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Wasserstoff- und Brennstoffzellenforschung für die Praxis

Fachbericht | Wörter: 807 | Aufrufe: 8957 | Druckbare Version

Wasserstoff- und Brennstoffzellenforschung für die Praxis

93. Bunsen Kolloquium in Schwerin

Die renommierte Deutsche Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie hatte eine glückliche Hand, als sie ihr 93. Kolloquium für den 16. und 17. Juni 2005 nach Schwerin vergab und „Wasserstoff und Brennstoffzellen – Forschung zur praktischen Realisierung“ zum Thema wählte.

Landesregierung und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewährten den ForscherInnen und UnternehmerInnen der rasch wachsenden Branche im Schloss Gastrecht. Die Bunsengesellschaft (Herr Behret) konnte sich bei der inhaltlichen Gestaltung der auf traditionell hohem wissenschaftlich-technischen Niveau durchgeführten Tagung und ihrer perfekten Organisation auf das junge H.I.A.T. Hydrogen Institute of Applied Technologies gGmbH aus dem Wasserstoffzentrum Schwerin verlassen.

Den Veranstaltern ist es gelungen, den Bogen von der Wiege der Festelektrolyt-Forschung an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald mit Weltspitzenleistungen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts (Oxidelektroden, Festoxid-Brennstoffzelle, Lambda-Sonde) bis zu heutigen, wiederum international herausragenden Leistungen in Mecklenburg-Vorpommern zu spannen (Mikrobielle Brennstoffzelle, Institut für Chemie und Biochemie der Universität Greifswald; CO-Feinreinigungskatalysator, H.I.A.T.).

Der wissenschaftliche Leiter der Tagung war Dr. Bernd Rohland. Er promovierte damals unter Hans-Heinrich Möbius, dem Nestor der deutschen Festelektrolyt-Forschung, über „Untersuchungen zu Festelektrolytbrennstoffzellen für Betriebstemperaturen unter 900 °C“ und treibt heute Entwicklungen besonders zur platinarmen Katalyse in Direktmethanol- (DMFC) und Protonenleitenden Membran-Brennstoffzellen (PEMFC) voran.

Die Tagung war in drei Blöcke gegliedert:

  • Wasserstofferzeugung und –speicherung für Brennstoffzellen,
  • Brennstoff Methanol und
  • Brennstoffzellenanlagen
Schwerpunkt mit zahlreichen neuen Ergebnissen waren Katalysatoren und Reformer (u.a. AMT Analysenmesstechnik GmbH, Rostock, HMI Hahn-Meitner-Institut GmbH, Berlin, Institut für Materialwirtschaft an der TU Darmstadt, Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik, Greifswald, Leibniz-Institut für Organische Katalyse an der Universität Rostock, ZBT Zentrum für BrennstoffzellenTechnik GmbH, Duisburg, ZSW Zentrum für Sonnenergie- und Wasserstoff-Forschung, Ulm). Deutlich wurde auch, dass für die Technologieentwicklung der Zellenbrennstoffe eine besondere Chance in der Nutzung erneuerbarer Energien gesehen wird (u.a. IMM Institut für Mikrotechnik Mainz GmbH in Bioethanol, MTU CFC Solutions GmbH, München, in biogenen Gasen, PLANET-Planungsgruppe Energie und Technik GbR, Oldenburg, und Fachhochschule Stralsund im regenerativ erzeugtem Wasserstoff).

Das Kolloquium führte

  • von ermutigenden Ergebnissen der Grundlagenforschung (z.B. Max-Planck-Institut für Festkörperforschung Stuttgart bei der Aufklärung der Reaktionsvorgänge in Membranen) bis zu weiteren Schritten in den Markt (FuMa-Tech GmbH, St. Ingbert / Saar, in der Membranentwicklung, IMM in Zusammenarbeit mit dem ACA Institut für Angewandte Chemie Berlin-Adlershof bei Komplettreformern mit mikrostrukturierten Reaktoren),
  • von Großunternehmen und -forschungszentren bis Mini-, kleinen und mittelständischen Unternehmen, die ersteren bei wichtigen Innovationen teilweise nicht nur das Wasser reichen konnten, sondern in Einzelfällen sogar die Schau gestohlen haben (beispielhaft 3P-energy GmbH, Schwerin, mit einem miniaturisierten Brennstoffzellensystem auf Dünnschicht- Basis),
  • von Weit-West bis Nah-Ost, letzterer mit besonders marktnahen Lösungen. Das veranlasste die renommierte deutsche Brennstoffzellenforscherin, Frau Prof. Angelika Heinzel (ZBT und Universität Duisburg-Essen) im Abschlusspodiumsgespräch zum Lob, es sei schon erstaunlich, was die ostdeutschen Unternehmen in kurzer Zeit auf die Beine gestellt hätten "und mit wie wenig Geld".
Aufmerksamkeit erregten die marktfähigen Anwendungen der Berliner Staxon GmbH (Brennstoffzellen) in Zusammenarbeit mit der Flexiva GmbH, Amtsberg, und anderen Anwendern für PEMFC-Systeme kleiner Leistung im dezentralen Einsatz als Batterieersatz, bereits in ersten netzfernen Einsatzfällen sowie die „Ein“gründung der staxera GmbH (Gemeinschaftsunternehmen der WEBASTO Thermosysteme GmbH, Neubrandenburg, und der Bayer-Tochter H.C. Starck GmbH) in das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Sinterwerkstoffe, Dresden. Dort konnten jüngst bei der Festoxidforschung so deutliche Fortschritte erzielt werden, dass offensichtlich die Zeit reif scheint für eine neue Generation von Bordsystemen und die Fertigungsvorbereitung von planaren Stapeln für Brennstoffzellensysteme für die Energieversorgung in Gebäuden und im Gewerbe. Erneut wurde der Beweis erbracht, Brennstoffzellensysteme mit kompletter heimischer Wertschöpfung sind tatsächlich möglich und das nicht nur bei PEMFC, sondern auch bei Festoxid-Brennstoffzellen und DMFC. Verlässliche Bedingungen voraus gesetzt, muss die Brennstoffzelle nicht NACH Deutschland, sondern sie kann AUS Deutschland kommen.

Podium, Tagungsteilnehmer und Veranstalter schlossen sich den Argumenten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, Freiburg im Breisgau, der Arbeits- und Forschungsgemeinschaft Brennstoffzellen der ostdeutschen Bundesländer und der FEE Fördergesellschaft Erneuerbare Energien, Berlin, an, gemeinsam mit der Politik in der Öffentlichkeit dafür zu wirken, die vom Brennstoffzellen-Bündnis Deutschland entworfene Markteinführungsstrategie zu realisieren, mit einem Programm zu untersetzen, für ausreichende Finanzierung und Kontinuität in der Forschung und Entwicklung sowie die Unterstützung innovativer kleiner und mittlerer Unternehmen durch Kooperationsnetzwerke zu sorgen.

Die Tagung hat bewiesen, dass durch Zusammenarbeit über die Grenzen der Bundesländer hinaus, zwischen Forschungsinstituten und Unternehmen sowie Sparten übergreifend, unterstützt durch die Fürsorge in den Kommunen, Ländern und im Bund bereits heute erste Erfolge in Nischenmärkten, bei der effizienten Energieumwandlung und vor allem in der Wertschöpfung in Hochtechnologien möglich sind.

Das Kolloquium wurde mit einer Besichtigung des Wasserstofftechnologiezentrums Schwerin abgeschlossen, dass im vergangenen Jahr eingeweiht worden ist und in dem sich inzwischen ein halbes Dutzend Unternehmen, vom Musterbau über Forschung, Entwicklung und Fertigung von Komponenten und Systemtechnik bis Analysetechnik gegenseitig synergetischen Nutzen auf dem Wege zum Markt bringt.

Autor: Eberhard Oettel, Arbeits- und Forschungsgemeinschaft (AFG) Brennstoffzellen, Brenngase und –flüssigkeiten der ostdeutschen Bundesländer, c/o Fördergesellschaft Erneuerbare Energien e.V. (FEE), Juni 2005

Kontakt:
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