 | Thema Umwelt/ Energiesparen vom 13.07.2011 @ 16:05:26 CEST
Der Widerstand gegen CO2-Speicherung formiert sich
Am 7. Juli hat der Bundestag mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition ein Gesetz zur Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen – das sogenannte CCS-Gesetz - verabschiedet. Damit ist der Weg frei für die Erprobung der umstrittenen unterirdischen Lagerung des Treibhausgases.
CCS steht für „Carbon Capture and Storage“ und bezeichnet ein Verfahren, bei dem Strom aus Kohle gewonnen wird, ohne dabei CO2-Emissionen zu verursachen. Die Abgase von Kraftwerken und Industrieanlagen werden dabei nach der Verbrennung der Kohle abgeschieden und per Leitung in die Erde gepumpt – oder besser: gepresst, denn das Ganze funktioniert nur mit erheblichem Druck. Besonders gut geeignet für diese Speicherung sind poröse Gesteine, die viel Kohlendioxid aufnehmen können. Viele Regierungen versprechen sich davon einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz und Firmen hoffen, sich von der Pflicht zum Kauf von CO2-Verschmutzungszertifikaten zu befreien. Damit darf man die Interessenlage als geklärt betrachten.
Die internationale Energieagentur hat in einer Roadmap beschrieben, dass bis zum Jahr 2050 20% der geplanten CO2-Reduzierung auf diese Art und Weise geschehen soll. Alle europäischen Staaten – und vor allem Deutschland - setzen daher auf CCS als zukunftweisende Technologie. Es ist ja auch zu verlockend: Man pumpt das Gas einfach hunderte von Metern tief in den Erdboden und schon hat man eine Sorge weniger.
Aber ganz so einfach und sauber könnte die Angelegenheit doch nicht werden. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ hat ja bereits bei anderen Endlagern nicht wirklich funktioniert. Gegner der Technologie sehen mehrere Gefahren bei ihrer Umsetzung. Zunächst einmal, so sagt beispielsweise Reinhard Knof, Sprecher der Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager e.V., bestehe die Gefahr, „dass bei der Abscheidung oder beim Transport CO2 entweicht. Vor allem aber könnte das Gas salziges Mineralwasser im Erdreich nach oben drücken und das Grundwasser versalzen.“ Dieses Szenario ist nicht von der Hand zu weisen, denn dort, wo das CO2 eingelagert werden soll, ist salziges Wasser häufig aufzufinden.
Als besonders geeignet für die Lagerung von CO2 werden viele Flächen in Norddeutschland ausgewiesen, weil die Region als Sedimentbecken über die geeigneten Gesteinsschichten verfügt. Da wundert es nicht, dass sich besonders hier Widerstand regt. Aber auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind Endlager geplant. Hier gibt es ebenfalls aktive Bürgerinitiativen. Ob hier eine Bewegung im Entstehen begriffen ist, die mit der Anti-AKW-Bewegung vergleichbar sein wird, muss man abwarten. Sicher scheint aber, dass die CCS-Gegner sich lautstark und phantasievoll Gehör zu verschaffen wissen.
Wer sich einen Überblick über die Bürgerinitiativen und ihre Projekte verschaffen möchte, wird hier fündig:
Bürgerinitiative gegen das CO2-Endlager e.V.
Bürgerinitiative Kein CO2 Endlager Altmark, Sachsen-Anhalt
Bürgerinitiative CO2ntra Endlager Neutrebbin, Brandenburg
Bürgerinitiative CO2 Endlager stoppen e. V. Beeskow, Brandenburg
CCS-Protest ist ein Projekt der BI CO2-Endlager stoppen e. V.
Bürgerinitiative Gesundheit und Klimaschutz Unterelbe/Brunsbüttel
Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW)
Neue Bürgerinitiative gegen CCS-Technologien
Autor: jb
 oak-media
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