 | Thema Fahrzeuge & Mobilität vom 03.05.2010 @ 17:08:03 CEST
Pro & Kontra E-Mobilität
Anlässlich des Gipfeltreffens führender Automobilisten mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich die öffentliche Diskussion um ein Für und Wider Elektromobilität verschärft. Während die Vertreter der Automobil- und Energiewirtschaftsbranchen diesen Termin für groß angelegte Marketing-Kampagnen nutzen, warnen Umweltschutzverbände vor überzogenen Erwartungen und „undifferenzierter Euphorie“. .
Konkret forderten BUND, DUH, Greenpeace, NABU und VCD vier Tage vor dem Kanzlerinnengipfel in einer gemeinsamen Pressekonferenz einen Realitätscheck für Elektromobilität.
Die Verbände kritisierten, Elektromobilität brächte den Klimaschutz nicht voran. Sie bemängelten weiterhin, die Regierung vernachlässige ihre eigenen Klimaschutzziele und folge einseitig den Interessen der Industrie. Nach Ansicht der Umweltverbände sollten Milliardensubventionen besser in klima- und umweltverträgliche Mobilität für alle fließen.
Alle Verbandsvertreter sprachen sich gegen eine finanzielle Unterstützung von E-Autos aus. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V., erklärte gegenüber der Presse: „Wir haben alle größte Zweifel.“ [...] „Wir brauchen bei 100% der Fahrzeuge Entwicklungsvorgaben zur Effizienzsteigerung ohne Technikvorgaben.“ Für ihn heißt Elektromobilität: „Zurück in die Zukunft“ oder besser: „Zurück in die Vergangenheit“, da aus seiner Sicht die Anzahl der E-Fahrzeuge über die vergangenen 100 Jahre eher ab
- als zugenommen hat. Auch Dietmar Oeliger, Naturschutzbund Deutschland, sprach sich für „technikneutrale Verkaufsanreize“ und „gegen Verkaufsprämien“ aus.
Am deutlichsten wandte sich Wolfgang Lohbeck, Greenpeace Deutschland, gegen diesen neuen E-Mobilitäts-Hype: „Grüner Strom im Auto ist Unsinn im Quadrat.“ Er bezichtigte RWE der Lüge, wenn der Energieversorger behaupten würde, „es käme grüner Strom ins Auto z.B. von der Mosel.“
Thorben Becker, Verkehrsexperte beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V., ging auf die Bereitstellung erneuerbarer Energien ein und vertrat die Meinung, der bereits vorhandene Ökostrom würde an anderer Stelle dringender benötigt: „Wir haben keinen Strom aus Erneuerbaren über.“ Dass es insbesondere bei Windkraftwerken durchaus Überkapazitäten gibt, wollte er auch auf Nachfrage der Redaktion nicht gelten lassen.
Gerd Lottsiepen, Verkehrsclub Deutschland, trat dafür ein, jetzt endlich die Farb-Skala zur Bewertung umweltfreundlicher Fahrzeuge einzuführen, wie sie auch schon bei Küchengeräten und Glühbirnen in Anwendung ist. Weiterhin sagte er: „Den Leuten muss gesagt werden, dass Mobilität in Zukunft teurer wird.“
Schlagworte: Industrie Elektromobilität Realitätscheck Klimaschutz E-Fahrzeuge grüner Strom erneuerbarer Energien
 Redaktion
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