Solarsiedlung auf dem Osterberg - Vellmar geht neue Wege
Vellmar. Die Solarsiedlung auf dem Osterberg in Vellmar bei Kassel wird Wirklichkeit. Seit einem halben Jahr wird in der zwölf Hektar großen Siedlung jetzt gebaut, die einmal rund 350 Wohneinheiten bereit stellen wird. Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) sagte in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments, dass sich die Solarsiedlung auf Erfolgskurs befinde. Mittlerweile sind im 1. Bauabschnitt in sechs Häusern Solarwärmeanlagen eingebaut worden.
Vorgaben für Solarwärme
Das Ziel, jedes Haus auf dem Osterberg mit Sonnenwärme zu versorgen, will die Stadt Vellmar mit einem modernen Instrument der Bauleitplanung erreichen - dem städtebaulichen Vertrag, erklärt der Vellmarer Stadtverordnete Fabio Longo, stellv. Vorsitzender des Bauausschusses. Der Bebauungsplan gibt zwar die Leitlinien vor; darin heißt es wörtlich: "Auf dem Osterberg soll eine klima- und umweltschonende Stadtentwicklung realisiert werden, indem erneuerbare Energien genutzt werden sowie mit Energie- und Wasservorräten schonend umgegangen wird." Interessant sei aber, so Longo, dass der Bebauungsplan nicht selbst Vorschriften für die Nutzung der Solarstrahlung enthält. Die Stadtverordneten hätten hierfür einen städtebaulichen Vertrag geschaffen, der bisher ohne Beispiel ist. Daher heißt es im Bebauungsplan nur, dass die Grundstückserwerber mit der Stadt Vellmar vor Abschluss des Grundstückskaufvertrages einen städtebaulichen Vertrag abschließen müssen, in dem sie sich zum Einbau von Solaranlagen verpflichten und im Gegenzug Anspruch auf kostenlose Energieberatung haben. Alles weitere ist in dem "Städtebaulichen Vertrag für klima- und umweltschonendes Bauen" geregelt, der ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Bauherren ist.
Konzept
Der "Städtebauliche Vertrag für klima- und umweltschonendes Bauen" beruhe auf dem Konzept des Förderns und Forderns, erklärt David Sehrbrock, Vorsitzender des Vellmarer Umweltausschusses. "Fördern heißt, dass die Stadt jedem Bauherren eine Energieberatung bei privaten Anbietern finanziert. Fordern heißt, dass die Bauherren dazu verpflichtet sind, eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung in das Haus einzubauen." Dieses abgestimmte Gesamtkonzept des städtebaulichen Vertrages solle zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch die Nutzung der Solarenergie und durch Energieeinsparung führen. "Damit leistet Vellmar einen Beitrag für den kommunalen Klima- und Umweltschutz", so Stadtverordneter Sehrbrock.
Modell für andere Städte und Gemeinden
"Das der Solarsiedlung auf dem Osterberg zugrunde liegende Konzept kann von jeder Gemeinde umgesetzt werden, weil es einfach ist und kaum Aufwand verursacht", so Stadtverordneter Fabio Longo. Die Stadt Vellmar habe sich bemüht, ein aufeinander abgestimmtes städtebauliches Konzept auszuarbeiten. Zur stadtplanerischen Vorbereitung des Baugebiets "Auf dem Osterberg" habe die Stadt Vellmar deshalb einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb durchgeführt, in deren Ausschreibungskriterien die Ziele einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung sowie des Umwelt- und Klimaschutzes genannt werden. Ergebnis dieses Realisierungswettbewerb sei unter anderem, dass die meisten Bauparzellen solarorientiert nach Süden ausgerichtet wurden. "Ohne Solarorientierung der Häuser würde der städtebauliche Vertrag nur halb soviel Sinn machen", so Longo. Darauf hin hat ein eigens für das Baugebiet gegründeter Agenda-21-Arbeitskreis verschiedene Konzepte für eine erneuerbare Energieversorgung erarbeitet. Das Stadtparlament habe dann im Sommer 2002 entschieden, auf der Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages für eine flächendeckende Nutzung der Solarwärme und für Kompetenz der Bauherren beim energiebewussten Bauen zu sorgen.
Wettbewerb Vellmarer Solarpreis
Zur Motivation, sich für das Ziel des städtebaulichen Vertrages besonders zu engagieren, wird die Stadt Vellmar in Kürze einen Wettbewerb für Bauherren, Architekten und Solarinstallateure ins Leben rufen, wozu das Stadtparlament schon letztes Jahr eine Empfehlung abgegeben hat. Danach soll das ökologisch beste Solarkonzept und die schönste Solararchitektur mit Preisen ausgezeichnet werden. Nach Angaben der Vellmarer Stadtverordneten Longo und Sehrbrock soll dies ein Element von mehreren für eine bessere Öffentlichkeitsarbeit sein, die die Beteiligten nach innen überzeugt und das Projekt nach außen bekannt macht. Dazu gehöre auch eine Info-Veranstaltung über die Solarenergie für das Vellmarer Handwerk.
Zum Abschluss heben Fabio Longo und David Sehrbrock die umwelt- und kommunalpolitische Bedeutung des Modells Osterberg hervor. "Der Vellmarer Weg ist wirkungsvoll, um den Durchbruch der Solarenergie von den Städten und Gemeinden aus zu organisieren, und er kann von allen Gemeinden, in kleinen und großen Baugebieten, problemlos beschritten werden."
Info: Allgemein zur Stadt Vellmar und zu dem Baugebiet Osterberg: www.vellmar.de (Aktuell / Baugebiet Osterberg anklicken)