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Sonnenstrom vom Scheunendach

Fachbericht | Wörter: 1366 | Aufrufe: 12222 | Druckbare Version

Sonnenstrom vom Scheunendach

Für viele Landwirte sind Solarstromanlagen ein wichtiger Nebenerwerb

Im Badezimmer neben dem Waschbecken steht eine Flasche Eutermilch Spezial. "Das ist gut für die Hände." Die Waschmaschine ist mit weißen Stofftüchern gefüllt. Damit tupfen Rudolf Neyses und seine Tochter Daniela die Euter der Kühe ab. In der Ecke des Waschraums steht ein Eimer mit Rindersperma, gekühlt mit flüssigem Stickstoff. "Wir haben beide einen Besamungslehrgang gemacht." Hier in der Südeifel nahe der luxemburgischen Grenze, abgeschieden inmitten von Wäldern und Feldern, liegt der Biesdorfer Hof von Rudolf, Annelie und Daniela Neyses, der sich seit 1900 im Familienbesitz befindet. "Landwirtschaft ist kein Beruf," sagt Daniela Neyses, die auf dem elterlichen Hof eine eigene Wohnung hat. "Es ist eine Lebenseinstellung."

Ihren Lebensunterhalt verdienen die Neyses mit dem Milchviehbetrieb. Jede der 85 Kühe liefert täglich rund 30 Liter Milch. Außerdem vermietet Familie Neyses Zimmer an bis zu zehn Feriengäste. Sie können hier wandern, Rad fahren oder reiten und ihren Urlaub auf dem Bauernhof verbringen.

Biesdorfer Hof
Daniela, Rudolf und Annelie Neyses (von links) auf dem Dach der Maschinenhalle, auf der 11,52 kW installiert wurden.

Seit letztem Jahr hat Familie Neyses ein weiteres Standbein: Auf den Dächern von Maschinenhalle, Schmiede und Schweinestall wurden insgesamt 140 Solarmodule installiert. Die drei Teilanlagen sind nach Südwesten ausgerichtet. Ihre Gesamtleistung beträgt 22,4 Kilowatt. Fünf SolarMax-Stringwechselrichter der Sputnik Engineering AG wandeln den Gleichstrom der Solaranlage in Wechselstrom um. "Über die landwirtschaftlichen Fachzeitschriften sind wir darauf aufmerksam geworden, dass es sich rentiert, eine Photovoltaikanlage zu installieren," erklärt Daniela Neyses.



Fördermöglichkeiten für Landwirte

Die Familie nutzt die einzelbetriebliche Förderung im Rahmen des Agrarinvestitionsförderprogramms der Länder für Unternehmen der Landwirtschaft (AFP). Im Mai 2004 stellte sie den Antrag auf Fördermittel beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftskammer. Im Juli kam der Zwischenbescheid, zwei Monate später wurde die Anlage installiert. "Bei dem Agrarinvestitionsförderprogramm steuert der Bund 60 Prozent der Fördermittel bei. Die restlichen 40 Prozent übernehmen die Länder," erklärt Matthias Götschel vom Referat für Landwirtschaftliche Entwicklung in Rheinland-Pfalz. "Der Förderhöchstsatz liegt bei 27.500 Euro bei einem förderfähigen Investitionsvolumen von maximal 100.000 Euro."

Diesen Höchstsatz haben die Neyses fast erreicht. Ihr zuwendungsfähiges Investitionsvolumen (förderungsfähiges Investitionsvolumen minus 10 Prozent Eigenleistung) betrug 90.254 Euro. Für die Summe bis 50.000 Euro erhielten sie einen Zuschuss in Höhe von 35 Prozent; die restliche Summe wurde mit 20 Prozent bezuschusst. Die Gesamtförderung beläuft sich somit auf 25.500 Euro. Zusammen mit der Einspeisevergütung von 57,4 Cent pro Kilowattstunde, die im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bezahlt wird, rechnet Familie Neyses in acht bis neun Jahren mit einer Amortisation der Solaranlage. "Wir wollen mit der Anlage unsere Rente aufbessern," erklärt Annelie Neyses.

Laut Götschel wurde die rheinland-pfälzische AFP-Förderung für PV-Anlagen zwar zum 31. Mai 2005 vorerst eingestellt. "Die Haushaltsmittel sind knapp, die Nachfrage war sehr groß" - allein 2004 gingen bei der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftskammer fast 300 Förderanträge für Photovoltaikanlagen ein. In anderen Bundesländern sind AFP-Fördermittel dagegen weiterhin erhältlich, jedoch teilweise zu anderen Konditionen. Im Saarland erhalten Landwirte derzeit beispielsweise bei Investitionskosten von bis zu 250.000 Euro einen Zuschuss in Höhe von 10 Prozent. Bei größeren Investitionen ist dieser Zuschuss auf 10.000 Euro begrenzt. Alternativ wird bei größeren Investitionen auch eine Zinsverbilligung auf das Kapitalmarktdarlehen in Höhe von bis zu 15.000 Euro gewährt.

In jedem Fall lohnt es sich, bei der zuständigen Landwirtschaftskammer oder dem Landwirtschaftsministerium nachzufragen. Die Adressen stehen beispielsweise auf der Internetseite der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft unter www.solarfoerderung.de. Hier findet man auch die Kontaktdaten der jeweiligen Wirtschafts- und Umweltministerien, denn einige Länder bieten Förderprogramme an, die sich auch (aber nicht nur) für landwirtschaftliche Photovoltaikanlagen eignen.

Eine wichtige Adresse ist ferner die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Im Rahmen des Programms "Solarstrom erzeugen" gewährt die KfW beispielsweise allen Antragstellern mit Ausnahme von Kommunen Kredite von bis zu 50.000 Euro. Gewerblich betriebene Anlagen mit einem Kreditbedarf von mehr als 50.000 Euro werden dagegen im ERP-Umwelt- und Energiesparprogramm und im KfW-Umweltprogramm mitfinanziert. "Eine weitere Anlaufstelle speziell für Landwirte ist die Rentenbank", erklärt David Muggli, Niederlassungsleiter beim Solarzentrum Rheinland in Euskirchen. "Sie bietet ebenfalls günstige Kredite an."

Zusätzlich erhalten Betreiber von netzgekoppelten Solarstromanlagen die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Einspeisevergütung. Für 2005 beträgt sie für Aufdachanlagen bis 30 Kilowatt 54,53 Cent pro Kilowattstunde. Ab einer Leistung von 30 Kilowatt werden 51,87 Cent pro Kilowattstunde bezahlt, für Anlagen ab 100 Kilowatt Leistung sind es 51,30 Cent pro Kilowattstunde. Ab dem 1. Januar 2005 wird die Einspeisevergütung einer Neuanlage jedes Jahr um fünf Prozent gesenkt, wobei die Vergütung 20 Jahre lang plus dem Jahr der Inbetriebnahme gezahlt wird.

Um die Kosten zu reduzieren, kann man sich natürlich auch zu einer Sammelbestellung zusammenschließen, dem Installateur bei der Montage helfen oder auch die Anlage selbst installieren. Den Netzanschluss muss allerdings in jedem Fall ein Fachmann vornehmen.



Worauf man achten sollte

"Gerade bei der Installation von landwirtschaftlichen Solarstromanlagen muss man darauf achten, dass die Umgebung nicht zu staubig und schmutzig ist. Weiterhin ist es in vielen Fällen notwendig, Dachunebenheiten auszugleichen," erklärt David Muggli. Bei Installationen in Stallungen und Heuschobern müssen die Wechselrichter zudem mindestens die Schutzart IP 44 erfüllen, ergänzt Burkhard Schulze vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. Dadurch ist sichergestellt, dass die Geräte gegen Staub und gegen Spritzwasser geschützt sind. Weitere Vorschriften findet man laut Schulze in der Norm DIN VDE 0100-705 und der Vornorm DIN V VDE V 0100-0705, die beim VDE-Verlag erhältlich sind.

Das Solarzentrum Rheinland installiert ausschließlich Wechselrichter von Sputnik Engineering. "Die SolarMax-Wechselrichter sind zuverlässig und preiswert; die Zusammenarbeit mit Sputnik funktioniert gut," erklärt David Muggli. Bei der Familie Neyses kamen Geräte mit Nennleistungen von 2,5, 3,8 und 4,6 Kilowatt zum Einsatz. Sie erfüllen - wie alle Stringwechselrichter der Sputnik Engineering AG - die Schutzart IP 54 und sind in einem hochwertigen Aluminiumgehäuse untergebracht. Somit sind sie gegen das Eindringen schädlicher Staubablagerungen und gegen Spritzwasser geschützt.

Solarmax Wechselrichter
Rudolf Neyses bei den Wechselrichtern auf dem Dachboden der alten Schmiede

Sputnik hat eine breit gefächerte Produktpalette aus Stringwechselrichtern im Leistungsbereich von 1,8 bis 4,6 Kilowatt und Zentralwechselrichtern im Leistungsbereich von 20 bis 300 Kilowatt im Programm. "Während sich für die 22,4-Kilowatt-Solaranlage der Familie Neyses Stringwechselrichter empfehlen, bieten sich für Solaranlagen ab einer Leistung von 30 Kilowatt Zentralwechselrichter an," erklärt Sputnik-Geschäftsleiter Christoph von Bergen - zumindest, wenn die Solarmodule gleichmäßig ausgerichtet sind. "Über Mismatching-Verluste muss man sich keine Sorgen machen," ergänzt Sputnik-Mitarbeiter Hans-Georg Schweikardt. Auch die Zentralwechselrichter erreichen sehr gute Wirkungsgrade im Teillastbereich. Als besonderen Service bietet Sputnik für die Zentralwechselrichter zudem das Rundum-Sorglos-Paket Max Control an. Es ermöglicht eine genaue Ertragskontrolle per Fernüberwachung und garantiert die optimale Verfügbarkeit der Solaranlage mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren. Für die Stringwechselrichter stellt Sputnik dagegen die Option Max Alarm

zur Verfügung. Mit ihr werden Störungsmeldungen per Email verschickt.



Biostrom aus dem Schweizer Jura

Der Schweizer Biobauer Jean Oppliger hat bereits vor einigen Jahren Solarstromanlagen mit zwei 30-Kilowatt-SolarMax-Zentralwechselrichtern installiert. "Für mich kommen nur SolarMax-Wechselrichter in Frage, weil sie einen traumhaften Wirkungsgrad haben und äußerst zuverlässig arbeiten. Der Service bei Sputnik ist einfach unschlagbar!" begründet Oppliger seine Kaufentscheidung. Seine beiden Teilanlagen mit je 24 und 25 Kilowatt Leistung gingen 1997 und 1998 in Betrieb. "Dass man Licht in Strom umwandeln kann, fasziniert mich schon lange," erklärt Oppliger. Schon als Lehrling habe er daher seinen Fernseher mit Sonnenstrom betrieben. Auf seinem Hof im Schweizer Jura hat er neben der Solarstromanlage eine 6,5-Kilowatt-Windturbine, Sonnenkollektoren und eine Holzheizung errichtet. "Nur bei Nacht und wenn es windstill ist, brauche ich Energie aus dem Netz." Denn Oppliger produziert mehr als genug, um sich selbst zu versorgen. Die überschüssige Energie speist er ins öffentliche Netz ein.

Während Oppliger die Anlagendaten auswertet und auf seiner Internetseite publiziert, legt Familie Neyses auf die detaillierte Datenerfassung keinen Wert. Rudolf Neyses schaut lediglich gelegentlich am Zähler vorbei, der auf dem Dachboden der alten Schmiede hängt. "Mich interessiert einzig der Jahresertrag. Solange die Anlage einwandfrei läuft, brauche ich mich nicht darum zu kümmern."

Da die Südwestdächer des Biesdorfer Hofs vollständig mit Solarmodulen bestückt sind, denkt er über eine Erweiterung auf den Westdächern nach. An Windkraft oder Biogas ist Rudolf Neyses dagegen nicht interessiert. "Eine Windkraftanlage passt genauso wenig in die Eifel wie die Höcker," erklärt er. Diese Betonhindernisse sollten im Krieg das Eindringen der Alliierten erschweren. "Und eine Biogasanlage erfordert genau so viel Pflege wie eine Kuh."

Autorin: Iris Krampitz, September 2005
Bilder: Sputnik Engineering AG


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