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Veranstaltungsreihe "WissensKulturAbend" in Berlin gestartet

Wertvolles Wissen liegt brach –; und wartet auf Neugierige

Berlin, 20. September 2007. Die Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens (GTIV) e.V. hat am Mittwoch im Energie-Museum Berlin ihre neue Veranstaltungsreihe „;WissensKulturAbend“; gestartet. Das Fazit: Wissen und Können sind als Ausprägung der Kultur einer Volkswirtschaft Basis der nachhaltigen Wertschöpfung. Deutschland leistet sich den verhängnisvollen Luxus, wertvolle, in Jahrzehnten teuer erworbene potenzielle Vermögenswerte in Gestalt hochqualifizierter Persönlichkeiten brach liegen bzw. abwandern zu lassen. Es ist an der Zeit, in der Öffentlichkeit und Politik das Bewusstsein für diese hausgemachte Bedrohung zu schärfen und konkrete Lösungsansätze anzubieten. Dazu dient diese Veranstaltungsreihe, die künftig alle halbe Jahre zu einer Institution einladen wird, die sich in herausragender Weise um die Sammlung, Pflege und Weitergabe von wertvollem Wissen verdient gemacht hat und rare Zeugnisse des technischen und wissenschaftlichen Könnens erhält.

GTIV-Präsident Dipl.-Ing. Dirk Pinnow legte in seiner Begrüßungsansprache die Finger in die Wunde der bundesdeutschen Gegenwart –; drei wesentliche Gründe hätten im Jahr 2004 dazu geführt, diese Gesellschaft ins Leben zu rufen:
1. Die Verödung großstädtischer Straßen: Dort wo über Jahrzehnte familiengeführte Gewerbe das Stadtbild prägten, breiteten sich nun Kettenläden, Discounter und andere Geschäfte aus, deren Nachhaltigkeit und Wertschöpfung zweifelhaft seien. Der Wegzug oder die Aufgabe eines kleinen Traditionsbetriebes sorge leider kaum für Aufmerksamkeit bei der Politik; gleichwohl gingen Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen –; und vor allem unersetzliches betriebliches Wissen und handwerkliches Können verloren.
2. Deutschland als Auswandererland: Anders als zu den historisch bedeutenden Auswandererepochen gingen heute nicht mehr die Benachteiligten, denen einst nur der Wille nach Veränderung geblieben war, sondern fast ausschließlich die Leistungswilligen, Flexiblen und Hochqualifizierten, die nun ihre Kreativität, ihren Innovations- und Schöpfungsgeist im Ausland auslebten. Auch Selbständige und mittelständische Unternehmer ziehe es mehr und mehr ins Ausland –; nicht selten in die unmittelbare Nachbarschaft Deutschlands.
3. Demographie bedroht Wissenserhalt: Nicht nur ungeklärte Nachfolgeregelungen bedrohten den Erhalt von betrieblichem Wissen, sondern auch ganz normale Übergänge in den Ruhestand. Während große Unternehmen und Organisationen inzwischen Programme auflegten, um das Wissen im Hause zu halten, seien die kleinen und mittelständischen Betriebe mit dieser Bedrohung überfordert und benötigten externe Hilfe.

Pinnow schlug den Bogen zum Veranstaltungsort des ersten WissensKulturAbends: Das Energie-Museum Berlin sei ein ausgezeichnetes Beispiel, wie „;Unruheständler“; ihr teures Wissen der Allgemeinheit und vor allem der jüngeren Generation zur Verfügung stellten, und dankte den Gastgebern für die Kooperation und für ihr Engagement.

Für den „;Förderkreis zur Sammlung historischer Anlagenteile und Geräte aus der Technik der Strom- und Wärmeversorgung Berlins e.V.“; sprachen Dr.-Ing. Klaus Bürgel und Dipl.-Ing. Peter Berger:
Dr. Bürgel erläuterte die Motivation seines Kollegiums: Man habe bei Eintritt in den Ruhestand die fachliche Tätigkeit nicht ruhen lassen können und daher den Verein gegründet, den man ohne Selbstzweckallüren betreibe, denn es ginge darum, das Wissen der Älteren an die jüngere Generation zu vererben und im Sinne künftiger Innovationen alte und bewährte Technik zum Anfassen zur Verfügung zu stellen. Elektrotechnikstudenten nutzten gerne die Möglichkeit, das universitär angeeignete theoretische Wissen durch Informationsbesuche im Energie-Museum praktisch zu untermauern.
Dipl.-Ing. Berger führte durch die Technikgeschichte des 1910/11 gebauten und in Betrieb genommenen einstigen Kohle-Kraftwerkes, dessen Brennstoffversorgung über den Teltowkanal erfolgt sei. Zu jener Zeit, als Steglitz noch kein Teil Berlins war, sei das aus heutiger Sicht geringe Leistungsvermögen von zweimal 3 Megawatt für die Versorgung der Umgebung ausreichend gewesen. Man habe damals auf dem Gelände gar Stangeneis für Kühlzwecke in Haushalten und Gewerbe produziert. 1923/24 sei dort das Fernheiznetz entwickelt worden. In den 1950-er Jahren habe man dann den Schritt zu einem Gasturbinen-Kraftwerk unternommen. Die Nachkriegszeit sei in besonderer Weise von der damaligen Situation als „;Strominsel“; geprägt gewesen –; die Elektrizität für den Westteil Berlins musste gänzlich abgekoppelt zuverlässig erzeugt werden. Die schlechte Speicherbarkeit von elektrischer Energie sei problematisch gewesen. Man habe dort schließlich ein 17-Megawatt-Batteriespeicherwerk errichtet. Er erinnerte an die schwierige Phase nach der Deutschen Wiedervereinigung, die erst 1994 durch die Netz-Zusammenführung in Berlin ihr Ende fand.
Dr. Bürgel ergänzte abschließend, dass die damalige BEWAG das zweitälteste Energieversorgungsunternehmen weltweit gewesen sei und aufgrund seines hochzuverlässigen Netzes gerade zu Zeiten der Teilung auch im Ausland großes Ansehen und eine Vorbildfunktion errungen habe.

Gestärkt von einem extra für diesen Abend konzipierten „;Internationalen Energie Büffet“;, das von einer Vorspeise in Form einer „;Thomas Alva Edison Soup“; über „;Robert Bosch Maultäschle“; als Hauptspeise bis hin zu „;Panna Cotta Conte Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Volta“; als Nachspeise reichte, wurden exemplarisch Schätze der reichhaltigen Sammlung begutachtet, deren Exponate die kulturelle Bedeutung der Technik anschaulich demonstrieren.

Weitere Informationen zum Energie-Museum Berlin: www.energie-museum.de

GTIV e.V. Geschäftsstelle
Dipl.-Ing. Dirk C. Pinnow
Köthener Straße 38 in 10963 Berlin
Tel./Fax: (030) 26 36 69 - 83 / - 85
E-Mail: pressegtiv.de
Website: www.gtiv.de

Der WissensKulturAbend ist u.a. der Erörterung folgender Fragen gewidmet:
Wie gehen wir mit Menschen als Wissensträgern und Wertschöpfern um, die in einer Epoche wirkten, in der wir selbst sozialisiert wurden –; gehören wir mit unserem Wissen nun alle „;ins Museum“;?
Sind Ausstellungen, Vorträge und Führungen in Museen nur eine historische Reminiszenz oder doch Basis einer im Aufbau befindlichen Wissensgesellschaft, die vorrangig auch schon Kinder und Jugendliche adressieren muss?
Was passiert eigentlich, wenn das beispielhaft ge- und versammelte Wissen verloren geht?
Vorgesehen ist die Durchführung des WissensKulturAbends zweimal jährlich. Als Veranstaltungsorte sind Museen, Sammlungen, Institute und Betriebe gefragt, die sich in besonderer Weise der Pflege und der Weitergabe des Vermögenswertes “;Wissen”; durch Forschung, Entwicklung, Lehre sowie Dokumentation und Publikation verschrieben haben und so dem Standort Berlin wie auch Deutschland einen dauerhaften Dienst erweisen.

Die GTIV hat sich die Aufgabe gestellt, durch interdisziplinäre Erforschung der Bewertung, der Nutzung, der Bewahrung und der Weitergabe immaterieller Vermögenswerte insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen am Standort Deutschland zur erfolgreichen Weiterführung ihres Betriebes zu verhelfen und somit die unternehmerische Kultur und die Wirtschaftskraft in Deutschland zu stärken.


News Quelle: @pressbot.net - Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens pressbot.net | Datum: 20.09.2007 | 3132 Mal gelesen






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