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Der Energieausweis im Detail erklärt

Was steht auf so einem "Energieausweis"?

Grundsätzlich besteht ein Energieausweis/Energiepass aus 2 Seiten.

Die Vorderseite:

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(1) Gebäude

Hier wird definiert, um welches Gebäude es sich handelt. In welchem Jahr das Gebäude erbaut wurde, kann für manche Förderungen wichtig sein.

Die Begriffe Grundstücksnummer und Einlagezahl definieren das Grundstück und sind bundesweit einheitlich. Somit ist das Gebäude einheitlich definiert.

Eine "Katastralgemeinde" ist ein Begriff, mit dem in Österreich (und teilweise noch in den anderen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie) eine kleine verwaltungsrechtliche Einheit bezeichnet wird.

 

(2) der Heizwärmebedarf, bezogen auf das Referenzklima

Der spezifische Heizwärmebedarf - also die Energiekennzahl, um die es eigentlich geht,  ist der gebräuchlichste Vergleichswert, um die thermische Qualität der Gebäudehülle zu beschreiben. Diese Energiekennzahl wird in kWh/m²a angegeben. Sie sagt aus, wieviel Energie Ihr Haus pro Quadratmeter Fläche im Jahr für die Raumwärme benötigen würde, wenn es am Referenzstandort stehen würde (also auf Basis eines Referenzklimas, nicht am tatsächlichen Standort). Damit ist dieser Wert zum Vergleich der thermischen Qualität von Häusern sehr gut geeignet. Um den Kennwert auf einen Blick abschätzen zu können wird er neben die farbige Skala in der entsprechende Kategorie gedruckt.
 

(3) Erstellt

Hier finden sich alle grundlegenden Informationen zu demjenigen Büro, das Ihren Energieausweis erstellt hat.

Rechts steht sowohl Erstellungs- als auf Gültigkeitsdatum es Dokumentes. Ein Energieausweis ist grundsätzlich 10 Jahre gültig, nach dem Ablauf dieser Zeit muss er neu erstellt werden!

Mit Firmenstempel und Unterschrift bestätigt das ausstellende Unternehmen die Richtigkeit des Ausweises.

 

Die Rückseite

Hier findet man die "Details" zu dem Wert, der auf der ersten Seite angegeben wurde:

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(4) Gebäudedaten:

Hier finden sich einige Werte, mit denen der Ausweis berechnet wurde:

Bruttogrundfläche:

Darunter versteht man die Fläche sämtlicher Geschoße, allerdings wird hier auch der Grundriss des Mauerwerkes mitgerechnet. Rechnet man die Summe der Nettoflächen (also der Flächen, die im Grundriss angegeben sind) mal 1,2 so erhält man den ungefähren Wert der Bruttogrundfläche.
 
Beheiztes Brutto-Volumen:

auch "umbautes, beheiztes Volumen" genannt. Dies errechnet sich aus der Bruttogrundfläche mal Bruttogeschoßhöhe (also Raumhöhe plus Dicke der Decken).
 

Die charakteristische Länge:

Diese ist ein Maß für die Geometrie eines Gebäudes und entspricht dem Kehrwert der Kompaktheit.
 

Die Kompaktheit:

Wird auch A/V-Verhältnis genannt und wiederspiegelt das Verhältnis der Außenhülle zum beheizten Volumen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Haus energiesparender ist, je kleiner dieser Wert ist.

Einen möglichst kleinen Wert erreicht man durch Reduzierung von Vorsprüngen und Ecken im Haus sowie Weglassen von Erkern und Auskragungen (Vermeidung von "Kühlrippen" beim Haus). Als angenehmer Nebeneffekt spart diese Bauweise übrigens auch Baukosten. Am kompaktesten ist die Kugelform, bei Gebäuden ist die Iglu-Form sehr kompakt. Reale Bauten sollten in Bezug auf das A/V-Verhältnis möglichst würfelförmig oder quaderförmig ausgeführt werden. Bei Einfamilienhäusern sollte ein A/V-Verhältnis von 0,8 nicht überschritten werden.
 

Mittlerer U-Wert:

Hier wird der mittlere Wert der gesamten Außenhülle angegeben. Der Wert hat das Maß W/m²K. Folglich wird angegeben, wieviel Energie (Watt) pro m² Außenhülle benötigt wird, um die Temperatur eines Gebäudes aufrecht zu halten, wenn die Temeraturdifferenz zwischen innen und außen 1K (entspricht 1°C) beträgt.
 

(5) Klimadaten

Heizgradtage

Die HGT sind die über alle Heiztage eines Jahres gebildete Summe der täglich ermittelten Differenz zwischen Raumlufttemperatur und mittlerer Tagesaußentemperatur. Es wird also an jedem Tag der Heizperiode (d.h. die mittlere Tagesaußentemperatur ist kleiner als die Heizgrenze von meist 12°C) die Differenz Raumlufttemperatur minus mittlere Tagesaußentemperatur gebildet. Diese Differenzen werden dann für jeden Tag der Heizperiode aufsummiert.
 

Heiztage

ist die Summe jener Tage, an denen im langjährigen Mittel durchschnittlich geheizt werden muss.
 

Normaußentemperatur und Soll-Innentemperatur

sind beides Normwerte, die der Berechnung des HWB zugrundeliegen. Beide werden durch gesonderte Normen definiert.

 

(6) Berechnungsergebnisse

HWBref

der Heizwärmebedarf, bezogen auf das Referenzklima wurde schon bei der Vorderseite definiert.
 

WWWB

ist der Warmwasserwärmebedarf, sprich jene Energiemenge, die zum Aufheizen des Warmwassers benötigt wird.
 

HTEB-RH

enspricht dem Haustechnikenergiebedarf für die Raumheizung. Hier fließt die "Nebenenergie" ein, also zum Beilspiel Energie für Pumpen, Bereitstellungsverluste bei Speichern, Leitungsverluste und ähnliches. Bestehen im Gebäude unnötig lange Leitungen oder ein viel zu großer Speicher, fließt das in diesen Wert ein.
 

HTEB-WW

entspricht dem Haustechnikenergiebedarf für die Warmwasserbereitung. Hier fließt die Nebenenergie, die für die Bereitstellung des Warmwasser verwendet wird, ein, also zum Beispiel Energie für Pumpen, Leitungsverluste bei Warmwasser- und Zirkulationsleitung und ähnliches. Je besser diese Leitungen gedämmt sind und je kleiner ein etwaiger Speicher ist, desto niedriger ist auch dieser Wert.
 

EEB

ist der Endenergiebedarf und ist die notwendige von außen zugeführte Energiemenge für Raumwärme und Warmwasser (zB. der Strom für die Wärmepumpe oder der Energieinhalt der gelieferten Pellets). Mit dieser wird also nicht nur der Bedarf für Heizung und Warmwasser gedeckt, sondern auch alle Verluste, die dabei entstehen.