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Versorgungssicherheit mit Erneuerbaren Energien

Fachbericht | Wörter: 985 | Aufrufe: 6015 | Druckbare Version

Versorgungssicherheit mit Erneuerbaren Energien

Was schon geschehen ist und was noch getan werden muss

Die Abhängigkeit des gesamten Wirtschaftslebens von der elektrischen Energieversorgung ist nur Wenigen bewusst. Die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland ist derzeit kein Thema. Betrachtet man diese anscheinend so beruhigende Sicherheit genauer, fällt in erster Linie die Verfügbarkeit von Kraftwerken ins Auge, die Zuverlässigkeit des Stromnetzes und die Organisation der Zusammenarbeit.

Betrachten wir die Sicherheit allerdings langfristig, so gehört auch die Sicherheit der Brennstoffversorgung zwingend mit dazu. Hier steht es - wie übrigens in den meisten industrialisierten Ländern - nicht zum Besten. CO2-Emissionen, Gefahren der Atomenergienutzung, Importabhängigkeit und Endlichkeit der Ressourcen mögen als Stichworte genügen.

Die deutsche Politik hat - eher als die Politik der meisten anderen Länder - erkannt, dass gerade aus Gründen der langfristigen Versorgungssicherheit die Stromversorgung auf die heimischen Erneuerbaren Energien umgestellt werden muss.

Diese Umstellung verlangt aber mehr als nur den Ersatz von konventionellen Kraftwerken durch Anlagen der Erneuerbaren Energien. Auch bei einer Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien darf keiner der drei oben genannten Aspekte vergessen werden: Die Verfügbarkeit von genügend Kraftwerken, die Zuverlässigkeit der Stromnetze und die Organisation der Zusammenarbeit.

Unter Berücksichtigung der grundlegend anderen Eigenschaften der Erneuerbaren Energien sind hier aus technischen Gründen strukturelle Veränderungen notwendig. Wie weit der Gesetzgeber bereits das Erforderliche vorbereitet hat, oder wo er noch mehr tun sollte und könnte, soll im Folgenden etwas genauer betrachtet werden.

Der Aufbau einer neuen Art von Stromversorgung wird erhebliche Zeit benötigen. Wir wollen uns daran erinnern, dass der Wiederaufbau der deutschen Stromversorgung nach dem Krieg rund zwanzig Jahre gebraucht hat. Planen in weiträumigen Zeitbegriffen ist deshalb erforderlich.

Im zurückliegenden Jahr überschritt die aus Erneuerbaren Energien gewonnene Strommenge bereits deutlich die 10-Prozentmarke. Damit liegt Deutschland weltweit in der Spitzengruppe. Dies ist der Verdienst des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Hier gibt es nur wenig zu verbessern.

Technisch gesehen könnte das Tempo der Umstellung noch weiter gesteigert werden, wenn auch Windanlagen in windschwächeren Gebieten eine Vergütung nach EEG erhalten. So könnte das Windenergiepotenzial ganz Süddeutschlands erschlossen und die Entwicklung von Windanlagen für Schwachwindgebiete weiter vorangetrieben werden.

Das in der Präambel genannte Zwischenziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes - Ausbau auf 20 Prozent der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 – muss allerdings erheblich weiter gesteckt werden. 10 Prozent haben wir bereits erreicht. Vor dem Hintergrund, dass die Stromwirtschaft ihren atomaren Kraftwerkbestand (30% des gesamten Kraftwerksbestandes) und ihre veralteten konventionellen Kraftwerke (weitere 30% des Kraftwerksbestandes) – insgesamt also 60% - durch neue konventionelle Kraftwerke ersetzen will, zeichnet sich eine volkswirtschaftliche Fehlinvestition historischen Ausmaßes ab. Gelder, die in den Neubau von fossilen Kraftwerken investiert werden, sind für den Ausbau der Erneuerbaren Energien verloren. Nicht ein Ausbau der Erneuerbaren Energien nur um weitere 10 Prozent bis auf 20 Prozent, sondern auf 70 Prozent wäre deshalb das angemessene Ziel.



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Zunehmend gibt es Probleme bei der Umsetzung des EEG, die sich aus der Konzeption des deutschen Stromnetzes ergeben. Das deutsche Stromnetz ist konzipiert als ein Netz zum Verkauf von Strom aus zentralen Kraftwerken an eine Vielzahl von Kunden, die insbesondere in den Ballungsgebieten wohnen oder ihre Betriebe haben. Strom aus Windenergie und Biomasse wird im Gegensatz dazu im Wesentlichen auf freien Landflächen gewonnen. Dort ist - wegen der geringen Bevölkerungsdichte - das Netz nur schwach entwickelt.

Schon heute ergeben sich gerade in den dünn besiedelten Gebieten hohe Anschluss- und Netzverstärkungskosten für Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien. Diese werden weiter zunehmen. Noch wirkt es grotesk und ist offenbar eine Schutzbehauptung, wenn Netzbetreiber den Anschluss weiterer EE-Anlagen an sein Netz mit der Begründung verweigern, das Hochspannungsnetz sei überlastet und eine Abfuhr von noch mehr Windstrom aus dem Netzgebiet sei nicht mehr möglich.

Doch auf längere Sicht werden sich solche Situationen tatsächlich ergeben. Wir müssen uns schon jetzt darauf einstellen, dass die Umsetzung des EEG mit dem derzeitigen Stromnetz in dünn besiedelten Gebieten bald an ihre netztechnische Grenze stößt. Ein Netz zur Versorgung einer Industrienation mit Strom aus Erneuerbaren Energien muss die Aufgabe des dezentralen Energie-Einsammelns genauso gut bewältigen können, wie die Aufgabe des Energie-Verteilens. Hier sind noch technische Aufgaben zu lösen, die dem Aufbau des Versorgungsnetzes im vergangenen Jahrhundert entsprechen - eine hochwillkommene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im großen Ausmaß.

Ihre Finanzierung darf aber weder den Anlagenbetreibern noch den örtlichen Netzbetreibern in den dünnbesiedelten Regionen überlassen werden, sondern ist als nationale Aufgabe zu begreifen. Die Kosten - gleichgültig ob Netzanschlusskosten (bislang vom Anlagenbetreiber zu bezahlen) oder Netzverstärkungskosten (bislang vom Netzbetreiber zu bezahlen) sollten über eine bundesweite Ausgleichregelung erbracht werden.

Auch wenn bei ausreichender Anlagenzahl die jährlich bereitgestellte Energiemenge in der Summe bereits ausreichen wird, gilt es, die technischen Probleme zu lösen, die sich aus der Wetterabhängigkeit der meisten Erneuerbaren Energien ergeben. Die bisher angesprochene Lösung, mit Strom aus in Bereitschaft gehaltenen Biomasse-Spitzenlastkraftwerken alle Versorgungslücken zu decken, wird nicht ausreichen, da Biomasse nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht. Hier müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden, die bereits in geringem Umfang auch bei der bisherigen Organisation der Stromwirtschaft Verwendung finden. Es handelt sich um:

Finanzielle Anreize zur Verbesserung des Lastmanagements, d.h. Verteuerung von Strom zu Zeiten der Knappheit und Verbilligung zu Zeiten des Überflusses. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum Strom zu allen Tageszeiten und bei jeder Wetterlage den gleichen Preis haben muss. Das wirkungsvollste Instrument zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage - der freie Markt - kann und darf nicht auf Dauer aus dem Bereich der Stromwirtschaft herausgehalten werden. Die heutige Datenübertragungs- und Regelungstechnik erlaubt es, den Stromhandel bis in den Bereich der Haushaltskunden hinein nach Art einer automatisch funktionierenden Strombörse effektiver zu organisieren. Hierzu gilt es die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen.

Erhebliche Vergrößerung der landesweiten Stromspeicherkapazität durch Einbeziehung auch privater Speicheranlagen. Die wenigen Pumpspeicherkraftwerke der Stromwirtschaft werden nicht ausreichen. In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen, durch ein "Stromspeichergesetz" jedem Teilnehmer am Strommarkt einen Anreiz zu geben, in seinem Bereich Stromspeicher einzurichten. Wenn dies nach den Regeln des freien Marktes erfolgt, werden die wirtschaftlichsten Speichertechniken einen erheblichen Aufschwung nehmen. Dezentrale Speicherung erhöht außerdem im ganz großen Ausmaß die Ausfallsicherheit der Stromversorgung bei Unwetter- oder anderen Katastrophen.

Quelle: Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV), Dez. 2004



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