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Kurzanalyse des Marktes für Windkraftprojektierer in Deutschland 2005

Fachbericht | Wörter: 1078 | Aufrufe: 7207 | Druckbare Version

Kurzanalyse des Marktes für Windkraftprojektierer in Deutschland 2005

von der Övermöhle Consult & Marketing GmbH

Die Windbranche in Deutschland musste im letzten Jahr zum wiederholten Male rückläufige installierte Leistungen bekannt geben. Mit der Errichtung von 1.201 Windenergieanlagen (WEA) und einer neu installierten Leistung von 2.036 Megawatt (MW) wurde zwar ein gutes Ergebnis erzielt aber es bedeutet einen Rückgang um etwa 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2.644 MW). Die am Netz befindliche Windenergieleistung konnte damit von 1991 bis Ende 2004 von 108 MW auf 16.628 MW gesteigert werden. Mittlerweile drehen sich in Deutschland mehr als 16.543 WEA, die eine Gesamtleistung von etwa 29,9 Milliarden Kilowattstunden in einem normalen Windjahr produzieren. Das entspricht in etwa 5,87 Prozent des deutschen Nettostromverbrauches. Deutschland ist damit weltweit führend in der Nutzung der Windenergie. Es folgen Spanien (8.263 MW), die USA (6.740 MW), Dänemark (3.200 MW) und Indien (2.985 MW).

Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung der Investoren in Deutschland Windenergieanlagen zu errichten war sicherlich die sehr lang anhaltende und zum Teil unsachlich geführte Diskussion um die Novellierung des "Erneuerbare - Energien - Gesetz - EEG". Das Gesetz stellt die Grundlage für den wirtschaftlichen Betrieb von Windenergieanlagen dar und trat dann letzendlich doch zum 01.08.2004 in Kraft. Damit besteht wieder Planungssicherheit für die Windindustrie in Deutschland.

Ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil vom 30. Juni 2004 sorgte für eine weitere Verunsicherung der Branche. Die Leipziger Richter haben die Frage, ob die Windenergieanlagen nach dem Bau- oder nach dem Immissionsschutzrecht (BImSchG) genehmigt werden müssen, neu definiert. Mit dem neuen Urteil schlägt das Bundesverwaltungsgericht entgegen der verbreiteten Praxis und der bis dahin vorliegenden Rechtsprechung einen völlig neuen Weg ein. Danach können auch Bauvorhaben unterschiedlicher Bauherren zusammengezählt werden. Ob eine in die Genehmigungszuständigkeit der Immissionsschutzbehörde führende "Windfarm" vorliegt, beurteilt sich damit nur noch danach, ob mehr als zwei Windturbinen im räumlichen Zusammenhang stehen (oder als solche beantragt sind). Dieses Urteil führte zum Teil dazu, dass Windparks mit mehr als zwei Anlagen, die in einem räumlichen Zusammenhang stehen, über eine nach Baurecht rechtskräftig erteilte Baugenehmigung verfügten, die aber nun nicht mehr gültig war. Die Windparks mussten eine neue Genehmigung nach BImScHG (Bearbeitungszeit bis zu sieben Monate) beantragen, was natürlich zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen der Projektrealisierung führte.

Der Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland soll in den nächsten Jahren weiterhin forciert werden. Das Ziel der Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2010 auf mindestens 12,5% und bis zum Jahr 2020 auf 20% zu erhöhen ist eindeutig. Unter Berücksichtigung einer verstärkten Nutzung des Offshore - Potenzials können diese Vorgaben noch weit übertroffen werden. Alleine im Offshore-Bereich liegen aktuell Anträge von mehr als 60.000 MW vor. Die erste Nearshore-Anlage in Deutschland wurde im letzten Jahr im Emdener Hafen errichtet. Die Enercon E112 mit 4,5 MW installierter Leistung auf einem 108 Meter Turm produziert an dem Standort mit 8,6 m/s etwa 15,0 Mio. kWh pro Jahr. Aktuell wird eine weitere Anlage des gleichen Typs vor Wilhelmshaven errichtet. Daneben haben bereits acht deutsche Offshore-Projekte (AWZ) die Genehmigung für Pilotprojekte (bis 80 WEA) vom BSH erhalten. Daneben konnten die Raumordnungsverfahren (12-Seemeilen-Zone) der Projekte "Sky 2000" und "Nordergründe", "Breitling" und "Baltic I" und "Ventotec Ost I" ebenfalls positiv abgeschlossen werden. Aber nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit expandiert der Markt für Windenergienutzung. Insgesamt wurden bis Ende 2004 etwa 47.600 MW Windenergieleistung installiert. Bis zum Jahr 2009 sollen weltweit weitere 50.000 MW hinzu kommen. Das entspricht einem Investitionsvolumen von mehr als 60 Milliarden Euro. Der weitere Ausbau konzentriert sich sehr stark auf Europa, wo in den nächsten fünf Jahren alleine 34.000 MW an neuer Leistung errichtet werden sollen. Besondere Potenziale bieten hier Spanien, Italien, Griechenland, Frankreich, UK und mittelfristig auch osteuropäische Länder wie z.B. Polen. Außerhalb Europas sind die USA weiterhin interessant, aber auch Kanada, Brasilien, Australien und China haben ambitionierte Ausbaupläne.

Neben dem Onshore-Bereich rückt die großtechnische Windenergienutzung-Offshore weiter in den Blickpunkt. Ende 2004 waren bereits mehr als 600 MW Offshore-Windenergieleistung weltweit installiert. Allerdings gab es im letzten Jahr einen herben Rückschlag. Alle 80 Vestas Gondeln des Offshore Windparks Horns Rev mussten wegen schadhafter Generatoren und Transformatoren demontiert, an Land repariert und dann wieder montiert werden. Die zwischen dem Hersteller Vestas und dem Betreiber Elsam abgestimmten Demontage- und Reparaturarbeiten verliefen reibungslos und konnten bis Ende 2004 vollständig abgeschlossen werden. Bedingt durch die negativen Schlagzeilen von Horns Rev gingen die positiven Ergebnisse (u.a. reibungsloser Betrieb, höhere Erträge) des Offshore-Windparks Nystedt und anerer Projekte leider total unter. Die Dynamik in diesem Segment wird besonders in Europa weiter zu nehmen aber die Risiken sind nicht zu unterschätzen und noch lange nicht vollständig erkannt. Besonders ambitionierte Ziele im Bereich Offshore wurden in United Kingdom gesetzt.

Aufgrund des enormen Wachstum in der Branche wurde in der Vergangenheit der Betrieb und Service der errichteten Anlagen oftmals vernachlässigt. Es mangelte an dem notwendigen Fachpersonal und teilweise auch an einer vernüftigen Ersatzteilversorgung seitens der Hersteller. Immer mehr Betreiber fordern hier mittlerweile eine professionelle Betreuung, mit hohen technischen Verfügbarkeiten der Anlagen. In diesem Bereich müssen weiterhin erhebliche Anstrengungen unternommen werden, da ansonsten u.a. auch die Versicherbarkeit von Windenergieanlagen gefährdet ist.

Zur Zeit werden in Deutschland primär Anlagen der 2,0 MW-Klasse aufgestellt. Für diese Anlagengröße liegen mittlerweile Erfahrungswerte vor, so dass die Stör- und Ausfallanfälligkeit dieser WEA im letzten Jahr stark reduziert werden konnte. Um die Fehlerfrüherkennung zu verbessern und damit größere Schäden zu vermeiden, werden verstärkt erfolgreich "Condition-Monitoring-Systeme" eingesetzt. Die Entwicklungsdynamik in der Anlagentechnik ist aber weiterhin sehr hoch. Neben mehreren Prototypen mit 4,5 MW Nennleistung wurde im letzten Jahr auch eine Anlage mit 5,0 MW errichtet

In den letzten Jahren haben sich eine Vielzahl von hochspezialisierten Windkraftprojektierern in Deutschland entwickelt. Dabei übernehmen diese Firmen nicht nur die Projektierung, sondern sind oftmals auch darüber hinaus für die Finanzierung und die spätere Verwaltung / Betriebsführung der Windparks verantwortlich. In diesem Bereich sind aktuell etwa 80-90 Unternehmen primär tätig, die mehr als 1.300 Mitarbeiter beschäftigen. Im vergangenen Jahr wurden hier allerdings weitere Arbeitsplätze abgebaut. Daneben gab es neue Insolvenzfälle.

Um fundierte Aussagen über die zukünftige Entwicklung in der Windbranche machen zu können, haben wir eine Marktbefragung unter 77 deutschen Windkraft-projektierern durchgeführt. Die Ergebnisse sind weiterhin ermutigend. In 2005 erwarten wir ein Wachstum von 8% auf 2.200 MW neu installierter Windenergieleistung.

In der vorliegenden Studie finden Sie neben unseren eigenen Ausarbeitungen zu den oben genannten Themenbereichen auch Fachbeiträge von Experten, die aus der Praxis heraus Ihre Erfahrungen und Kenntnisse einfließen lassen.

Die Studie umfasst ca. 200 Seiten und kann bei Övermöhle bestellt werden (als Booklet = 75,- Euro; als CD-Rom = 35,- Euro).

Quelle: Övermöhle Consult & Marketing GmbH, April 2005



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