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Beimischung von Biokomponenten zum Diesel-Kraftstoff

Thema: Bioenergie | 21.01.2004 | Aufrufe: 9918 | Bewertung: (7 Bewertungen)

Die Deutsche BP und Shell starten als erste Mineralölgesellschaften in Deutschland mit der Beimischung einer Biokomponente in konventionellen Dieselkraftstoff: Ab Anfang Februar wird zunächst örtlich begrenzt Rapsölmethylester eingesetzt...

Die BP Raffinerie in Gelsenkirchen-Horst wird dem dort produzierten Dieselkraftstoff maximal bis zu 5 Prozent Rapsölmethylester (RME) zumischen. Anfang März folgt die Raffinerie in Lingen. Im Laufe des Februars wird somit erstmals Dieselkraftstoff mit Biokomponenten-Anteil an deutschen Tankstellen ausgeliefert.

Wilhelm Bonse-Geuking, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen BP AG (s. Foto), erklärte aus diesem Anlass: "Wir garantieren unseren Kunden, dass der Dieselkraftstoff mit Biokomponente alle Normen und gesetzlichen Anforderungen erfüllt, die in enger Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie erarbeitet wurden. Er erfüllt aber auch die darüber hinausgehenden, strengen Qualitätsstandards von BP und Aral. Unsere Kunden können ihn daher ohne Bedenken tanken."

Shell Deutschland Oil wird ebenfalls im Februar mit der Beimischung von Biokomponenten in Dieselkraftstoff beginnen. Deren Kraftstoff wird zunächst im Berliner Raum angeboten und maximal 5 Prozent Rapsölmethylester (RME) enthalten. Dr. Josef Waltl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Shell Deutschland Oil GmbH, sagte dazu: "Wie bei allen unseren Produkten garantieren wir natürlich auch hier die Shell Qualität und Einhaltung der Kraftstoffnormen.“

Weitere Projekte bei Shell zum Einsatz von Biokomponenten befinden sich in Planung. So wird Shell in Kürze den Vertrieb von Superbenzin aufnehmen, dem ETBE (Ethyl-Tertiär-Butyl-Ether) aus Bio-Ethanol beigemischt wird.

Die Europäische Union (EU) hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Biokomponenten in Kraftstoffen innerhalb der EU zu steigern, um so unter anderem die Abhängigkeit von Rohölimporten zu senken. Eine entsprechende EU-Richtlinie sieht vor, dass der Anteil von Biokomponenten in Kraftstoffen in den Mitgliedsstaaten bis zum 31. Dezember 2005 rund 2 Prozent erreichen soll. Um die Umsetzung dieser Richtlinie zu fördern, hat die Bundesregierung beschlossen, ab 1. Januar 2004 Biokomponenten, die dem Kraftstoff beigemischt werden, von der Mineralölsteuer zu befreien. Erlaubt und von der Steuer ausgenommen wird zum Beispiel die Beimischung von bis zu 5 Prozent Rapsöl-Methylester in Dieselkraftstoff.

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die steuerliche Entlastung die tatsächlichen Mehrkosten für die Herstellung der Gemische nicht übersteigen darf. Daher ist eine deutliche Senkung der Kraftstoffpreise aufgrund der Steuerbefreiung auf Bio-Anteile im Kraftstoff unrealistisch, weil:
- Biokomponenten bereits in der Herstellung deutlich teurer sind als herkömmliche Kraftstoffkomponenten.
- zusätzliche Kosten bei der Beimischung, in der Lagerhaltung und in der Logistik anfallen.
- Nach der Zumischung von Biokomponenten zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung der Kraftstoffqualität erforderlich sind.

Offen ist derzeit noch, wie die Versorgung mit ausreichenden Mengen an Biokomponenten sichergestellt werden soll, denn bei einem gegenwärtigen jährlichen Kraftstoffabsatz in Deutschland von rund 53,7 Millionen Tonnen werden rund 2,7 Millionen Tonnen Biokomponenten benötigt, um eine 5%ige Beimischung bei den Kraftstoffen zu erreichen. Die aktuellen Produktionskapazitäten in Deutschland reichen aber dafür nicht aus.

Der Dieselkraftstoff mit 5%igem Bio-Anteil darf nicht verwechselt werden mit reinem Biodiesel (100 % RME), welcher heute bereits stellenweise im Markt eingeführt ist. Dieser ist von der Mineralölsteuer befreit und wird etwa 10 Cent günstiger angeboten als konventioneller Diesel. Rund 700.000 Tonnen Biodiesel im Jahr werden gegenwärtig in Deutschland abgesetzt. Davon werden rund 70 Prozent direkt an Lkw-Flotten geliefert und etwa 30 Prozent über Tankstellen an Endkunden verkauft.

Wegen bestimmter produktspezifischer Eigenschaften des reinen 100%igen Biodiesels sollten Kunden unbedingt darauf achten, ob der Hersteller ihres jeweiligen Pkw-Modells eine gesonderte Freigabe erteilt hat. Ansonsten gehen Gewährleistungsansprüche verloren.
Quellen: Shell & BP
Foto: obs/Deutsche BP AG


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