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Mit Flüssiggas abheben - Ballonfahren

Fachbericht | Wörter: 1188 | Aufrufe: 9174 | Druckbare Version

“Parachutes“
Foto: Sven Geitmann

Mit Flüssiggas abheben

Eine saubere Sache in ungeahnter Höhe – Ballonfahren

Mit einem überdimensionierten Luftballon durch die Luft schweben – das ist der Traum so mancher Kinder und auch vieler Erwachsener. Allein mit heißer Luft in zuvor ungeahnte Höhen emporsteigen und der Gravitation ein Schnippchen schlagen. Das wäre schön. Die Herren und Damen der Lüfte, die Ballonfahrer, kommen diesem Idealbild sehr nah, aber ganz ohne Hilfsmittel kommen auch sie nicht aus. Sie sind angewiesen auf einen Stoff, der die Luft erwärmt und um den es hier im Folgenden gehen soll: Propangas.

Die heutigen Heißluftballons fahren mit Hilfe von Propangas. Durch die Verbrennung dieser Kohlenwasserstoffverbindung wird Luft erwärmt. Diese steigt im Inneren der Stoffhülle auf und hebt den Ballon samt Korb empor. Aber wie sieht so eine Ballonfahrt im Einzelnen aus?

Der Wunsch des Menschen, fliegen zu wollen, lässt sich weit zurückverfolgen und war zunächst ein Weg vieler ambitionierter aber erfolgloser Versuche. Einer der ersten tatsächlich geglückten Versuche fand im Jahr 1783 statt. Den Brüdern Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier gelang zum ersten Mal eine Ballonfahrt – zunächst unbemannt, dann mit Hahn, Ente und Hammel und schließlich mit Menschen.

Abb. 1: Die ersten Ballons wurden in Anlehnung an den Luftfahrtpionier Joseph Montgolfier und seinen Bruder zunächst auch Montgolfieren genannt.
“Joseph-Montgolfier“
Quelle: Bröckelmann

Seitdem hat sich an der grundlegenden Konstruktion eines Heißluftballons kaum etwas geändert. Oben befindet sich ein riesiger Ballon. Die am häufigsten am Himmel zu erblickenden Modelle verfügen über ein Volumen von 3.000 bis 6.000 Kubikmeter. Früher war dessen Hülle noch aus Papier. Bei heutigen Sportballons wird stattdessen mit Polyurethan beschichtetes Nylon benutzt. Unten befindet sich nach wie vor ein geflochtener Weidenkorb. Und genau dazwischen brennt das Feuer, das für die notwendige heiße Luft sorgt. Früher verbrannte man hier Stroh und Schafswolle in einem offenen Feuer, heute gibt es TÜV-geprüfte Propanbrenner.

Die Gesamthöhe derartiger Sportballons beträgt 22 bis 30 Meter, das Gesamtgewicht etwa 500 bis 800 Kilogramm. Um dieses riesige Sportgerät in die Luft befördern zu können, wird ein Propanbrenner eingesetzt, der eine Leistung von rund 2.000 Kilowatt aufweist. Zur Sicherheit ist in der Regel noch ein zweiter Brenner vorhanden, falls der Eine wider Erwarten versagt. Mit deren Hilfe können insgesamt bis zu 1.200 Kilogramm angehoben werden. Aber wie bekommt man solch ein Monstrum in die Höhe?

Startvorgang mit Kaltluft

Bevor überhaupt an einen Start gedacht werden kann, muss geklärt werden, wann und wo der Aufstieg von statten gehen soll. Alles muss stimmen: Die Fläche muss ausreichend groß sein, das Wetter muss stimmen und das Equipment muss geprüft und hintransportiert worden sein. Erst dann geht es an den Aufbau: Vorbereiten des Korbes und Ausbreiten der Ballonhülle. Da nicht gleich mit Heißluft in die Hülle geblasen werden kann, wird der Ballon zunächst mit Kaltluft-Ventilatoren aufgebläht (s. Abb. 1). Erst wenn eine rundliche Form deutlich erkennbar ist, kommt der leistungsstarke Brenner zum Einsatz.

Der Brenner am noch liegenden Korb bläst heiße Luft in den Ballon, so dass sich dieser mehr und mehr aufrichtet, bis er schließlich aus eigener Kraft den Korb aufstellt. Erst jetzt können Passagiere einsteigen. Durch ordentliche Befeuerung hebt das Gefährt sanft ab.

Ab diesem Zeitpunkt ist der Freiballon – der so heißt, weil er freifliegend ist – allein auf die Luft angewiesen: warme Luft im Inneren für die Höhe und kalte Luft von der Seite für die Ferne. Weht kein Wind, kommt man an gleicher Stelle wieder runter. Bewegt sich hingegen die Luft, können innerhalb von ein bis zwei Stunden mehrere Kilometer zurückgelegt werden. Steuerungsversuche im kleinen Rahmen sind allerdings nur durch Höhenveränderungen möglich, indem andere Luftströmungen aufgesucht werden. Kleine Öffnungen an der Ballonseite ermöglichen Drehungen.

Abb. 2: Die Flamme schießt mehrere Meter in die Höhe und sorgt für hitzige Atmosphäre im Balloninneren. Im oberen Drittel werden Temperaturen von rund 100 °C erreicht.
“Brenner“
Quelle: S. Geitmann



Neue Sichtweisen

Mit zunehmender Höhe nimmt die Sichtweite zu, und dem Luftfahrtpionier eröffnet sich eine ganz neue Welt der Eindrücke. Ganz in Ruhe lässt sich die Region von oben erforschen. Ein Wald aus der Höhe betrachtet sieht ganz anders aus als auf dem Erdboden. Und für langjährige Hauptstadtbewohner mutet es doch sehr ungewohnt an, auf der einen Seite bis über die Stadtgrenzen hinweg und gleichzeitig bis zur Müritz blicken zu können. Als wenn die Entfernungen schrumpfen würden.

Ganz in Ruhe ist man dort oben aber dennoch nicht. In regelmäßigen Abständen durchreißt ein lautes Fauchen die Stille und unterbricht abrupt jedweden Kommunikationsversuch. Damit die Höhe gehalten werden kann, muss der Pilot fast minütlich das Brennerventil öffnen. Sofort schießt flüssiges Propangas aus einem der Treibstoffbehälter durch die Leitung und aus der Düse. Der bei acht bar gespeicherte Flüssigkraftstoff verdampft sofort und entzündet sich an der stetig brennenden Pilotflamme des Brenners. Sowohl das Entweichen des unter Druck gesetzten Propans als auch die Verbrennung machen einen ohrenbetäubenden Lärm, der auch am Boden gut hörbar ist.

Sobald der Treibstoffvorrat zur Neige geht, hält der Pilot Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz: Ein offenes Feld oder eine weite Wiese. Während man eben noch gemächlich dahin schwebend in die Hintergärten der Dorfbewohner gucken konnte, wird man kurz darauf auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aber so hart ist der Boden gar nicht. Die Landung besteht aus drei sanften Sprüngen, die der Ballon mit dem Korb auf der Wiese vollführt.

Abb. 3: Spätestens bei der Landung ist zu spüren, dass der Pilot ein gut ausgebildeter Luftschiffer ist. Das dargestellte drohende Umkippen ist lediglich gestellt.
“Landung“
Quelle: S. Geitmann

Heißluftballons dürfen nicht verwechselt werden mit Gasballons. Gasballons sind geschlossene Systeme und beinhalten ein Gas mit einer geringeren Dichte als Luft (Helium oder Wasserstoff), wodurch der notwendige Auftrieb erreicht wird. Heißluftballons hingegen haben unten beim Brenner eine weite Öffnung als Lufteinlass. Oben verfügen sie über einen „Deckel“ (Parachute), der je nach Bedarf geöffnet und geschlossen werden kann.


Zu guter Letzt erfolgt nach dem Einpacken die für Ballonfahrer obligatorische Taufe. Nach alter und überlieferter Sitte werden alle Mitfahrer nach ihrer ersten Fahrt im Korb eines Freiballons mit Feuer, Erde und Sekt getauft. Aber nicht nur das, sie werden darüber hinaus in den Adelsstand der Ballonfahrer erhoben.

Abb. 4: Bei der Ballonfahrertaufe wird Haar der Mitfahrer entzündet. Das Feuer wird mit Sekt gelöscht, von dem allerdings der überwiegende Teil im Bauch der Geadelten landet.
“Taufe“
Quelle: S. Geitmann

Bei dieser Zeremonie gehen Rechte und Pflichten traditionsgemäß Hand in Hand. Der frisch Geadelte erhält zwar sämtliche Rechte auf Besitz und Lehen der überfahrenen Ländereien, muss sich aber auch verpflichten, von da an auf seine Aussprache zu achten: Und zwar heißt es „Ballon fahren“ und nicht „Ballon fliegen“. Bei Missachtung dieser Regel folgen Sanktionen zum Beispiel in Form von Lokalrunden.

Ballonfahrer-Adel
Ballonfahrer gehören zu den reichsten Menschen der Welt. Ganz ehrlich. Dieses Mal ist es keine Wortspielerei, weil Ballonfahrer im übertragenen Sinne vielleicht ihren Horizont erweitert haben. Nein. Sie sind ungeheuer reich, weil ihnen nach einem alten Gesetz alle Ländereien gehören, die sie überfahren haben.
Aber es gibt trotzdem einen Haken. Nach der neuen Rechtsprechung fangen die Ländereien, die ihnen nach einer Ballonfahrt zugestanden werden, erst eine Handbreit über dem Boden, dem Busch, dem Baumwipfel an. Also doch wieder nur eine Luftnummer.

Autor: Sven Geitmann, Kremmen, August 2006

Quellen:
Bröckelmann, Wir Luftschiffer, Verlag von Ullstein & Co., Berlin, Wien, 1909
Rühle, A.-S., Wasserstoff und Wirtschaft, Hydrogeit Verlag, Kremmen, 2005
ww

w.ballonfahrer-online.de
www.sun-ballooning.de
Flüssiggas

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