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Wasserstoffwirtschaft - was ist das eigentlich?

Fachbericht | Wörter: 491 | Aufrufe: 3454 | Druckbare Version

Wasserstoffwirtschaft - was ist das eigentlich?

Dr. Ulrich Schmidtchen, Geschäftsführer vom Deutschen Wasserstoff und Brennstoffzellen Verband e.V., 19. Okt. 2004

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst der Wasserstoff-Wirtschaft. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls manchmal bei der Zeitungslektüre. Merkwürdig nur, dass sich gar nicht in erster Linie Ölkonzerne, Kraftwerksbetreiber oder andere Vertreter alter Energien zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet haben. Wir finden unter den Treibern auch eine bunte Mischung von Ultrafuturisten, Öko-Fundamentalisten, Schweizer Methanolexperten und deutschen Ministerialbürokraten. Somit wird die Wasserstoffwirtschaft nolens volens selbst von diesen längst als eine Realität der nahen Zukunft anerkannt.

Schwierig ist nur, dass verschiedene Leute recht verschiedene Ansichten davon haben, wie genau sie aussehen soll. Manche haben völlig verdrehte Ansichten und ziehen dann gegen diesen selbst gebauten Popanz mit lautem Geschrei zu Felde. Darum sei hier einmal klargestellt, worum es dabei überhaupt geht.

Wir stehen vor dem doppelten Problem, dass einerseits die Erschöpfung der Vorräte an fossilen Energieträgern nicht nur mathematisch absehbar ist, sondern besonders beim Öl schon in recht naher Zukunft fühlbar werden wird. Zugleich dürfen wir selbst das Vorhandene aus Gründen des Klimaschutzes nicht ungehemmt in die Luft jagen. Die eigentliche Lösung dieses Problems ist keineswegs der Wasserstoff, sondern der Einsatz erneuerbarer Energiequellen.

Da diese Quellen aber nicht immer und überall zur Verfügung stehen und auch nicht immer die gewünschte Energieform liefern, braucht man Energieträger. Unter diesen wird global betrachtet sicherlich der elektrische Strom die Hauptrolle spielen, und zwar eine noch größere als heute. Aber man kann nicht jeden Ort ans Netz anschließen, und bei Fahrzeugen geht das schon gar nicht. Außerdem kann man Strom nur schlecht speichern. Also brauchen wir zusätzlich einen chemischen Energieträger. Wenn der genau so sauber und nachhaltig sein soll wie die erneuerbaren Quellen, führt kaum ein Weg am Wasserstoff vorbei.

Wasserstoff als Speicher und Träger von Energie wird ein wichtiges Element einer zukünftigen nachhaltigen Energiewirtschaft sein, aber keineswegs das einzige, nicht einmal das dominierende, zumindest nicht global betrachtet. Nur in bestimmten Bereichen, etwa als Kraftstoff, kann er wichtiger werden als der Strom, weil alle anderen alternativen regenerativen Kraftstoffe nur Nischenanwendungen ermöglichen würden.

Eine absolute und umfassende Wasserstoffwirtschaft wird es jedenfalls nie geben. Kein vernünftiger Mensch kann wollen, dass alle Energie erst in Wasserstoff umgewandelt wird und dieser dann wieder in Strom oder Wärme. Das wäre keine Energie?, sondern eine Entropiewirtschaft. Wer solche Ideen bekämpft, kämpft gegen ein Phantom und diskreditiert sich selbst.

Ein Energieträger kann natürlich nie sauberer sein als die Primärenergie, und billiger auch nicht. Vergleiche zwischen Öl- und dem Wasserstoffpreis sind sinnlos, weil wir nie dafür gezahlt haben, dass die Energie ins Öl hineingekommen ist. Die Sonne schickt uns keine Rechnung. (Das tun eher die Versicherungen, die mehr und mehr klimabedingte Schäden decken müssen.) Energie wird in Zukunft auf jeden Fall teurer sein als bisher, und das ist richtig so. Schließlich ist sie wertvoll.

Mittel- bis langfristig führt kein Weg an den erneuerbaren Primärenergien vorbei. Der Weg von dort zum Kunden aber, zumindest zu zahlreichen Kunden, führt über den Wasserstoff.



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