 | Thema Brennstoffzellen vom 17.09.2002 @ 14:28:06 CEST
Was ist der „Mehrwert“ von Brennstoffzellen?
Eine inspirierende Diskussionsrunde über den „Mehrwert“ von Brennstoffzellen hat am 12. und 13. September auf der internationalen Tagung „Market Challenges of Fuel Cell“ in Berlin stattgefunden. Die Gesellschaft für Energiewissenschaft und Energiepolitik e.V. (GEE) hatte gemeinsam mit dem an der TU-Berlin neugegründeten Brennstoffzellen-Institut „Fuel Cell and Hydrogen Research Centre“ diese Veranstaltung organisiert und für gute, wissenschaftliche Vorträge gesorgt...
Gleich am Morgen des ersten Tages sorgte Ferdinand Panik, Leiter des Projekthauses Brennstoffzelle von DaimlerChrysler, mit seinem Vortrag über die Vermarktungsstrategie seines Unternehmens für viel Gesprächsstoff. Seiner Meinung nach wird Wasserstoff zukünftig in Brennstoffzellen vornehmlich im Flottenbetrieb eingesetzt werden. Dabei verwies er auf die 30 Citaro-Busse, die ab 2003 in Europa zum Einsatz kommen sollen. Für den Pkw-Massenmarkt sieht er andere Optionen und sprach von flüssigen Wasserstoff-Lieferanten, wobei unklar blieb, ob er sich dabei auf Methanol, synthetisches Benzin oder Natrium-Borhydrid bezog.
Eng mit diesem Thema verknüpft war die Frage, was zuerst kommen wird, die serienmäßige Einführung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen oder der flächendeckende Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur. Gemäß einer Studie von der University of Michigan wären zunächst 4.500 H2-Tankstellen in den USA notwendig, bevor es sich überhaupt lohnen würde, den serienmäßigen Einsatz von BSZ-Fahrzeugen in Angriff zu nehmen.
Am gesamten zweiten Tag stand die Debatte über den „Mehrwert“ neuer Technologien im Mittelpunkt. Die meisten der 50 interessierten Teilnehmer waren sich darüber einig, dass die Brennstoffzellen-Technik nur eine Chance haben wird, wenn ihre Vorteile gegenüber anderen Techniken deutlich herausgestellt wird. Der zusätzliche Nutzen müsse einen zunächst notwendigen Aufpreis rechtfertigen können. Als Möglichkeit der Etablierung wurden diverse Nischen-Märkte genannt, in denen sich Brennstoffzellen zunächst behaupten müssten, bis gesteigerte Absatz-Zahlen die Kosten reduzieren könnten.
Ein großes, potentielles Absatz-Gebiet für den Einsatz von Brennstoffzellen für mobile Anwendungen könnte Asien sein. Dort werden gemäß den Ausführungen des Taiwan Institute of Economic Research etwa 11,7 Mio. Motor-Roller betrieben, von denen ein großer Anteil zukünftig mit einem BSZ-Antrieb betrieben werden könnte. Es gibt bereits einen Prototypen (ZES III von APFCT), der Wasserstoff in einem Metallhydrid-Tank mitführt und knapp 60 km/h erreicht. Die Vermarktung des Nachfolgemodells ZES IV ist für 2004 vorgesehen.
Die Veranstalter zeigten sich überaus zufrieden mit dem gesamten Verlauf der Tagung und sprachen von „einem vollen Erfolg“. Ihr Konzept, bei dem weniger auf Masse, sondern eher auf Klasse gesetzt worden sei, habe sich bewährt.
 Sven_Geitmann
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