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Tankwagenunfall zeigt relative Sicherheit von Wasserstoff

Fachbericht | Wörter: 487 | Aufrufe: 9914 | Druckbare Version

Tankwagenunfall zeigt relative Sicherheit von Wasserstoff


Vancouver - Einer Brandkatastrophe ist der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller Ballard Power Systems an seinem Hauptsitz in Burnaby bei Vancouver entgangen. Ein nur zum Teil gefüllter Tanklaster mit tiefkaltem Flüssigwasserstoff in wärmeisolierten Stahlbehältern blies in den Abendstunden des 6. August den Treibstoff auf Grund eines technischen Defektes unkontrolliert ab. Der ausströmende Wasserstoff führte zu einer Explosion und einem nachfolgenden Brand. Die örtliche Feuerwehr kühlte den Tankwagen mit Wasser und evakuierte den Unfallort großräumig. Am nächsten Morgen bereitete ein Techniker des Gaslieferanten Praxair dem Spuk unspektakulär ein Ende, indem er ein Ventil schloss. Der Fahrer des Trucks wurde leicht verletzt, konnte jedoch sein Fahrzeug eigenhändig vom Gelände fahren. Laut Ballard entstand kein Sachschaden. Die geladene Menge Flüssigwasserstoff mit etwa sechs bar Druck hatte in gasförmigem Zustand ein Volumen von 8.500 Kubikmetern, vom Energieinhalt knapp 2.900 Litern Benzin entsprechend. Voll beladen hätte der Transporter die fünffache Menge gefasst.


Ballard Praxair Hydrogen Tanker Fire, 07.08.2004


Gasoline Tanker Fire Seattle/Washington, 13.07.2004


Nach Meinung von Fachleuten zeigt der Vorfall erneut, dass der extrem leichte Wasserstoff, der bei einem Leck sofort nach oben steigt, relativ sicher ist. Ein Benzintankwagen hätte bei einem ähnlichen Unfall zu einem Großbrand geführt. Der wesentliche Unterschied: Benzin und Benzindämpfe fließen am Boden entlang und das Feuer breitet sich aus. Wasserstoff hingegen brennt nach oben weg.

Die Wasserstoff-Tankwagen der US-Firma Praxair scheinen jedoch ein Problem zu haben. Während der vergangenen zweieinhalb Jahre bliesen neun von ihnen Wasserstoff ungewollt ab, sechs davon beim Befüllen und Entladen. Praxair betont, dass die Vorfälle während insgesamt 60.000 Wasserstoff-Lieferungen aufgetreten sind, spezifiziert aber nicht die Zahl der Großtransporte.

Im Mai 2003 entwich aus einem Tankwagen des Unternehmens nahe Los Angeles Hochdruckwasserstoff durch ein technisches Leck und führte zu einer Explosion mit einer 30 Meter hohen Stichflamme. Fahrer und Fahrzeug blieben auch hier unversehrt. Laut dem Bombenkommando der örtlichen Feuerwehr gab es schon vorher einen gleichartigen Wasserstoff-Unfall mit einem Tankwagen an derselben Praxair-Niederlassung.

Wie vom Pech verfolgt verlor ein Praxair-Tankwagen im September darauf im benachbarten Oregon seine Ladung während der Fahrt. Der beförderte Flüssigwasserstoff erwärmte sich durch einen technischen Defekt, verdampfte und baute dadurch Druck auf. Über ein Druckventil entwich er ins Freie ohne sich zu entzünden. Die Vorfälle haben gemeinsam, dass die Feuerwehren um den Unfallort weiträumig evakuieren und die Transporttanks etwa einen halben Tag kühlen, während der Wasserstoff abbläst.

Grundsätzlich haben Hochdruck-Wasserstofftanks für Innendrücke von mehreren Hundert bar eine erheblich höhere mechanische Festigkeit als solche für Flüssigwasserstoff, der mit nur geringem Innendruck befördert wird. Bei der Beschädigung der äußeren Armaturen kann dies jedoch unerheblich sein. Es kommt darauf an, dass diese gut geschützt werden.

Eine Alternative zum Straßentransport von Wasserstoff ist die Erzeugung vor Ort. Diesen Weg schlägt der japanische Autobauer Mitsubishi derzeit ein. Mit einer Investition von 14 Millionen Dollar werden in Vancouver Generatoren entwickelt, die mittels Elektrolyse aus Wasser und Strom Hochdruckwasserstoff erzeugen und keinen Kompressor benötigen. 2005 sollen die ersten Elektrolyseure für Wasserstoff-Tankstellen auf den Ma
rkt kommen.

Meldung & Fotos von Gerhard Wirsig, 17.09.2004

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