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Größtes deutsches Erdwärme-Kraftwerk in Brandenburg

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Größtes deutsches Erdwärme-Kraftwerk in Brandenburg

Nicht zuletzt die Entwicklung der Öl- und Gaspreise in den vergangenen Monaten verdeutlicht die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von einer sicheren Energieversorgung. Als besonders aussichtsreiche und zugleich klimafreundliche Komponente im Energiemix bietet sich die Nutzung der Geothermie an. Dieser natürliche Wärmestrom aus dem Erdinneren ist als einzige erneuerbare Energiequelle jahres- und tageszeitenunabhängig verfügbar.

Erdwärme wird an vielen Stellen der Erde bereits in Tiefen von bis zu 4.000 m bis 5.000 m zur Strom- und Wärmeerzeugung erschlossen. Eine Studie des Deutschen Bundestags beziffert das theoretische Deckungspotenzial durch Geothermie auf die Hälfte des deutschen Strombedarfs. Erdwärme kann auch hierzulande nach dem heutigen Stand in Strom gewandelt werden. Allerdings steckt die Technologie neben Fündigkeitsrisiken häufig noch in der Kostenfalle.

Um diese Hindernisse abzubauen, haben die drei nordrhein-westfälischen Hochschulen RWTH Aachen, FH Bochum und FH Gelsenkirchen im vergangenen Herbst mit dem Geothermie-Zentrum in Bochum (GZB) ein gemeinsames Institut für die Anwendungsforschung gegründet.

Die Kompetenz von 14 interdisziplinären Fachgebieten der Natur- und Ingenieurwissenschaften wird dort zusammengeführt und von dem für Bohrtechnik zuständigen Prof. Rolf Bracke (FH Bochum) koordiniert. Flankiert wird das GZB durch die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW. Im Mittelpunkt der GZB-Arbeiten steht die wirtschaftliche Erschließung der enormen Wärmevorräte im Untergrund. Die Arbeiten erfolgen im engen Schulterschluss mit kommerziellen Partnern.

Ein solcher Schulterschluss ist nun mit der ENRO-Gruppe aus Essen erfolgt. Das Unternehmen beabsichtigt den Bau eines geothermischen Kraftwerkparks bestehend aus vielen Einzeleinheiten von jeweils 2 bis 3 MW elektrischer Leistung.

Untergrundschichten, welche die Grundvoraussetzungen erfüllen können, sind ca. 300 Mio. Jahre alte Vulkan-Gesteine des Perm-Zeitalters. Diese so genannten Vulkanite besitzen eine große Verbreitung im Nordostdeutschen Becken in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und sind durch viele Erdöl- und Erdgasbohrungen erkundet. Diese Gesteine liegen in ca. 5.000 m Tiefe und haben eine relativ gleichmäßige Mächtigkeit von mehreren Hundert Metern bei erwarteten Gesteinstemperaturen von über 170 °C.

Das macht sie interessant für die EGS-Technologie (Enhanced Geothermal Systems). Bei diesem Verfahren wird das im natürlichen Zustand für Wasser wenig durchlässige Gestein durch das Einpressen von unter hohem Druck stehendem Wasser hydraulisch aufgebrochen. Die auf diese Weise geschaffenen Kluftsysteme bilden ein großvolumiges Wärmeaustauschsystem im Untergrund, in dem von Übertage zugeführtes Wasser auf Gebirgstemperatur erhitzt wird. Das in weiteren Bohrungen geförderte Heißwasser dient als Wärmequelle für oberirdische konventionelle Dampfturbinen zur Stromerzeugung.

Der am GZB für das Reservoir-Engineering zuständige Geophysiker Ralph Weidler setzt dieses Prinzip derzeit bereits beim größten EGS-Geothermieprojekt der Welt in Australien (derzeitige Marktkapitalisierung 160 Mio. Australische Dollar, geplante Kapazität: 275 MWel) um.

Das Konvoi-Konzept von ENRO sieht die Erschließung gleichartiger geologischer Reservoire mit Einzeleinheiten - bestehend aus 3 Tiefbohrungen zu je 5.000 m (Triplette) - vor. Eine solche Triplette besteht aus zwei Produktionsbohrungen zur Förderung des heißen Tiefenwassers und einer Injektionsbohrung zur Rückführung des nach der Stromerzeugung abgekühlten Wassers in den tiefen Untergrund. Drei solcher Tripletten sollen zu Standardeinheiten (so genannte Cluster) mit einem zentralen Kraftwerk von ca. 7,5 MWel zusammengefasst werden.

Die Entwicklung einer geothermischen Stromgewinnung muss dabei nach industriellen Methoden erfolgen: Zuerst wird die Erstanlage gebaut, danach erfolgt der Endausbau mit Standardeinheiten. Zunächst sind drei Cluster vorgesehen. Eine Ausweitung ist geplant.

Um die Vulkanite in Nordostdeutschland zu erschließen, hat ENRO bereits die bergrechtliche Erlaubnis für ein Feld von 230 km2 Größe bei Eberswalde erhalten. Die geowissenschaftliche und technologische Machbarkeit des Projektes soll nun von den Fachleuten des GZB ermittelt werden. Dazu wurde im Februar in Bochum ein Kooperationsabkommen zwischen ENRO und dem GZB geschlossen.

Fachlich unterstützt wird die Initiative durch den stellvertretenden Leiter des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg, Dr. Stackebrandt. Dessen Haus verfügt bereits über viele Informationen zu den geothermisch interessanten Vulkanitgesteinen.

Neu an dem Projekt ist auch seine Finanzierung. Sie erfolgt analog zu dem australischen Geothermieprojekt auf privatwirtschaftlicher Basis. Hierzu wurde eigens eine ENRO Geothermie AG mit einer Erstausstattung von 0,5 Mio. EUR gegründet. Das Financial Closing für die Finanzierung der Investition der Erstanlage ist für Mitte 2006 geplant. Mit dem Bau in Eberswalde soll noch im Jahr 2006 begonnen werden.

Die Investitionsentscheidung erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass alleine in Deutschland in den nächsten 20 Jahren etwa die Hälfte des Kraftwerksbestandes aus Altersgründen ersetzt werden muss. Deren Kapazitäten lassen sich jedoch nur begrenzt mit wetterabhängiger Sonnen- und Windenergie abdecken. Um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Energiewirtschaft als Puffer für schwankend anfallende Wind- und Sonnenkraft grundlastfähige Kraftwerke in gleicher Kapazität bereithalten.

Geothermie - der kontinuierliche natürliche Wärmefluss aus dem Erdinneren - ist im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien grundlastfähig. Sie ist also eine ernst zu nehmende Option für eine umweltfreundliche Energieversorgung der Zukunft.

Gerda E. Winterhagen, Feb. 2006




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 Kommentar vom 12.04.2010 14:25 Uhr, von Industrie -Immobilien Service-Rohe Kommentar bearbeiten
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Sehr geehrte Damen und Herrn
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