Zum Inhalt springen

Strommarktreform und die Aussichten für die Biogaswirtschaft

Thema: Bioenergie | 05.04.2016 | Aufrufe: 81 | Bewertung: (0 Bewertungen)

Am Mittwoch haben Energieexperten die Pläne zum Strommarktgesetz von Sigmar Gabriel, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister, scharf kritisiert. Sie bezeichneten die Reformpläne bei einer Anhörung im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie als „Innovationsbremse“ und als „ineffizient“. Zustimmung zu den Reformen kam dagegen nur von sehr wenigen Experten.

Kernpunkt bei den Plänen ist es, dass eine Kapazitätsreserve eingeführt werden soll. In diese sollen die Braunkohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2.700 Megawatt überführt werden. Kommt es zu einem Engpass bei der Stromerzeugung bzw. –lieferung, so könnten die Braunkohlekraftwerke kurzfristig wieder genutzt werden. Für die Bereithaltung der Kraftwerke muss allerdings der Stromkunde zahlen. Schon im letzten Jahr hatten Klimaschützer die Einführung einer solchen Reserve heftig kritisiert.

Worin sehen die Experten die Probleme der Energiereserve?

Eva Hauser vom Institut für Zukunfts-Energie-Systeme (IZES) hatte es in der Anhörung als „schwer vorstellbar“ angesehen, dass ausgerechnet die wenig flexiblen Braunkohlekraftwerke als Reserve für Stromengpässe eingesetzt werden sollen. Tobias Paulun von der Leipziger Strombörse EEX kritisierte das Vorhaben ebenfalls. Er setzt sich generell für einen grenzübergreifenden Stromausgleich ein, statt für die Schaffung einer Reserve und forciert eine europäische, statt einer rein deutschen Lösung.

Kapazitätsregelungen führen zudem laut Christoph Maurer vom Energieberatungsunternehmen Consentec zum Aufbau von Überkapazitäten. Lediglich der Professor Christoph Weber an der Uni Duisburg-Essen hält die Kapazitätsreserve zumindest als Übergangslösung für geeignet.

Biogasanbieter kritisieren Stromreserven ebenfalls

Kritik kam außerdem vom Biogasrat. Der Dachverband der Biogaswirtschaft bezeichnete die geplanten Reformen sogar als „Fehlentwicklung“. Die Strommarktreform führe dazu, dass kleinere Stromproduzenten, wie Biogasanlagenbetreiber, vom Markt verdrängt werden, obwohl sie die Kohlekraftwerke ersetzen könnten. Janet Hochi, Chefin beim Biogasrat, geht sogar so weit, dass die Biogasbranche mit der aktuellen Reform „systematisch zerstört werde“.

Kritik kommt von Hochi aber auch an der „Entweder-Oder-Regelung“ für erneuerbare Energien. Aktuell kann der erzeugte Strom vergütet werden, für die dezentrale Stromversorgung genutzt, kann er jedoch auch von der Stromsteuer befreit werden. Das Wirtschaftsministerium sieht darin eine Überförderung der erneuerbaren Energien und will daher nur noch eine von beiden Förderungen zulassen. Hochi beklagt dies massiv. Zum einen sind schon seit der EEG-Novelle 2014 kaum mehr neue Biogasanlagen entstanden, zum anderen das Ausbauziel der Regierung von 100 Megawatt massiv verfehlt worden. Kritik kommt auch deshalb an diesem Punkt, weil sich der Bundesrat bereits für das parallele Weiterlaufen beider Förderungen ausgesprochen hat.

Ganz klar für die Biogasanlagen spricht nämlich, dass sie unabhängig von Wind und Wetter sind und flexibel Strom produzieren können. Mit ihnen könnte die Versorgungssicherheit bei einer besseren Klimabilanz als bei klassischen Kohlekraftwerken gewährt werden. Allerdings hat man den Zubau der Bioenergie schon 2014 auf 100 Megawatt pro Jahr beschränkt. Auch die Förderungen wurden stark abgesenkt. Ab 2020 geht man von stark sinkenden Zahlen der Biogasanlagen aus, da die ersten Förderungen dann auslaufen und sich der Betrieb der Anlagen nicht mehr rechnet.



Diesen Artikel empfehlen:







nutzlos nutzlos
brauchbar brauchbar
nützlich nützlich
interessant interessant
sehr interessant sehr interessant


Hier versenden Sie den Artikel Strommarktreform und die Aussichten für die Biogaswirtschaft:

Name Absender

E-Mail Absender

Name Empfänger

E-Mail Empfänger

ANTI-SPAM Frage:
Welche Farbe hat ein türkisfarbener Himmel?


Next Kraftwerke weitet Virtuelles Kraftwerk nach Polen aus
16.06.2016 | 514 Aufrufe

Kraft-Wärme-Koppelung: Gesetz der Regierung verfehlt Klimaziele
11.11.2015 | 671 Aufrufe

Ausbau Windenergie 2015: Verschnaufpause für die deutsche Windindustrie
30.07.2015 | 281 Aufrufe

Messeförderung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Niedersachsens auf der HANNOVER MESSE 2015
10.11.2014 | 414 Aufrufe

7. Biogas in Offenburg mit Experten zur konkreten Marktentwicklung
29.09.2014 | 202 Aufrufe