen, Backen, Duschen und
Waschen erzeugt Feuchtigkeit – auch die Bewohner
geben Feuchtigkeit an das Raumklima ab. Die optimale
Raumfeuchte liegt dabei zwischen 40 und 50 %. Die
Raumluft muss somit spätestens alle 3 Stunden
vollständig und schnell ausgetauscht werden. Eine
Lüftung durch Kippstellung des Fensters über mehrere
Stunden ist dabei jedoch denkbar ungeeignet: Sie erzielt
nicht nur einen nur geringen Luftaustausch – es wird
anschließend auch häufig vergessen, das Fenster wieder
zu schließen, so dass der Raum zu weit heruntergekühlt
wird und angrenzende Räume ebenfalls auskühlen. Am
effektivsten ist somit die Stoßlüftung: Die Heizung
wird im Sommer für etwa 20 Minuten, im Winter für 3-5
Minuten herunter gedreht, in dieser Zeit werden die
Fenster weit geöffnet. Wenn Durchzug herrscht, erfolgt
ein noch schnellerer Luftaustausch. Dank des kurzen
Lüftvorgangs ist der Wärmeverlust eher gering, der Raum
wird anschließend schnell wieder warm.
Es sollte darauf geachtet werden, dass alle Heizkörper
frei stehen, so dass die Luft zirkulieren und den Raum
optimal wärmen kann.
Auch im Brauchwasserbereich gibt es Einsparpotenziale:
- Verzichten Sie auf Vollbäder, duschen Sie stattdessen.
- Durch die Benutzung wassersparender Armaturen (z. B.
Einhebelmischbatterien zur besseren Temperierung des
Wassers oder auch wassersparender Einsätze am Wasserhahn
oder Duschkopf) lassen sich bei gewohntem Komfort
erhebliche Einsparungen erreichen.
- Lassen Sie tropfende Wasserhähne schnell reparieren.
- Rüsten Sie den Spülkasten Ihrer Toilette mit einer
Spartaste aus.
- Spülen Sie Ihr Geschirr grundsätzlich nicht unter
laufendem Wasser, sondern in einem befüllten
Spülbecken. Eine Geschirrspülmaschine, sofern ihr
Fassungsvermögen ausgefüllt ist, verbraucht sogar noch
weniger Energie als das Spülen mit der Hand.
- Lassen Sie Wasser grundsätzlich nicht unnötig laufen:
Wer es gewohnt ist, sich bei laufendem Wasser die Zähne
zu putzen oder zu rasieren, lässt schon innerhalb eines
3-minütigen Putz-/ Rasiervorgangs bis zu 25 Liter
kostbares Trinkwasser ungenutzt in den Abfluss rinnen.
- Nutzen Sie zur Bewässerung von Pflanzen Regen- oder
Kochwasser.
Bericht vom 09.01.2008
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