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Renovieren mit Sonne und Regen

Fachbericht | Wörter: 659 | Aufrufe: 6723 | Druckbare Version

Renovieren mit Sonne und Regen

Praxisbericht vom Superniedrigenergiehaus Liebminger

Sonnenenergie steht dauerhaft zur Verfügung und Regenwasser erneuern sich ständig. Warum also nicht diese kostenlosen Ressourcen der Natur nutzen? Denn Sonne und Regen senden keine Rechnung und sind unerschöpflich.

Die vorbildhafte und einzigartige Althaussanierung "Wohnhaus Liebminger" weist diesen Weg des zukunftsfähigen Bauens. Es entstand dabei in Österreich ein ökologisches Superniedrigenergiehaus mit Anwendung der Sonnenenergie für Erwärmung des Brauchwassers und für Heizzwecke. Aber auch das Regenwasser wird gesammelt und für WC-Spülung, Reinigungszwecke, Wäschewaschen sowie zur Gartenbewässerung gebraucht.

Wohnhaus aus den 60er Jahren

Am Anfang war lediglich ein Zweifamilienwohnhaus vorhanden, welches in den wirtschaftlichen Aufbruchsjahren der 60er Jahre erbaut wurde. Einfach nur mit vier Hausecken und darüber ein Satteldach mit einer Dachfläche nach Süden. Große Fenster nach Süden kennzeichnen das Haus. Aber sonst ist es ein Haus wie jedes andere.

"Irgendwann stellte sich die Frage der Sanierung, denn am Dach gab es undichte Stellen", erzählt Leo Liebminger. "Eigentlich träumte ich immer schon, die kostenlose Sonnenenergie am Dach anzuzapfen", so der Eigentümer. Und aus dem Traum entwickelte sich der Plan eine große Solaranlage im Zuge der Dachsanierung zu bauen. Diese sollte das Wohnhaus mit Warmwasser und zum Teil auch mit Heizenergie aus der Sonnenwärme versorgen.

Solar - Sonnenklar

Im Jahre 1998, Anfang Mai, erfolgte der Startschuss für die Erneuerung des Hausdaches und der Bau einer Vakuumkollektoranlage. Die Entscheidung fiel zu Gunsten des Vakuumkollektors aus Gründen der höheren Solarerträge im Winter für den Heizeinsatz. Aber auch die Optik der notwendigen Aufständerung zur Optimierung der Sonnenstrahlung war beim Vakuumkollektor schöner.

Zur Speicherung der erneuerbaren Sonnenenergie stand im Keller schon ein 500 Liter Boiler bereit. Daneben wurden noch zwei 1.000 Liter Pufferspeicher zur Wärmespeicherung für Raumheizung installiert.

Im Sommer 1998 nahm die Solaranlage erfolgreich ihren Betrieb auf und sorgt nun Tag für Tag für warmes Wasser und größtenteils auch für die notwendige Heizenergie. Auch die beiden Geschirrspüler werden direkt mit solarem Warmwasser versorgt, was wertvollen und teuren Strom spart. Seit Sommer 2003 wäscht auch eine besondere Waschmaschine mit einem Warmwasser- und Kaltwasseranschluss im Haus. Über dem Warmwasseranschluss gelangt solares Warmwasser und über den Kaltwasseranschluss kommt Regenwasser in die Waschmaschine.

Wenn die Sonne mal nicht ausreicht, dann wird mit Holz oder mit einem Gasbrennwertkessel nachgeheizt.

Superniedrigenergiehaus

"Die Wärmedämmung der obersten Geschossdecke war der erste Schritt zum Superniedrigenergiehaus", erläutert Leo Liebminger. Nach der Dachsanierung erfolgte die Wärmedämmung der obersten Geschossdecke aus hochverdichteter Steinwolle und einem begehbaren sowie unbrennbaren Belag.

Durch die höhere Wohnqualität, Behaglichkeit und Einsparung der Wärmedämmung überzeugt, kam schon der nächste Gedanke des Bauherrns: Das Haus ringsum mit Wärmedämmung einpacken und die Fenster tauschen. Jedoch nicht nur die Wärmedämmfähigkeit der Baumaterialien sollte eine Rolle spielen, sondern auch die anderen bauphysikalischen Eigenschaften wie Wasserdampfdurchlässigkeit, Schallschutz, Brandschutz usw.

2003 war es soweit: Die Kellerwände dämmte man mit 13 cm dicken Schaumglasplatten die eine echte ökologische Alternative zum herkömmlichen wasserfesten Polystyrol sind. Schaumglas ist wie der Name schon sagt ein mit Kohlendioxid aufgeblähter Glassand. Bei den Außenwänden fand eine wasserdampfdiffusionsoffene Dreischichtwärmedämmplatte aus Steinwolle beidseitig kaschiert mit magnesitgebundenen Holzwolleleichtbauplatten Anwendung. Diese Wärmedämmplatte hat eine Stärke von 12,5 cm.

"Für mich war nicht nur die Wärmedämmung entscheidend, sondern auch die Ökologie der Baustoffe", unterstreicht Leo Liebminger wenn er auf die Fassade klopft.

Während der Fassadensanierung sind auch die Fenster gegen neue hochwärmegedämmte Holz-Aluminium-Fenster getauscht worden. Auch hier legte man große Sorgfalt an den fachgerechten Anschluss der Wärmedämmung an die Fenster.

Regen bringt Segen

Das Wasser rauscht durch die WC-Spülung und der Bauherr erklärt mit ruhigen Gewissen: "Wertvolles und kostspieliges Trinkwasser wird hier nicht mehr vergeudet!" Klospülung, Waschmaschinen, Gartenbewässerung und Reinigungswasserhähne werden mit glasklarem, geruchsneutralen und reinem Regenwasser bedient. Das Regenwasser wird über Dachflächen gesammelt und in einer unterirdischen Betonzisterne gespeichert. Von dort saugt ein Regenwassermanager das Regenwasser bei Bedarf eines Verbrauchers an und speist es in die Nutzwasserleitung ein.

Auch die Frau des Hauses bestätigt die neue Lebensfreude und Komfortsteigerung im alten und neuem ökologischen Superniedrigenergiehaus. Und der Bauherr plant schon wieder neue kühne Projekte: "Aus der Sonne Strom mit Photovoltaikzellen gewinnen, wenn es endlich dafür ähnliche Förderungen wie in Deutschland gibt".

Nähere Informationen:

net target=_blank>www.oekohaus.net

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