Thema Brennstoffzellen vom 14.04.2010 @ 16:46:16 CEST
Bloom Box bei eBay, FedEx, Google und Walmart im Test
Monatelang hüllte sich Bloom Energy in Schweigen. Auf der Homepage war lediglich ein Werbe-Trailer ohne konkrete Inhalte zu sehen. Klar war nur, bei dem Start-up aus Kalifornien geht es um saubere Energie, wahrscheinlich um keramische Brennstoffzellen. Am 22. Februar 2010 lüftete Dr. K. R. Sridhar nun das Geheimnis: Bloom Energy arbeitet seit mittlerweile neun Jahren an Hochtemperatur-Brennstoffzellen und hat bereits erste Systeme bei großen US-amerikanischen Firmen im Feldtest...
Die Vorgehensweise unterscheidet sich gänzlich von den bisherigen Gepflogenheiten in der Brennstoffzellenbranche: Anstatt anzukündigen und dann nicht liefern zu können, sagt Bloom Energy lange nichts und zeigt dann, was alles schon da ist – und das ist beachtlich. Das Unternehmen aus Sunnyvale, USA, verfügt bereits über Fertigungsstrukturen wie in der konventionellen Heizungsbranche. Der Unterschied ist lediglich, dass am Firmensitz in Kalifornien keine veralteten Ölbrenner gebaut werden, sondern moderne Brennstoffzellen-Heizgeräte – eine Bloom Box pro Tag. Wem das wenig erscheint, dem sei gesagt, dass dies in der BZ-Branche einer Revolution gleich kommt, da andernorts noch mühsam einzelne Anlagen in wochen- wenn nicht sogar monatelanger Handarbeit zusammengeschraubt werden.
Die Technik, die dahinter steckt, stammt ursprünglich aus der Weltraumforschung. Für eine Marsmission der NASA konzipierte der aus Indien stammende Sridhar vor etwa zehn Jahren ein Gerät zur Sauerstofferzeugung. Da dies dann doch nicht benötigt wurde, funktionierte er es um und nutzt es nun zur Stromerzeugung auf der Erde. Im Jahr 2001 gründete er zunächst Ion America. 2002 stießen John Doerr und Kleiner Perkins, der bereits bei anderen Firmengründungen (z.B. Google, Amazon, Netscape) frühzeitig mit an Bord war, als erste Investoren hinzu. In den Folgejahren entwickelten die Ingenieure in Silicon Valley die Technik vom Prototyp zum Produkt und lieferten 2006 das erste 5-kW-Feldtestgerät an die Universität von Tennessee, Chattanooga. Im Juli 2008 folge die erste kommerzielle 100-kW-Anlage, die an Google ausgeliefert wurde.
Zum
Einsatz kommt eine Festoxid-Brennstoffzelle, die nach Auskunft der Universität von Tennessee einen Wirkungsgrad von 60 % aufweisen soll. Kernstück des Systems sind quadratische etwa 10 cm große Fachzellen, die etwa jeweils rund 25 W leisten. Ein etwa 15 cm hoher Stack reicht nach Aussage von Sridhar aus, um ein europäisches Einfamilienhaus mit Energie zu versorgen, zwei dieser Stacks reichen für ein amerikanisches. Das gesamte System weist die Größe eines Kleinwagens auf und kann 100 Haushalte oder ein Bürogebäude mit Strom versorgen.
Im Februar 2010 stellte Bloom Energy weitere seiner Bloom Boxes vor, die bereits seit mehreren Monaten auf dem Gelände der Firmenzentrale von eBay in San Jose stehen und 15 % der Serverkosten abdecken. Weitere Testkunden sind Coca-Cola, FedEx und Walmart. Eine dieser Systeme kostet rund eine halbe Millionen Euro. Der Zielpreis für eine Einfamilienhausversion liegt bei knapp 2.500 Euro. Bei der Präsentation waren neben dem ehemaligen US-Außenminister und heutigem Aufsichtsratsmitglied Colin Powell auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger sowie der Google-Gründer Larry Page vertreten.
Autor: Sven Geitmann
Schlagworte: Firmen Inhalte Brennstoffzellen Feldtest Energie Test Systeme
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