Thema Brennstoffzellen vom 02.10.2009 @ 15:31:15 CEST
Brennstoffzellen-Branche diskutiert über Elektroautos
Das Thema Elektromobilität zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte f-cell- Symposium, das vom 27. bis 28. September zum neunten Mal in Stuttgart stattgefunden hat. Überall begegneten den Besuchern elektrische Antriebe: fast ein Viertel der 58 Referenten sprach über Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge, und auch in den Pausen diskutierten die Teilnehmer meist über Hybrid-, Plug-In- oder rein elektrische Fahrzeuge...
Draußen vor dem Haus der Wirtschaft stand ein HydroGen4 von General Motors für Probefahrten zur Verfügung, und während der Exkursion am dritten Veranstaltungstag wurde die Wasserstofftankstelle am Flughafen Stuttgart sowie die gerade erst vorgestellte B-Klasse von Daimler besichtigt.
In den Symposiumsvorträgen der Referenten wurde ausführlich erläutert, dass einerseits die baldige Markteinführung von Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeugen angepeilt wird, dass es andererseits aber tatsächlich auch noch viel zu tun gibt. Ausnahmslos bestätigten die Redner unterschiedlicher Autohersteller, es gäbe immer noch zahlreiche technische Probleme bei den Brennstoffzellen, die zwar zu bewältigen seien, aber noch Zeit benötigten. Insbesondere der Preis ist immer noch weit vom Zielwert entfernt, so dass mit einer Vermarktung frühestens 2015 zu rechnen ist.
Ähnliches war von der Batterietechnik zu hören. Sehr viel mehr Referenten als in den Vorjahren gingen in ihren Präsentationen ausführlich auf elektrisch betriebene Fahrzeuge, egal ob mit oder ohne Brennstoffzelle, sei es mit Range Extender oder Aufladevorrichtung, ein. Es bestand große Einigkeit darüber, dass auch reine Batteriefahrzeuge noch mehrere Jahre benötigen werden, bevor sie in größerer Stückzahl den Weg auf die Straße finden werden. Gleichzeitig stimmten alle darin überein, dass Batterie- und Brennstoffzellenautos nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern je nach Einsatzgebiet ihre Existenzberechtigung haben: die rein batteriebetriebenen Modelle fast ausschließlich im Stadtbereich, die BZ-Modelle auch für die etwas längere Fahrt über Land und Autobahn. Dr. Jörg Wind, bei Daimler zuständig für Elektrofahrzeugforschung, erklärte stellvertretend für alle: „Ein Entweder-Oder gibt es nicht.“
Auch auf anderer Ebene wurde deutlich, dass sich Batterie- und Brennstoffzellentechnik gegenseitig benötigen und viel miteinander zu tun haben. So stellte die Moehwald GmbH, ein Tochterunternehmen von Bosch, auf der begleitenden Messe (insg. rund 40 Stände) neben ihren bereits bekannten BZ-Testständen erstmalig auch eine Prüfanlage für Batterien vor. Neu auf der f-cell Messe war Serenergy A/S. Das Unternehmen aus Hobro war extra aus Dänemark angereist, um erstmalig in Deutschland ihr Serenus-166-Modul vorstellen zu können (s. Foto). Das vor nicht einmal drei Jahren gegründete Unternehmen präsentierte sein Konzept für ein kompaktes Hochtemperatur-PEM-Brennstoffzellensystem, in dem Membranen von BASF Fuel Cell zum Einsatz kommen und das 900 Watt Nomi
nalleistung liefert. BZ-Systeme von Serenergy sind bereits in dem Motorsegler Antares DLR-H2 im Einsatz.
Ebenfalls neu in Stuttgart war die borit Leichtbau-Technik GmbH. Als Ableger des Stahlkonzerns ArcelorMittal verfügt borit über umfassendes Know-how im Stahlbereich und beschäftigt sich mit der Hydroverformung von metallischen Bipolarplatten. Für kleine Abmaße (bis ca. 25 cm) hat das Unternehmen aus Herzogenrath ein materialschonendes Verfahren für die Serienproduktion entwickelt und baut für größere Komponenten gerade eine neue Filiale in Zelzate, Belgien, auf. Mit Bipolarplatten beschäftigt sich auch die in der Stuttgarter Region ansässige Fix Maschinenbau GmbH, eine Tochter der UTZ-Gruppe. Die Firma ist auf Montageautomation spezialisiert und hat erst kürzlich eine eigene Brennstoffzellenabteilung aufgebaut, die unter anderem am Zentrum für Brennstoffzellentechnik in Duisburg ein Fertigungsverfahren für PEM-Stacks entwickelt.
Die nächste f-cell findet vom 27. bis 28. September 2010 statt.