Zum Inhalt springen

Gas macht mobil - Mit Propan im Urlaub

Fachbericht | Wörter: 724 | Aufrufe: 12736 | Druckbare Version

Gas macht mobil

Mit Propangas in den Urlaub

Gibt es einen Energieträger, mit dem man gleichzeitig Räume heizen, Essen kochen, Wasser erwärmen und zudem noch Lebensmittel kühlen kann? Und das auch weit ab von jeglichem fest installierten Versorgungsnetz? Ein derartiges Medium muss Energie dauerhaft speichern können, es muss darüber hinaus transportabel sein, über eine hohe Energiedichte verfügen und außerdem bezahlbar sein. Dies trifft alles zu auf: Propangas.

“Hymer-Exsis“
Foto: S. Geitmann

Aus diesen Gründen ist Propangas der heute favorisierte Energieträger für mobile Zwecke, sei es zu Wasser oder zu Land. Für die Fortbewegung sorgen zwar zumeist Benzin- oder Diesel-Kraftstoffe, aber bei der Bordenergieversorgung von Yachten und Reisemobilen hat sich Propan seit langen Jahren bewährt. Die leichte Handhabbarkeit des Flüssiggases hat insbesondere in der Camping-Branche zu einer weiten Verbreitung geführt.

Wohnmobile sind mittlerweile standardmäßig mit ein oder zwei Gasflaschen ausgerüstet. Elektrizität ist zwar energetisch betrachtet die höherwertigere Energieform, aber für Campingfreunde bietet sie nicht die gleichen Vorteile wie Gas. Viele Urlauber möchten in der Ferienzeit der Zivilisation entfliehen und streben an Orte, wo kein Stromnetz zur Verfügung steht. Für eine begrenzte Dauer stellen die Batterien auch ausreichend elektrische Energie zur Verfügung. Wenn der Aufenthalt an einem abgelegenen See aber länger als zwei oder drei Tage dauert, sind die Stromspeicher bald dem Ende nah – auch, wenn auf eine zweite oder dritte Wohnraumbatterie zurückgegriffen werden kann. Und sollte unvorsichtigerweise mal die Startbatterie als Stromlieferant mit herangezogen werden, ist im Bedarfsfall niemand vor Ort, um Starthilfe geben zu können.

Mit Propangas in den Urlaub

Propan kann dazu beitragen, den Wunsch nah mehr Unabhängigkeit ausleben zu können. Der Kohlenwasserstoff (C3H8) ist ein Allround-Talent. Dass man mit Gas heizen kann, ist weitestgehend bekannt, weil Stadtgas beziehungsweise Erdgas vielerorts die Kohle- und Ölheizung verdrängt hat. In Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins hat sich herumgesprochen, dass Gas sauberer und somit umweltfreundlicher verbrennt als seine fossilen Konkurrenten. Mit der Heizung einher geht auch die Warmwasseraufbereitung, die im Eigenheim ebenso über Gas geschehen kann wie im Wohnmobil.

Dass man mit Gas auch kochen kann, wissen die meisten Camper seit es Campingkocher gibt. Dennoch fällt vielfach die gedankliche Übertragung vom handlichen Taschenkocher zum fest installierten Gasherd schwer, weil die meisten Herde mit Stadtgas funktionieren. Flüssiggasbrenner kommen nur in Einzelfällen zum Einsatz, wenn weitab von einem Versorgungsnetz dennoch mit Gas gekocht werden soll. Dann holt man sich Propandüsen für seinen Herd nebst Gasflasche und Druckminderer und kann sich an der guten Regelbarkeit der Temperatur erfreuen, die Elektrokochern fremd ist. Oder man steigt in ein Wohnmobil.

Abb. 2: 3-Flammen-Gaskocher mit Spüle
“Dometic-Kocher“
Foto: Dometic

Propangas kann aber nicht nur wärmen, es kann auch kühlen. Das hört sich zwar zunächst merkwürdig an, ist aber möglich, das hat die Firma Elektrolux bereits im Jahr 1926 bewiesen: Indem Gas verbrannt wird, erhitzt sich ein Kühlmittel, das in einem Verdampfer den Aggregatzustand von flüssig zu dampfförmig ändert. Der Dampf gelangt in einen Kondensator, in dem der Kühlmitteldampf wieder verflüssigt wird. Beim diesem Kondensationsprozess wird der Umgebung Wärme entzogen. Befindet sich der Kondensator innerhalb eines Kühlschranks, kann dessen Innenraum mitsamt den darin enthaltenen Lebensmitteln gekühlt werden.

Dieses einfache Prinzip machen sich auch Wohnmobilisten zu Nutze, um so viele Aggregate wie möglich mit Gas betreiben zu können. Die Batterien werden dadurch entlastet und können mit ruhigem Gewissen für Beleuchtungszwecke oder zum Musikhören benutzt werden.

Mit Propangas in den Urlaub

Geht der Inhalt der Gasflaschen zur Neige, lassen sich diese problemlos wieder befüllen oder austauschen. Die gute Infrastruktur dieses Brennstoffes ist einer seiner großen Vorteile. Selbst in entlegenen Regionen lässt sich meist eine Tankstelle finden, die auch Flüssiggas verkauft. Die Bundesrepublik ist übersäht mit einem dichten Netz von Gasversorgungsunternehmen, die für Nachschub sorgen. Die Handhabung der gängigen 11-kg-Flaschen (ø = 30 cm, Höhe = 60 cm) ist zwar nicht immer einfach, schließlich beläuft sich deren Gesamtgewicht auf 22 Kilogramm (Tara-Gewicht: 10,9 kg), aber dafür haben sie auch einiges zu bieten. Da die Speicherung in flüssigem Zustand erfolgt, ist die Energiedichte relativ hoch, so dass eine Flasche problemlos den Herd eines 3-Personenhaushaltes für drei bis sechs Monate mit Energie versorgen kann. Und wer es leichter mag, kann auf kleinere Modelle ausweichen: 5-kg- oder 3-kg-Flasche mit elf beziehungsweise acht Kilogramm Gesamtgewicht sind ebenfalls erhältlich.

Abb. 3: 11-kg-Propangasflasche
“11-kg-Gasflasche“
Foto: S. Geitmann

Und das Anwendungsspektrum ist damit noch nicht einmal gänzlich ausgereizt. Auch Wäschetrockner können heutzutage mit Gas betrieben werden. Nur Schade, dass es bisher erst so weni

ge Wohnmobile mit Waschmaschine und Trockner gibt.

Autor: Dipl.-Ing. Sven Geitmann, Sept. 2006, Kremmen

Diesen Artikel empfehlen:




Vorheriger Bericht zum Thema Erdgas/ Flssiggas
Mit Flüssiggas abheben - Ballonfahren Mit Flüssiggas abheben - Ballonfahren
Nächster Bericht zum Thema Erdgas/ Flssiggas
Entscheidungshilfe für Heizungsmodernisierer Entscheidungshilfe für Heizungsmodernisierer