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Landesinitiativen fördern H2- und BZ-Aktivitäten

Fachbericht | Wörter: 787 | Aufrufe: 6516 | Druckbare Version

Bundesländer sind Keimzellen für Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik

In Deutschland findet die Förderung von Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technik auf Bundesebene durch fünf verschiedene Ministerien statt: Wirtschaft, Verkehr, Forschung, Umwelt und Landwirtschaft. Eine Umfrage im Auftrag der Hamburger H2Expo ergab, dass viele Experten diese Zersplitterung für uneffektiv halten. Die H2Expo, 5. Internationale Konferenz und Fachmesse für Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien, findet vom 31. August bis zum 1. September 2005 mit verändertem Konzept erstmals im CCH-Congress Center Hamburg statt.

Zum Vergleich: In den USA ist die Bundesförderung zentral strukturiert und erfolgt im Wesentlichen durch die drei Ministerien für Verteidigung, Verkehr und Umwelt. In den deutschen Bundesländern sah man Anlass zum Handeln. In acht von ihnen wurden bereits eigene Initiativen gegründet, die Kompetenzen in Forschung und Unternehmen zusammenführen. Nach den Vorbildern von Kalifornien (USA) und der Region Vancouver (Kanada) haben sich auch hier aus Keimzellen ganze Cluster gebildet, in denen die regionale Nähe gemeinsame Projekte begünstigt, so etwa im Ruhrgebiet und in den Regionen Frankfurt, Stuttgart und München.

In Hamburg wurde bereits 1989 die Gesellschaft zur Einführung des Wasserstoffs in die Energie-Wirtschaft gegründet, 1997 umbenannt in Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg e.V. (www.h2hh.de), mit derzeit etwa 30 Mitgliedern. Zunächst wurden im Projekt W.E.I.T. sechs Kleinlastwagen mit Wasserstoffmotor betrieben. Aktuell ist die Teilnahme am CUTE-Projekt mit drei Brennstoffzellen-Bussen von DaimlerChrysler durch die Partner Hamburger Hochbahn und HEW. Die Teilnahme soll um ein Jahr bis September 2006 verlängert werden.

2006 soll die Installation einer Hot-Module-Brennstoffzelle von MTU in der Hamburger Hafen-City zur Teilversorgung mit Strom und Wärme folgen. Betreiber wird HEW, Partner wird die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Ergänzend wurde Anfang 2005 die Landesinitiative Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie gegründet. Sie wird von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt geführt, soll vorhandene Potentiale bündeln und hat bereits mehr als 20 Mitglieder aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung.

Ende 2004 wurde mit Hilfe der Dachorganisation Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV, www.dwv-info.de) das Brennstoffzellenbündnis Deutschland (BZB) von mehr als 20 Verbänden und Initiativen gegründet. Mit im Boot sind zunächst die Brennstoffzellen-Initiativen aus Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg. Der Appell der BZB an die Bundesregierung: Um den Anschluss an die Weltspitze nicht zu verpassen, müssen die deutschen Brennstoffzellen-Aktivitäten zügig politisch flankiert werden. Auch die Präsenz Deutschlands in EU-Projekten müsse vorangetrieben werden.

Die Landesinitiative Brennstoffzelle Niedersachsen (www.brennstoffzelle-nds.de) wurde im April 2004 von den Ministerien für Umwelt und Wirtschaft gegründet und für drei Jahre mit 9,5 Mio. Euro ausgestattet. Bislang wurden sieben Projekte mit 2,7 Mio. Euro gefördert, an denen 20 Firmen und Institute teilnehmen. Schwerpunkte sind PEM-Brennstoffzellen für Fahrzeuge, Hochtemperatur-Zellen (SOFC) und die dezentrale Energieversorgung mit Brennstoffzellen-Heizgeräten.

Teil der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW (www.energieland.nrw.de) ist das Kompetenz-Netzwerk Brennstoffzelle und Wasserstoff NRW (www.brennstoffzelle-nrw.de). Bislang wurden vom Land 55 Projekte mit 57 Mio. Euro gefördert bei einem Gesamtvolumen von 102 Mio. Euro. Aktuelle Highlights sind die Entwicklung eines Shuttle-Busses, eines Lastenfahrrades, einer EDV-Stromversorgung und einer Wasserstoffkartusche. Weitere 16 Projekte sind in Planung. Das Netzwerk hat etwa 300 Mitglieder. Die Förderpolitik hat Niederlassungen der drei nordamerikanischen Firmen Dynatek, Hydrogenics und Idatech begünstigt. Positiv wirkt sich auch eine Wasserstoff-Pipeline aus, die von Castrop über Marl bis nach Köln reicht.

In der Brennstoffzellen-Initiative Baden-Württemberg (www.brennstoffzellen-initiative.de) sind drei Organe tätig. Die ForschungsAllianz Brennstoffzellen (FABZ), 2000 gegründet vom Wissenschaftsministerium und derzeit fokussiert auf die PEM-, DMFC (Methanol)- und SOFC-Technik (Hochtemperatur), bündelt die Aktivitäten von 15 angeschlossenen Instituten. Das Kompetenz- und Innovationszentrum Brennstoffzelle der Region Stuttgart fördert und betreut rund 40 Unternehmen und Verbände der Branche. Das Weiterbildungszentrum Brennstoffzelle Ulm (WBZU) ist mit 36 Mitgliedern in Bildungsfragen Industrie, Handwerk, Schulen und Hochschulen behilflich. WBZU-Mitglied ist auch die 1988 gegründete Stiftung Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, die sich u.a. den Techniken PEM, DMFC, MCFC (Schmelzkarbonat) widmet. Geplant ist eine Neustrukturierung der Aktivitäten.

Die Wasserstoff-Initiative Bayern (www.wiba.de), 1996 vom Wirtschaftsministerium gegründet, hat bislang mehr als 30 Projekte mit rund 35 Mio. Euro gefördert. Das Gesamtvolumen der Projekte lag bei über 70 Mio. Euro. Der engere Kreis der Partner umfasst rund 30 Teilnehmer. Die Wasserstoffversorgung in Bayern geschieht durch Linde und Unternehmen im Chemiedreieck Burghausen östlich von München.

2003 entstand die privat finanzierte Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen e.V. (H2BZ, www.brennstoffzelle-hessen.de). Der Verein hat das EU-geförderte Projekt Zero Regio angestoßen, in dem seit Ende 2004 Wasserstoff-Versorgungen für Brennstoffzellen-Pkw in den Regionen Rhein-Main und Lombardei errichtet werden. Am Standort Industriepark Höchst verfügt der Verein über jährlich 30 Mio. Kubikmeter kostengünstigen Restwasserstoff. Die mittlerweile 25 Mitglieder planen weiterhin in dem Projekt Stack Value eine eigene Fertigung von PEM-Brennstoffzellen.

Den Verein Wasserstofftechnologie-Initiative Mecklenburg-Vorpommern (www.wti-mv.de) gibt es seit 2002. Er hat heute 18 Mitglieder. Zu den Projekten gehören ein Tauchroboter, ein CFK-Druckbehälter für Wasserstoff, ein SOFC-Stromerzeuger für Fahrzeuge und der Betrieb eines Brennstoffzellen-Busses. Im gleichen Jahr wurde das Kompetenznetzwerk Zukunftstechnologie Brennstoffzelle Rheinland-Pfalz gegründet, gefördert von den Ministerien für Umwelt, Wissenschaft und Wirtschaft. Zu den Akteuren gehören die Fachhochschulen Bingen und Birkenfeld.

Quelle: Hamburg Messe GmbH, Mai 2005



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